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Ihre Kunden bezahlen nur bei Zufriedenheit

Die Dresdner Crowdfunding-Plattform Startnext hat sich in vier Jahren zum Marktführer entwickelt.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Bettina Klemm

Das Team von Startnext hat großes Vertrauen in seine Kundschaft. Während andere Plattformen zwischen fünf und zehn Prozent Provision fordern, sagen sie: Zahlen Sie, was Sie für angemessen halten. „Das bringt viel Sympathie. Wir fahren damit aber auch gut“, schätzt Geschäftsführerin Anne Theil ein. Sie leitet das Berliner Büro der Firma.

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Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Startnext ist seit Oktober 2010 am Markt und wurde in Dresden gegründet. Dabei handelt es sich um eine Crowdfunding-Plattform, auf der Künstler, Kulturschaffende, Vertreter der Kreativwirtschaft ihre Ideen präsentieren können, um Geld für ihre Projekte einzuwerben. Mit einem Euro sind Unterstützer schon dabei. Das erfolgreichste Startnext-Projekt und zugleich die höchste Summe auf einer deutschen Plattform ist mit rund 217.000 Euro der Dokumentarfilm „Am Borsigplatz geboren“, ein Film über die Entstehung des Fußballvereins Borussia Dortmund. Die Masse der Projekte in der freien Szene kommt jedoch schon mit ein paar Tausend Euro zurecht, um ihre Projekte zu verwirklichen. In der Regel legen die Initiatoren ein Dankeschön für die Geldgeber fest. Das kann bei etwas größeren Beträgen die Platzierung eines Logos auf der Eintrittskarte oder im Filmabspann sein. Auch eine Nebenrolle in einem Film kam schon vor. Bei Crowfunding gilt das Prinzip: alles oder nichts. Entweder es kommt die anfangs definierte Summe zusammen, oder Startnext überweist das eingesammelte Geld zurück.

„Alle kreativen Menschen und Vordenker müssen sich denselben Herausforderungen stellen: Geld einsammeln, Menschen für ihre Ideen gewinnen und sich mit ihren Unterstützern vernetzen. Wir haben Startnext 2010 gestartet, um sie genau dabei zu unterstützen“, erklärt Geschäftsführerin Anna Theil. Die Erfolgsgeschichte und die Wachstumskurve von Startnext zeige, dass Crowdfunding inzwischen ein wichtiger Finanzierungsbaustein für kreative Projekte ist und noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Im Durchschnitt sammelt ein Projekt rund 5.600 Euro von 85 Unterstützern ein.

Zehn feste Mitarbeiter

Meist, so Theil, scheitern Projekte schon ziemlich am Anfang. In den knapp vier Jahren des Bestehens von Startnext zahlten über 200.000 Nutzer insgesamt schon elf Millionen Euro für die jeweiligen Projekte ein, sagt Theil. Die einzelnen Kampagnen laufen zwischen 1 und 90 Tagen. Die Erfolgsquote liegt bei 60 Prozent. Das sei sogar international ein Spitzenwert. Geld verdient Startnext auch durch Dienstleistungen wie Workshops und Vorträge.

Seit längerer Zeit arbeitet die Dresden Marketing GmbH (DMG) mit Startnext eng zusammen. „Startnext gehört zu den Crowdfunding-Pionieren in Deutschland und ist für den Standort Dresden und für uns als Dachmarketingorganisation ein echter Glücksfall“, sagt DMG-Chefin Bettina Bunge. Ihre eigene Plattform www.dresden-durchstarter.de nutze die Technologie und die hohe Wahrnehmung von Startnext aus und könne somit kreative Ideen aus Dresden mit doppelter Kraft befördern.

Auf volles Risiko setzte auch Denis Bartel. In der Arbeit seiner 2003 gegründeten Agentur Tyclipso machte er Bekanntschaft mit dem Crowdfunding-Prinzip und der amerikanischen Plattform Kickstarter.com. Etwa zur gleichen Zeit arbeitete er mit Tino Kreßner zusammen. Der Medienwissenschaftler und er wurden sich schnell einig, es gemeinsam zu versuchen. Vor vier Jahren gründeten sie Startnext, zunächst als gemeinnützige Unternehmergesellschaft. Seit April dieses Jahres sind sie nicht mehr gemeinnützig. Anfangs waren sie zu zweit und nutzten die Ausrüstungen und Technik von Tyclipso. „Die Zahl der Mitarbeiter ist mit den Einnahmen gestiegen“, erklärt Bartel. Inzwischen gibt es im Team zehn Festangestellte.

Die Startnext-Gründer gehen davon aus, in diesem Jahr auf insgesamt 13 Millionen Euro zu kommen. Die nächste spannende Hürde könnte die 25 Millionen Euro-Marke sein, vielleicht in eineinhalb Jahren. Je bekannter die Plattform werde, desto schneller steige auch die Anzahl der Unterstützer. Aber in diesem Geschäft wisse man nie, was wirklich passiert, sagt Bartelt.