merken
PLUS Meißen

Im alten Gefängnis geht es voran

Ende August kommt der österreichische Bauherr erneut nach Meißen. Im Mittelpunkt steht ein Sensationsfund. Das ist der aktuelle Stand.

Von 1879 bis 1900 wurde das Gebäude zu einem Amtsgerichtsgefängnis umgebaut: 45 Zellen für insgesamt 100 Insassen. Bis in die 1960er-Jahre wurde das Gefängnis genutzt, danach verwaiste es.
Von 1879 bis 1900 wurde das Gebäude zu einem Amtsgerichtsgefängnis umgebaut: 45 Zellen für insgesamt 100 Insassen. Bis in die 1960er-Jahre wurde das Gefängnis genutzt, danach verwaiste es. © Claudia Hübschmann

Meißen. Seit Jahren wird das Alte Gefängnis auf dem Domplatz schon saniert. Denn vor etwa acht Jahren hat es ein österreichischer Investor gekauft. Im vergangenen Jahr gab es dann einen bauhistorischen Sensationsfund, den keiner erwartet hätte. Im Gebäude entdeckte man eine spätgotische Decke mit mächtigen Balken, ähnlich der Dimension in der Albrechtsburg oder im Rathaus. Sie muss allerdings restauriert werden. Dafür kommt Ende August ein in Meißen sehr bekannter Restaurator.

Gunter Preuß hat lange Zeit in Meißen gewohnt und gearbeitet, deswegen kennt er die Stadt gut. Doch der Fund im alten Gefängnis war auch für ihn überraschend. „Großartig! Das ist ein schönes Stück Geschichte, die wir nicht kannten“, so der Diplom-Restaurator am Telefon. Es war ihm zwar bewusst, dass das Gebäude im 16. Jahrhundert erbaut sein musste, das sah man an den Außenmauern sowie gotischen Fenstern: „Diese Decke ist jetzt jedoch ein eindeutiger Beweis.“

Gesundheit
Gesund und Fit
Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

2012 hat der selbstständige Restaurator sich erstmals mit dem ehemaligen Gefängnis beschäftigt. Dafür studierte er die alten Pläne und untersuchte das Mauerwerk. „Bei diesen Studien ist mir aufgefallen, dass noch 1,5 Meter an Höhe fehlten, die nirgendwo verzeichnet waren“, sagt er. 

Diese Lücke kam deswegen zustande, da damals eine zusätzliche Decke eingezogen wurde. In dem Gebäude wurde immer wieder neu gebaut. Die Statik sei deshalb furchtbar, alles wurde improvisiert, so der Restaurator. „Es ist ein Wunder, dass das ehemalige Gefängnis noch nicht zusammengebrochen ist.“

Bis Herbst soll die spätgotische Decke deshalb ordentlich befestigt werden. Das bedeutet: Sie wird freigelegt und gesichert, sodass sie sich von allein trägt. Erst dann kann Gunter Preuß restaurieren. Um das weitere Vorgehen zu besprechen, treffen sich zudem Georg Spiegelfeld, der österreichische Bauträger und Eigentümer, und er Ende August auf dem Domplatz.

Zukünftige Mieter sollen aus Meißen kommen

Seit fast dreißig Jahren arbeitet Gunter Preuß als Denkmalpfleger. Neben seinem Atelier in Klipphausen hat er ein Büro in Berlin. Unterschiedliche Projekte führten ihn nach Niedersachsen, Brandenburg, Bayern, Sachsen und Österreich. Selbst hat er schon viele Projekte mit dem Österreicher durchgeführt. Der Restaurator bezeichnet ihn als leidenschaftlichen Denkmalfreund.

Wohl auch deshalb: Georg Spiegelfeld leitet in Österreich eine eigene Bauträgergesellschaft, die Schlösser in Oberösterreich saniert, restauriert und verwaltet. 2012 hat er das Gebäude auf dem Domplatz 4 erworben. Davor hat es bis 2006 dem Freistaat gehört, erst danach wurde es privatisiert. 

Laut Informationen der Stadt Meißen arbeitet der Bauherr eng mit den Denkmalschutzbehörden zusammen. Trotz der neuen Nutzung als Wohn- und Gewerberaum hat es keine Einwände der Ämter gegeben: weder von den Denkmalschutzbehörden noch vom Landesamt für Archäologie Sachsen, so Stadtsprecherin Anne Dziallas.

Georg Spiegelfeld wünscht sich für das alte Gefängnis, dass die Mieter aus Meißen kommen. Bisher stehe nur einer fest. Im nächsten Jahr gibt es deshalb eine größere Präsentation des Gebäudes, um Meißner als Mieter zu gewinnen. Erst danach wird die Haustechnik eingerichtet. „Natürlich könnte ich jetzt alles schon planen und festlegen, aber es soll gemeinsam mit dem neuen Mieter entstehen“, erklärt Georg Spiegelfeld am Telefon.

Weiterführende Artikel

Licht und Luft fürs Gefängnis

Licht und Luft fürs Gefängnis

Georg Spiegelfeld ordnet sich dem alten Gemäuer auf dem Burgberg unter – nur an einer Stelle setzt er einen Akzent.

Er könne sich zum Beispiel ein Open-Space-Büro vorstellen, quasi eine moderne Form des Großraumbüros. Dies würde auch gut zum offenen Baustil des Gebäudes passen. Wichtig ist dem Bauherrn aber vor allem, dass kein 08/15-Projekt entsteht, sondern etwas Schönes. Deshalb begrüße er jeden Vorschlag der Meißner Bürger.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen