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Erneut illegales Feuer im Nationalpark

Am Rauschenstein zündeln drei junge Männer. Obwohl das verbotene Lagerfeuer entdeckt wird, passiert nichts. Das sorgt für Kritik.

Nationalpark-Ranger Bernd Martin beseitigt die Feuerstelle im Rauschentor im Schmilkaer Gebiet.
Nationalpark-Ranger Bernd Martin beseitigt die Feuerstelle im Rauschentor im Schmilkaer Gebiet. © Mike Jäger

Eine Wanderin hat am Freitagabend vor einer Woche ein illegales Feuer in der Nähe vom Rauschenstein bei Schmilka entdeckt. Die Frau war gegen 20.30 Uhr in dem Wandergebiet unterwegs, als sie einen hellen Schein sah. Das Lagerfeuer hatten drei junge Männer im Rauschentor entzündet - einem Durchgang im Felsen, der von hohen Sandsteintürmen gesäumt wird. Die Flammen versperrten den Weg durch das Felsentor. 

Die Wanderin informierte daraufhin einen Bekannten, der bei der Nationalparkwacht als ehrenamtlicher Helfer tätig ist. Er rief den zuständigen Bereitschaftsdienst in der Nationalparkbehörde an. Dieser schien mit der Situation jedoch überfordert. Keiner hätte mehr Dienst, sagte er am Telefon. Wegen eines Lagerfeuers könne man nicht die Feuerwehr losschicken, gab er zur Antwort. Naturschutzhelfer Lutz Kocour, der den Vorfall mitbekommen hat, platzt daraufhin fast der Kragen. „Das darf doch nicht sein, ich erwarte, dass sofort Maßnahmen ergriffen werden“, fordert er. Sonst sei die ganze Wacht nutzlos.

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Daraufhin gibt die Bereitschaft die Information über ein verbotenes Lagerfeuer im Rauschentor an die Rettungsleitstelle weiter. Diese verständigt die Polizei. Wegen Ortsunkenntnis konnten die Beamten allerdings das Rauschentor nicht finden. Sie waren nachts lediglich den Elbleitenweg bis zum Rauschenstein gefahren. Dass die Polizei wieder abrückte, ist für Lutz Kocour schwer verständlich. „Ein Rückruf bei der Nationalparkbehörde hätte doch weiterhelfen können“, meint er.

Nationalparkwacht nicht rund um die Uhr im Einsatz

So einfach sei das nicht, versucht Nationalparksprecher Hanspeter Mayr zu rechtfertigen. „Die Nationalparkverwaltung ist nicht rund um die Uhr im Dienst“, erklärt er. Die Nationalparkwacht würde zwar je nach Prioritäten mit unregelmäßigen Anfangs- und Endzeiten im Schutzgebiet präsent sein. Vor allem an Wochenenden. Für den besagten Zeitraum jedoch hätte es wegen des geringeren Besucheraufkommens durch die Corona-Pandemie keine Veranlassung für Arbeitszeitverschiebungen gegeben, begründet Mayr.

Ein Argument, das für Naturfreund Grischa Hahn aus Dresden, der viel in der Sächsischen Schweiz unterwegs ist, nicht zählt. „So läuft die Sache nicht, da ist der Wald schon abgebrannt“, kritisiert er und fragt sich, warum der Nationalpark nicht seiner Pflicht nachkommt. Gerade am ersten Wochenende nach wochenlanger Ausgangssperre, wenn die Menschen wieder vermehrt in die Natur strömen.

Am Morgen danach ist die illegale Feuerstelle verlassen, aber die Asche noch warm. Trockenes Holz und Holzkohlestücke liegen herum. Nationalpark-Ranger Bernd Martin wurde zu seinem Dienstbeginn über die entdeckte Feuerstelle informiert und fuhr zum Rauschentor. „Ich verstehe das nicht – diese Unvernunft“, äußert er beim Anblick des erloschenen Lagerfeuers. Laut Martin würde es im Nationalpark wieder einen Zuwachs bei illegalen Feuern geben. Die Nationalparkwacht beseitigt im Nachgang die Asche sowie Brennholzreste. Das erledigte auch Bernd Martin im Rauschentor. Er holte sogar noch Wasser, um eventuelle Glut im Waldboden zu löschen.

Verheerende Waldbrände durch illegale Feuer

Übernachten im Freien im Nationalpark Sächsische Schweiz wird immer mehr zum Trend. Feuer zu machen, das ist jedoch in allen sächsischen Wäldern generell und zu jeder Zeit verboten. Der Grund ist ein ernster: immer mehr Waldbrände in der Sächsischen Schweiz, oft ausgelöst durch nächtliche Lagerfeuer. 2019 beispielsweise mussten im Nationalpark fünf Waldbrände gelöscht werden, wobei zwei von illegalen Lagerfeuern ausgegangen waren. Das Landratsamt in Pirna hatte im letzten Jahr aufgrund von extremer Trockenheit und Hitze zeitweise sogar ein nächtliches Betretungsverbot verhängt, um die Gefahr der Waldbrände einzudämmen. Zum Kontrollieren war die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Nationalparkwacht intensiviert worden - mit gemeinsamen Streifen.

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Dass Hinweisen von Naturfreunden auf illegale Feuer dennoch nicht sofort nachgegangen wird, scheint befremdlich. Auch bei einem illegalen Lagerfeuer in der Hyazinthe-Boofe im November letzten Jahres wurde nicht umgehend gehandelt. Dem Naturschutzhelfer Kocour ist Resignation anzumerken. Er fragt sich: „Wieso gebe ich meine Freizeit für die Nationalparkwacht, wenn bei illegalen Feuern so gehandelt wird, dass es für die potenziellen Brandstifter folgenlos bleibt?“

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