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Bautzen

Illegales Autorennen vor Gericht

Der Fall ist brisant: Denn angeklagt sind ein Polizeischüler und ein Polizist. Da gerät sogar der Richter in Rage.

Ein Polizeischüler (rechts im Bild) und ein Polizist sollen sich im August 2018 in Schirgiswalde ein Autorennen geliefert haben.
Ein Polizeischüler (rechts im Bild) und ein Polizist sollen sich im August 2018 in Schirgiswalde ein Autorennen geliefert haben. © SZ/Uwe Soeder

Buatzen. Amtsrichter Ralf Nimphius schlägt mit der Hand auf den Tisch. Seine Stimme wird laut. „Ich weiß ja nicht, wie Sie Auto fahren – aber ich schaue dabei durchaus ab und zu in den Rückspiegel“, sagt er. Und: „Als Polizist müssen Sie doch Ihre Geschwindigkeit grob schätzen können!“ Ihm gegenüber sitzt ein junger Mann; der zuckt mit den Schultern. „Darin war ich nie gut“, sagt er, seine Stimme klingt patzig. Der 24-Jährige, der dem Richter da gegenübersitzt und ihn zu diesem Ausbruch gebracht hat, ist eigentlich nur als Zeuge geladen. Doch auch er sitzt in wenigen Tagen noch einmal auf der Anklagebank. Denn er und der heutige Angeklagte sollen sich im August 2018 in Schirgiswalde ein illegales Autorennen geliefert haben. Ein jähes Ende fand der mutmaßliche Zweikampf, als der 30-Jährige mit seinem Auto in einen Zaun fuhr.

Getrennte Verfahren

Erst seit Herbst 2017 sind illegale Autorennen strafbar – und bei denen, die sich nun vor dem Bautzener Amtsgericht verantworten müssen, handelt es sich ausgerechnet um Menschen, die eigentlich die Ordnung hüten sollten: einen Polizisten und einen Polizeischüler. Die Staatsanwaltschaft behandelt die Fälle in getrennten Gerichtsverfahren, an diesem Dienstag geht es um den Polizeianwärter, der nach dem mutmaßlichen Rennen im Zaun landete.

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Viele in Schirgiswalde hat die Tat berührt. Der Unfall. Der Gedanke, was hätte passieren können, wäre das Auto nicht im Zaun, sondern in der Gruppe Jugendlicher gelandet, die wenige Meter weiter Geburtstag feierten. All das war noch lange nach dem Abend im August ein Gesprächsthema. Immer wieder taucht die Frage auf: Warum hat die Polizei nicht von dem Unfall berichtet? Danach gefragt, sagt die Polizei, dass es eben nicht leistbar sei, über alle Vorkommnisse zu berichten.

Neun Zeugen erzählen an diesem Tag im Gericht, wie sie den Unfall erlebt haben. Darunter auch eine Polizistin, die sagt, dass sie erst spät bemerkte, dass ein Kollege in die Tat verwickelt zu sein schien. Kurz blickt sie in Richtung des Polizeischülers.

Dröhnende Motoren schon von Weitem gehört

Im Raum steht immer wieder die Frage: Handelte es sich wirklich um ein Rennen? Ein Auszubildender, der auf einer Party in der Nähe des Unfallortes eingeladen war, erzählt, dass die beiden Autos sehr zügig unterwegs waren. Da ist eine Schülerin, die mit den Hunden unterwegs war und beobachtet haben will, dass die Autos in einer Kurve nebeneinander fuhren. Dann soll eines der Autos vorgeprescht sein, das Mädchen beschreibt es als Überholen. Wiederum eine andere Zeugin erzählt, wie sie nach dem Unfall das vordere der beiden Autos beobachtete. Sie sah, wie der Wagen erst weiterfuhr und dann später wendete, zum Unfallort zurückkehrte.

Auch Anwohner sind zum Gerichtsprozess geladen. Eine Frau beschreibt, wie sie schon von Weitem die dröhnenden Motoren hörte und die quietschenden Reifen. Nur den Bruchteil einer Sekunde soll es gedauert haben, als die Autos an ihrem Küchenfenster vorbeirauschten – im nächsten Moment sah sie Teile durch die Luft fliegen. Das Auto hatte das eiserne Tor eines Grundstücks zerstört. Mehr als 20 000 Euro Schaden sollen allein an dem Zaun entstanden sein. Wenige Tage darauf soll der Angeklagte bei der Anwohnerin gewesen sein. Damals soll er erzählt haben, dass er beim Überholen von der Fahrbahn abgekommen sei – heute leugnet er das.

Zeugenaussage bringt Richter in Rage

Hört man den Zeugen zu, so bleiben kaum Zweifel. Alle sind sich sicher, wie das Ganze abgelaufen ist. Gegenteilig klingt es aber, als der Polizist und der Polizeischüler reden. Sie sprechen klar und deutlich, in der Stimme mehr der Ton von Patzigkeit, denn Reue. Die beiden sind sich sicher: Das war kein Rennen, „definitiv nicht“. Er sei von der Straße abgekommen, weil er einem entgegenkommenden Auto ausweichen musste, erzählt der Polizeischüler. Der andere Angeklagte habe gar nicht bemerkt, dass ein Auto hinter ihm gefahren sei. Überhaupt, wie schnell er unterwegs war, das wusste er auch nicht. Nicht unbedingt zu schnell jedenfalls.

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Es sind diese Sätze, die den Richter in Rage versetzen. „Wenn Ihre Aussage falsch ist, haben Sie ein Verfahren wegen Falschaussage an der Backe“, sagt er zu dem Polizisten. Ein Urteil wegen des illegalen Autorennens könne der Mann dienstrechtlich überleben. „Eine Falschaussage nicht“, stellt der Richter fest. Denn sicher ist: Gibt es ein Urteil, müssen sich die Männer auch einem polizeiinternen Disziplinarverfahren stellen. Beim nächsten Verhandlungstermin soll ein Gutachter eine Einschätzung geben.

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