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Ihre Dichtung wurzelte im Volk

Eine Suppe aus Bier? Mit Rosinen, Zucker und Schaben? „Aller Augen warten hier… auf die Suppe, die aus Bier. Jeder schaut zu ihr nur hin, jedem steht danach der Sinn“, las Elke Nagel am Freitagabend im...

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Von Andreas Kirschke

Eine Suppe aus Bier? Mit Rosinen, Zucker und Schaben? „Aller Augen warten hier… auf die Suppe, die aus Bier. Jeder schaut zu ihr nur hin, jedem steht danach der Sinn“, las Elke Nagel am Freitagabend im Zejler-Smoler-Haus in Lohsa ihre deutsche Nachdichtung des humorvollen Alltagsgedichts „Piwowa poliwka“ (Die Biersuppe). Es stammt von der Mortkaer Volksdichterin Hañža Budarka (1860–1937). Der Poesieabend würdigte deren Werke gleich in vier Sprachen. Róža Domašcyna aus Bautzen (obersorbisch), Elke Nagel aus Mortka (deutsch), Christiana Piniekowa aus Cottbus (niedersorbisch) und Urszula Usakowska-Wolff aus Berlin (polnisch) trugen Budarkas und auch eigene Gedichte vor. Eingeladen hatten der Sorbische Künstlerbund und der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus anlässlich des 32. Festes der sorbischen Poesie. Weit über 20Gäste lauschten gespannt den Erinnerungen an die Volksdichterin.

Die Budarka wirkte segensreich. Sie verfasste rund 170 Gedichte. Stets trug sie Bleistift und Notizblock in der Schürze bei sich. Sie notierte viel im Alltag. Kinder rief sie nach dem Fußballspielen zum Abkühlen an die Wasserpumpe. „Sie war eine freundliche Frau. Sehr kinderlieb“, so Elke Nagel. Stark engagierte sich die Budarka in Neu Lohsa, im 1911 gegründeten Wendischen Verein „Handrij Zejler“ für Lohsa und Umgebung. Zu den sorbischen Festen schrieb sie immer die Prologe. Auch über die Spinnstube entstanden mehrere Gedichte. In der Zeit des Ersten Weltkrieges 1914 bis 1918 schrieb Budarka viele Auftragswerke. Oft dichtete sie für Beerdigungen. „So ist die Sammlung ihrer Gedichte wie eine Chronik über Lohsa“, würdigte Elke Nagel die Dichterin. „Sie hat sehr gern gedichtet. Und das bis ins hohe Alter.“ Dabei lechzte sie nie nach Anerkennung. Sie wollte schlicht ihre Liebe zum Dichten anderen weitergeben. „Ihre Dichtung wurzelte im Volk, mitten in der Region. Sie beschrieb den Alltag im Kleinen. Und das mit einem feinsinnigen, liebevollen Blick fürs Detail“, meinte die polnische Dichterin und Übersetzerin Urszula Usakowska Wolff aus Berlin.

Budarkas Sprachwitz, ihre Lebensnähe, Gegenwärtigkeit und Reimkunst begeistern auch die Bautzener Dichterin Róža Domašcyna. In Obersorbisch trug sie Budarkas Gedicht „Auftritt beim Faschingsvergnügen in Lohsa 1892“ vor. Sie regte dessen deutsche Nachdichtung an. Budarkas Zauber der Poesie harrt noch vieler Entdeckungen.

„Es ist die Schlichtheit und Konkretheit der Sprache. Sie bringt sie rhythmisch in Form. Man spürt ihre Intuition“, würdigte Schriftstellerin Christiana Piniekowa aus Cottbus die Volksdichterin.