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Im Auftrag der Chinesen

Ein Mercedes-Händler stellt sich in Dresden und Leipzig vor, um die Angst vor den neuen Besitzern zu nehmen.

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© Symbolfoto: dpa

Von Nora Miethke

Dresden. Wolfram B. Geisler, Geschäftsführer der Stern Auto GmbH, ist unterwegs in Ostdeutschland. Am Montag in Dresden, gestern in Leipzig und heute in Magdeburg erklärt der Wirtschaftsingenieur den Beschäftigten in den Mercedes-Niederlassungen, was der neue Besitzer Lei Shing Hong (LSH) mit den Autohäusern in Ostdeutschland vorhat. Am vergangenen Freitag war der Vertrag über den Verkauf der Mercedes-Benz-Vertriebsgesellschaft an den chinesischen Mischkonzern aus Hongkong unterschrieben worden. Mit den schon Ende 2014 gekauften Autohäusern in Erfurt sind die Chinesen nun für 18 Standorte mit rund 1200 Mitarbeitern verantwortlich.

Die häufigste Frage „Wie geht es weiter?“ kann Geisler nach eigenen Worten am schnellsten beantworten. „Business as usual. Das Geschäft läuft weiter wie bisher“, sagt er. LSH sei kein Finanzinvestor, der Kapital aus dem Kauf herausschlagen wolle, sondern ein Autohändler, der mit geografischer Ausdehnung seine Basis erweitern wolle, versucht Geisler die Angst vor dem chinesischen Käufer zu nehmen. LSH ist der größte Mercedes-Händler der Welt und arbeitet seit 40 Jahren mit Daimler zusammen. Außerdem wolle das Unternehmen „das Geschäft in reifen Märkten“ kennenlernen. Der Mischkonzern betreibt 180 Autohäuser in China, Korea, Kambodscha, Malaysia, Australien, Taiwan, Vietnam und Deutschland. „Die Märkte in Asien sind alles sogenannte emergings, also kommende Märkte mit hohen Wachstumsraten“, erklärt Geisler, der 37 Jahre für die Daimler AG arbeitete, davon die letzten 15 Jahre in Asien. Der Konzernspitze sei bewusst, dass dies nicht ewig anhalten werde. Daher will sie schon jetzt damit beginnen, Erfahrungen mit dem Autoverkauf auf gesättigten Märkten zu sammeln, wo die Gewinnspanne für die Händler geringer wird. „Dieses weitblickende Vorausdenken ist typisch für chinesische Familienunternehmen“, so Geisler. Zudem sei die Familie, die hinter LSH steht, einst von Malaysia nach Hongkong gegangen, weil sie dort auf ein westliches Rechtssystem vertrauen kann. Die Stern Auto GmbH wurde im Dezember 2014 gegründet, um das Geschäft in Deutschland zu betreuen. Geisler bezeichnet sich selbst als „Einzelkämpfer“.

Des Zukunftstarifvertrags, den die Gewerkschaft IG Metall mit Daimler geschlossen hat, um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu sichern, hätte es laut Geisler nicht bedurft. LSH wolle professionell Handel betreiben, und den Managern in Hongkong sei klar, dass sie dabei auf die Mitarbeiter vor Ort angewiesen sind. Deshalb wäre es auch ohne diese Vereinbarung nicht zur Verschlechterung der Konditionen gekommen. Der Zukunftsvertrag sieht neben Bonuszahlungen beim Übergang an den neuen Besitzer vor, dass die Niederlassungen bis 2017 im Wesentlichen erhalten bleiben. „In Erfurt hatten wir den Zukunftstarifvertrag nicht und konnten dennoch den Beschäftigten dort schnell die Angst nehmen“, sagt Geisler. Die Motivation dort sei jetzt sogar höher als früher.

Der Grund liegt in einer veränderten Unternehmenskultur. Statt der strengen Vorgaben aus Stuttgart erhalte das Management vor Ort nun mehr Entscheidungsspielraum. Die Autohäuser müssen eine Planung für ein Jahr abgeben. „Diese wird geprüft und genehmigt, dann hat das Management selbst zu agieren“, so Geisler.