merken
PLUS

Pirna

Illegal über die Grüne Grenze

Wegen Zigaretten und Alkohol: Deutsche missachten die Grenzschließung nach Tschechien und riskieren dabei hohe Strafen.

Grenzbrücke zwischen Dolni Poustevna und Sebnitz: „Je strenger wir das hier durchziehen, um so eher herrscht wieder Normalzustand.“
Grenzbrücke zwischen Dolni Poustevna und Sebnitz: „Je strenger wir das hier durchziehen, um so eher herrscht wieder Normalzustand.“ © Daniel Schäfer

Seit mehr als einer Woche ist die Grenze nach Tschechien zu. Der öffentliche Verkehr mit Zügen und Bussen steht. Nur noch Arbeitspendler und Lkw-Fahrer sowie einige wenige Ausnahmen wie Diplomaten und EU-Parlamentarier werden an wenigen Straßenübergängen durchgelassen - wie zum Beispiel an der A17/D8, aber auch in Zinnwald/Cínovec. Die meisten kleineren Übergänge sind dagegen ganz zu, wie in Sebnitz oder Schöna im Elbtal. 

Doch viele sind der Meinung, dass zu Fuß abseits der Übergänge etwas geht, wie aus Beiträgen in sozialen Netzwerken hervorgeht. In der Nähe von Sebnitz sind bereits Fälle von illegalem Grenzübertritt bekannt. „Sie kommen über die grüne Grenze und decken sich bei einem der vietnamesischen Händler mit billigen Zigaretten und Alkohol ein“, sagt Robert Holec, Bürgermeister der benachbarten Grenzgemeinde Dolní Poustevna. Er selbst hat noch keine Deutschen gesehen. „Ich bewege mich nur minimal draußen und arbeite wegen der Corona-Krise von früh bis abends. Aber ich habe schon mehrfach Hinweise aus der Bevölkerung bekommen“, erklärt Holec.

Anzeige
Gemeinsam allem gewachsen

Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Bürgermeister Robert Holec. Um den Mundschutz für die Einwohner von Dolní Poustevna kümmert er sich selbst. 
Bürgermeister Robert Holec. Um den Mundschutz für die Einwohner von Dolní Poustevna kümmert er sich selbst.  © Steffen Neumann

„Auch die sogenannte grüne Grenze ist geschlossen und das kontrollieren wir“, sagt der Sprecher des tschechischen Polizeipräsidiums Ondřej Moravčík. Bei Kontrollen wurden schon Personen erwischt, die versuchten, illegal über die Grenze zu gelangen. „Täglich geht es um Dutzende Fälle“, sagt Moravčík. Dabei wurden bereits mehrfach Strafen verhängt, teils lief es noch glimpflich mit einer Belehrung ab. Bei einem illegalen Grenzübertritt handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Aufgrund des Ausnahmezustands gilt das Krisengesetz. Demnach sind die Bürger verpflichtet, Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen bis zu umgerechnet 8.000 Euro bestraft. „Handelt es sich um organisierten illegalen Grenzverkehr, kann das sogar als Straftat gewertet werden mit einem möglichen Freiheitsentzug von bis zu zwei Jahren“, ergänzt Moravčík. In Zinnwald/Cínovec fehlt jedenfalls der Reiz für deutsche Einkaufstouristen, illegal einen Abstecher ins Nachbarland zu machen. So berichten Augenzeugen, dass die vietnamesischen Händler ihre Geschäften verlassen hätten. Wer also einkaufen will, müsste tiefer ins Landesinnere fahren und die hohe Strafe riskieren.

Tschechische Polizisten am Grenzübergang Zinnwald/Cínovec. Die vietnamesischen Händler haben mittlerweile ihre Geschäfte verlassen.
Tschechische Polizisten am Grenzübergang Zinnwald/Cínovec. Die vietnamesischen Händler haben mittlerweile ihre Geschäfte verlassen. © Egbert Kamprath

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Einsamer Job an geschlossener Grenze

Tschechien grenzt sich gegen das Coronavirus ab. Fast niemand darf mehr rein oder raus. In Zinnwald und Schmilka spüren die Menschen die Auswirkungen.

Bürgermeister Robert Holec hat jetzt die Polizei unterrichtet und gebeten, in Dolní Poustevna und Umgebung schärfer zu kontrollieren. Eigentlich wolle er das Thema nicht hochkochen, denn die Deutschen sind in Dolní Poustevna beliebt. „Aber es ist mir unverständlich, wie man in dieser Zeit die Anordnung ignorieren kann. Die Deutschen, die sich hier bewegen, tragen außerdem keinen Mundschutz. Das ist grob fahrlässig.“ Nicht nur Holec bewertet die Maßnahmen in Deutschland gegen das Coronavirus als weicher und verspäteter als in Tschechien. Im Nachbarland herrscht schon seit vergangenem Montag eine allgemeine Ausgangssperre. Seit Donnerstag sind zudem alle Menschen verpflichtet, außerhalb ihrer Wohnung einen Mundschutz zu tragen. Da diese nicht mehr im freien Verkauf erhältlich sind, organisiert der Staat gerade die Verteilung. In Dolní Poustevna kümmert sich Bürgermeister Holec persönlich darum. Die Einzelhändler in seiner Gemeinde hat er aufgerufen, künftig nichts mehr an Deutsche zu verkaufen. „Je strenger wir das hier durchziehen, um so eher herrscht wieder Normalzustand“, meint Holec.

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.