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Im Aufbruch

Das Christliche Gymnasium verlässt das Quali-Zentrum. Wo der Unterricht nun stattfinden wird.

© Andreas Weihs

Von Jane Pabst

Eins, zwei, drei - juhu! Max, Hauke, Elisa und Hannah (v.l.n.r.) jubeln ausgelassen. Ihre Schule erhielt gestern für das „Kinderrechte“-Projekt den Bildungspreis der ERGO-Stiftung. Nicht nur über diese Auszeichnung machten die Elfjährigen freudige Luftsprünge. Schulleiterin Christin Tellisch verrät: „Wir ziehen um“.

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Ab August mietet der christliche Schulverein im ehemaligen Berufsschulzentrum Lange Straße Räumlichkeiten. Diana Ulbricht bestätigt: „In den nächsten Tagen unterzeichnen wir den Mietvertrag.“ Sie atmet erleichtert auf. Denn: „Die Verhandlungen mit dem Landratsamt waren schwierig.“ Mehr will sie dazu nicht sagen. Der Behörde gehört das Gebäude. In den vergangenen Wochen wurde publik, dass es dort Probleme mit maroden Fußböden gab. „Doch das wurde behoben“, so Ulbricht. Schon lange suchte der Schulträgerverein nach einer neuen Bleibe. „Die Kapazitäten hier sind fast ausgereizt. Maximal ein Jahr hätten wir noch bleiben können“, erklärt Christin Tellisch. 46 Kinder in drei Klassen der Stufen 5 bis 7 werden derzeit auf der Alleestraße unterrichtet. Für das neue Schuljahr kommt eine weitere, die 8. Klasse, hinzu. „Damit haben wir 22 weitere Kinder plus Quereinsteiger“, so Tellisch. Erstmals musste sie sogar Anmeldungen für Kinder ablehnen.

„Wir verzeichnen ein starkes Interesse an unserem Schulkonzept“, bestätigt die junge Direktorin. Während nach Gründung der Schule in freier Trägerschaft 2010 und genehmigtem Schulstart 2011 anfangs viel Skepsis herrschte, sei die Resonanz stark gestiegen. „Unser Konzept ist hier angekommen. Das ist ein schönes Gefühl “, empfindet die 27-Jährige und lächelt froh. Fünf fest angestellte Lehrer sowie Honorarkräfte unterstützen sie dabei, Lernen kreativ und mit Entdeckerfreude zu gestalten. So wählen die Kinder das Fach aus, das sie bearbeiten möchten, lernen nach eigenem Tempo, haben eine Stunde lang Mittagspause und das Fach Verantwortung als fächerübergreifenden Unterricht. Aufmerksamkeit erregte das „Rudolf Stempel“ Gymnasium mit ihrem Projekt „Kinderrechte“. Dabei diskutierten die Schüler im Geschichtsunterricht, gegen welche Kinderrechte zur Zeit des Holocaust verstoßen wurde, gründeten Beteiligungsgremien wie Klassenrat, Schul- und Klassensprecherversammlung. „Das Thema Kinderrechte hat nicht nur Einzug in der Schule gehalten, sondern auch im täglichen Leben der Schüler, in deren Familie und Freizeit“, so Tellisch, die sich als Lernbegleiter sieht. „Hier werden sie bestärkt, ihre Meinung zu äußern, Entscheidungen mitzutreffen und sich für Gerechtigkeit einzusetzen“, formuliert sie. Dass die Kinder ihre eigenen Rechte kennen und danach leben, erschien auch der ERGO-Stiftung besonders förderwürdig. „Wir zeichnen Projekte aus, die die Bildungsperspektiven für Kinder und Jugendliche nachhaltig verbessern“, sagt Heike Poganaz, Geschäftsführerin der ERGO-Stiftung Das Preisgeld von 5 000 Euro setzt die freie Schule unter anderem für die technische Ausrüstung der Kinder ein. „Wir kaufen davon einen Laptop und einen Beamer. Damit können unsere Kinder in andere Schulen, Horte und Jugendeinrichtungen ziehen und dort das Thema Kinderrechte vor Ort präsentieren“, sagt Diana Ulbricht. Doch auch für den Umzug können sie einen Teil des Geldes gut gebrauchen. Zwar sind laut Schulleitung die Gegebenheiten mit Sport- und Außenhalle sowie Fahrstuhl im BSZ ideal, aber es muss noch ein Fachkabinett für Physik und Chemie mitsamt Mobiliar wie Experimentiertische und Chemikalienschrank eingerichtet werden. Kosten: circa 30 000 Euro. Zudem sollen noch 24 Laptops angeschafft werden. Doch bevor die Umzugskartons gepackt werden, reisen sieben Kinder kommenden Montag nach Berlin. Politiker wie Gregor Gysi (Linke) und Cem Özdemir (Grüne) wollen sie dazu bewegen, dass Kinderrechte ins Grundgesetz gehören.