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Hoyerswerda

Im alten Waldbad schwimmen jetzt Fische

Dienstag vor Himmelfahrt öffnet in Zeißig ein Angelfachmarkt. Ruten können im Herbst im Teich ausgeworfen werden.

Sylvia Grimm ist die Inhaberin des Angelfachmarktes (im Hintergrund), der am kommenden Dienstag öffnet. Ihr zur Seite steht Lebensgefährte Ronald Reinert.
Sylvia Grimm ist die Inhaberin des Angelfachmarktes (im Hintergrund), der am kommenden Dienstag öffnet. Ihr zur Seite steht Lebensgefährte Ronald Reinert. © Foto: Ralf Grunert

Hoyerswerda/Zeißig.  Ein Schwimm-Becken mit Sprunggrube und sechs 25-Meter-Bahnen, ein Nichtschwimmerbecken mit Wasserpilz und Massage-Düsen sowie ein Babybecken mit Kriechtunnel und anderen Wasserspielen. So haben viele Ältere das Zeißiger Waldbad noch in Erinnerung. Mit Millionen-Aufwand war das ursprüngliche Bad Mitte der 1990er-Jahre in eine moderne Badeanstalt verwandelt worden. Die letzte reguläre Badesaison fand 2003 statt. Pläne des damaligen Stadtsportbundes Hoyerswerda, das Freibad zu einem Jugend- und Erholungszentrum auszubauen, erwiesen sich als ebenso wenig finanzierbar wie das Vorhaben von zwei Privatleuten, neben dem Badespaß ein Fitnessstudio zu etablieren. Mit der Zeit holte sich die Natur das Waldbadgelände zurück. „Überall Bäume, Sträucher und Sand. Alles war verwildert.“ Diese Erinnerung an ihren ersten Besuch auf dem Waldbad-Gelände hat sich Sylvia Grimm und Ronald Reinert eingeprägt. Das war im Dezember 2012 gewesen. Ein halbes Jahr später war der Kaufvertrag unterschrieben.

Spontane Idee: ein Angelteich

Eigentlich haben Sylvia Grimm und ihr Lebensgefährte nach einem Haus gesucht. Auf das Grundstück zwischen der alten B 96 und dem Hoyerswerdaer Schwarzwasser wurden sie von einem Makler aufmerksam gemacht. „Wir hatten gleich die Idee, da kann man einen Angelteich anlegen.“ Als langjährige Betreiber des Angelfachmarktes am Adler in Hoyerswerda sind beide nun mal vom Fach. Auch zeichnete sich bereits die Sperrung des Knappensees ab, die 2014 beginnen sollte. „Wenn die Angler nicht mehr angeln gehen können, müssen wir eine Alternative anbieten“, so die Überlegung von Ronald Reinert angesichts der dann nur noch wenigen verbleibenden Angelgewässer im Raum Hoyerswerda.

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Neben dem Angelteich sollte auch eine Fischgaststätte entstehen. Sylvia Grimm hatte bereits Erfahrung in der Gastronomie. Von diesem Gedanken verabschiedeten sich die beiden aber sehr schell wieder. Denn erst einmal gab es genug zu tun, für die Familie ein neues Zuhause zu schaffen und das Gelände herzurichten. „Der Gedanke, hier auch zu wohnen, war von Beginn an da“, erzählt Ronald Reinert.

Ein Foto aus dem Jahr 2006, nachdem die Stadt Hoyerswerda Millionen ins Waldbad investiert hatte. Zu sehen sind das Schwimm-Becken (li. oben), das Plansch-Becken (re.), der Wasserspielplatz (li. unten) und das Technik-Gebäude (re. oben).
Ein Foto aus dem Jahr 2006, nachdem die Stadt Hoyerswerda Millionen ins Waldbad investiert hatte. Zu sehen sind das Schwimm-Becken (li. oben), das Plansch-Becken (re.), der Wasserspielplatz (li. unten) und das Technik-Gebäude (re. oben). © Foto: Uwe Schulz

Monatelange Bagger-Arbeiten

Aus den Gebäuden, in denen ursprünglich mal Umkleiden, Sanitäranlagen und der Kiosk untergebracht waren, wurde ein Wohnhaus. In diesem konnte die Familie bereits ein Jahr später das Weihnachtsfest feiern. Bis zur Fertigstellung des Angelteiches ging dann doch einige Zeit ins Land. „Ich habe monatelang gebaggert“, blickt der 42-Jährige zurück. Zum Vorschein kamen dabei unter anderem die Fundamente des ursprünglichen Schwimmbeckens.

Fast genau dessen Ausmaße mit 35 mal 45 Metern bei einer maximalen Tiefe von 2,50 Meter hat nun auch der neue Angelteich, der vor etwa einem Jahr fertiggestellt war. Inzwischen tummeln sich im Wasser schon zahlreiche Fische. Größtenteils sind das Karpfen verschiedener Sorten sowie Plötzen, Rotfedern, Karauschen und weitere Friedfische, zählt Sylvia Grimm auf. Voraussichtlich im Herbst können Angelfreunde erstmals ihre Ruten auswerfen. Auf den Fang eines Meter-Karpfens braucht allerdings so schnell niemand spekulieren, dämpft Ronald Reinert allzu große Erwartungen der Petrijünger. Die Fische brauchen nun mal Zeit zum Wachsen.

Dieses Foto entstand im Jahr 2012. Zu diesem Zeitpunkt war vom modernen Freibad so gut wie nichts mehr übrig, sieht man mal von den Gebäuden ab. In diesem Zustand wechselte die Immobilie ein Jahr später den Eigentümer.
Dieses Foto entstand im Jahr 2012. Zu diesem Zeitpunkt war vom modernen Freibad so gut wie nichts mehr übrig, sieht man mal von den Gebäuden ab. In diesem Zustand wechselte die Immobilie ein Jahr später den Eigentümer. © Foto: Gernot Menzel

Technikgebäude wird Geschäft

Unmittelbar bevor steht dagegen die Eröffnung des Angelfachmarktes auf dem einstigen Waldbad-Gelände. Dienstag ist es soweit. Das ehemalige Technikgebäude, in dem zuletzt drei riesige Filteranlagen standen, bot sich in Kombination mit dem Angelteich geradezu für ein solches Geschäft an. Die Filteranlagen wurden verschrottet, ein neues Dach errichtet und die Fassade neu gemalert. Der Umbau zum Angelladen wurde in diesem Jahr abgeschlossen. Er bietet in Summe mehr Platz als der Angelfachmarkt am Adler, der nach dem Ausverkauf im Februar von Sylvia Grimm als Geschäftsinhaberin geschlossen wurde. Und das Beste: Der neue Laden, der von ihr zusammen mit vier Mitarbeitern betrieben wird, ist etwas Eigenes. Die Halle am Adler war dagegen nur gemietet gewesen.

Im Vergleich zur Lage am Adler, wo das bisherige Geschäft von der B 97 aus schnell ins Auge gefallen ist, befindet sich der neue Angelfachmarkt nun zwar etwas abseits, seitdem die Ostumfahrung von Hoyerswerda geöffnet ist und der Verkehr an Zeißig vorbei statt hindurch rollt. Ronald Reinert sieht darin keinen Nachteil, im Gegenteil. „Die ruhige Lage hier passt bestens zum Angeln“, findet er. Und seine Lebensgefährtin fügt hinzu: „Wir sind ein Spezialgeschäft. Wer Angler ist, der sucht seinen Laden. Wo wir zu finden sind, das spricht sich schnell herum“, ist sie überzeugt.

Hinweis: Der Angelfachmarkt auf dem Gelände des einstigen Waldbades Zeißig an der Bautzener Straße hat vom 19. Mai an unter der Woche täglich von 9 bis 18 Uhr und an den Samstagen von 9 bis 14 Uhr geöffnet.