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Im Dialog

Sebnitz setzt ein Zeichen für Demokratie und Mitmenschlichkeit – einen Tag vor der Kundgebung der Rechtsextremen.

Von Anja Weber

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Lange Vorträge wollten sich die rund 60 Teilnehmer der ersten offenen Gesprächsrunde in Sebnitz nicht anhören. Unter ihnen waren auch einige Asylbewerber. Den Gästen brannten viele Fragen auf den Nägeln. Eingeladen zum offenen Bürgerforum hatte die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde in das Diakonat in Sebnitz.

Es ging um Dialog, darum, miteinander und nicht übereinander zu reden. Als Gesprächspartner standen Kati Hille, Beigeordnete im Landratsamt in Pirna, Harald Lamprecht, Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen, sowie der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) Rede und Antwort.

Die zentralen Themen, die die Besucher aus Sebnitz und Umgebung am gestrigen Abend bewegten, waren die deutsche Asylpolitik und die Auswirkungen auf Sebnitz.

So wurde gefragt, wie sind die Asylbewerber in Sebnitz untergebracht, wie viele kommen noch und welche Probleme gibt es? Aber auch: Wie kann man ihnen helfen? Derzeit wohnen in Sebnitz 33 Asylbewerber in zwölf Wohnungen, informierte Jens Willmuth, Chef der Wohnungsbaugesellschaft. Probleme gebe es wie in deutschen Familien auch, mit der Mülltrennung oder der Hausordnung. Nachdem man die Asylbewerber darüber informiert habe, funktioniere es. Außerdem habe die Firma, die die Unterkünfte der Asylbewerber betreut, einen 24-Stunden-Dienst eingerichtet für den Fall, das etwas passiert. „Die Leute sind nicht sich selbst überlassen. In manchen Häusern flackert auch der frühere Geist der Hausgemeinschaft wieder auf“, sagte Jens Willmuth. Laut dem Schlüssel des Landratsamtes könnte Sebnitz bis zu 70 Asylbewerber aufnehmen.

Wie werden die Asylbewerber integriert, war eine weitere Frage. Die Stadt bietet über Freiwillige im DRK-Mehrgenerationenhaus Sprachkurse an. Auch Gespräche mit Sportvereinen hat es gegeben. Die Stadt könne aber kein Alltagsbegleiter sein und setzte darauf, dass sich die Bürger einbringen, sagte OB Ruckh. Generell ist es aber so, dass die Asylbewerber hier selbstbestimmt leben können.

Was passiert, wenn sich ein Asylbewerber nicht einfügt, wollte ein Mann wissen. Für Asylbewerber gelten die deutschen Gesetze. Wird dagegen verstoßen, wirkt sich das allerdings nicht nachteilig auf das Asylverfahren selbst aus, antwortete Kati Hille. Warum werden diejenigen, bei denen der Asylantrag abgelehnt ist, nicht schneller abgeschoben, wurde gefragt. Sachsen sei eines der Länder, das am schnellsten abschiebe, auch im Winter, sagte Harald Lamprecht. Und es gab auch Ängste, was aus der Stadt und dem Land in Zukunft wird, wenn immer mehr Flüchtlinge kommen. Einige Teilnehmer trieb auch die Sorge um, was in den Ländern passiert, wenn die Menschen dort alle weggehen. Und er würde gern mehr über die Zustände in den Ländern erfahren, wo Religions- und Frauenrechte missachtet werden. Nicht alle Fragen konnten gestern Abend beantwortet werden. Manche wurden vielleicht auch gar nicht offen gestellt.

Aber für Sebnitz war es ein Anfang, künftig mehr miteinander als übereinander zu reden. Heute Abend, ab 19 Uhr, gibt es bei mehreren Veranstaltungen weitere Gelegenheit dazu. Ab 19.30 Uhr findet ein Friedensgebet in der evangelisch-lutherischen Stadtkirche mit anschließender kerzenerhellter Menschenkette statt. Die soll sich von der Kirche, vorbei am Rathaus, bis zum Marktplatz erstrecken. 19 Uhr findet eine Kundgebung mit Spaziergang statt, die NPD-Stadtrat Hartmut Gliemann angemeldet hat. Harald Lamprecht formulierte es gestern so: „Man muss überlegen, wem man nachläuft.“

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