merken
PLUS

Im digitalen Niemandsland

Nur etwa ein Drittel der Gymnasien im Landkreis Bautzen haben WLAN. Das ist längst überfällig, sagen viele Schulleiter.

„Mit moderner Technik umgehen zu können, das wird inzwischen als Grundfertigkeit vorausgesetzt, wie das Lesen und Schreiben“, sagt Uwe Blazejczyk, Schulleiter des Léon-Foucault-Gymnasiums in Hoyerswerda. Hier arbeiten seine Schülerinnen und Schüler im Eng
„Mit moderner Technik umgehen zu können, das wird inzwischen als Grundfertigkeit vorausgesetzt, wie das Lesen und Schreiben“, sagt Uwe Blazejczyk, Schulleiter des Léon-Foucault-Gymnasiums in Hoyerswerda. Hier arbeiten seine Schülerinnen und Schüler im Eng © Uwe Schulz

Bautzen. Der Schulleiter des Léon-Foucault-Gymnasiums in Hoyerswerda hat sich beeindrucken lassen. „Sensationell“, sagt Uwe Blazejczyk, und erzählt: „Im Biologie-Unterricht haben die Schüler eine Zelle mikroskopiert. Ich erinnere mich noch an meine eigene Schulzeit: Wir mussten die Zelle zeichnen“, sagt er. Seine Schülerinnen und Schüler haben es heute besser. Via WLAN wurde das mikroskopierte Bild direkt auf ihr Tablet übertragen, darauf konnten sie dann die einzelnen Bestandteile beschriften. Wieder über WLAN wurde das Bild dann zum Drucker geschickt. So konnten die Kinder dann die eigens mikroskopierte Zelle in ihre Mappe heften.

Nicht nur Uwe Blazejczyk freut sich darüber, dass moderne Technik im Unterricht angewendet wird. „So etwas motiviert die Schülerinnen und Schüler ungemein“, sagt er, und präzisiert: „Neue Hilfsmittel, mit anderen Instrumenten lernen ...“ – das macht abwechslungsreichen Unterricht aus. Blazejczyks Gymnasium ist so etwas wie eine Vorzeigeschule unter den Gymnasien im Landkreis Bautzen. Schon bald sollen alle Fünftklässler hier ein Tablet bekommen, die Geräte werden dann die Schulbücher ersetzen. Nach und nach sollen alle Jahrgänge mit Tablets ausgestattet werden. Technik wird hier nicht mit skeptischem Blick beäugt; sie wird hier im Unterricht angewendet und ausprobiert.

Anzeige
Mit Sicherheit mobil. Sachsen, steigt ein!
Mit Sicherheit mobil. Sachsen, steigt ein!

Mit einem starken ÖPNV stellt Sachsen die Weichen für die Mobilitätswende. Sicher, nachhaltig und klimaschonend.

Selbstverständlicher Umgang mit moderner Technik

„Mit moderner Technik umgehen zu können, das wird inzwischen als Grundfertigkeit vorausgesetzt, wie das Lesen und Schreiben“, sagt Blazejczyk. Nicht nur er drängt deshalb auf eine schnelle Entscheidung für einen Digitalpakt. Weil es vielen Schulen an Technik mangelt, soll der Bund helfen, Schulen mit Laptops, Tablets und Smartboards auszustatten. Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollen dafür etwa fünf Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Doch schon länger diskutieren Bund und Länder über die Finanzierung der Maßnahmen, bislang ergebnislos.

Eine Voraussetzung, um Technik, wie Tablets und Laptops sinnvoll nutzen zu können, ist WLAN. Das Hoyerswerdaer Léon-Foucault-Gymnasium verfügt bereits über das drahtlose Internet, aber längst nicht alle Gymnasien im Landkreis sind damit ausgestattet. Von neun Gymnasien, die auf eine Anfrage antworteten, gaben nur drei an, im Schulgebäude über WLAN zu verfügen. Ein viertes hat WLAN immerhin im Nebengebäude. Noch dazu ist das Internet in den meisten Gymnasien im Landkreis sehr langsam. Am Léon-Foucault-Gymnasium können Daten mit einer Übertragungsrate von 100 Megabit pro Sekunde übermittelt werden. Die meisten Gymnasien arbeiten mit deutlich schlechteren Verbindungen, nicht wenige gelten mit Übertragungsraten von unter 30 Megabit als unterversorgt. Die wenigsten der Gymnasien sind ans Breitband angeschlossen. Doch das soll sich ändern: „Der Breitbandausbau wurde durch unser Schulamt für alle Schulen in Trägerschaft des Landkreises beantragt“, erklärt dazu das Landratsamt.

Aber sind schnelles Internet und WLAN an Schulen denn wirklich so wichtig? „Ja“, sagt Karsten Vogt, Schulleiter des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums in Bautzen. „WLAN ist heute unumgänglich.“ Trotzdem: An seiner Schule gibt es das nur im Nebengebäude. Dass das zuweilen nicht mehr zeitgemäß ist, zeigte sich auch beim Demokratie-Projekttag an seiner Schule. Dort bemängelten einige Lehrer das fehlende WLAN, denn viele Redner hatten danach gefragt. „Wir bräuchten WLAN vor allem für Recherchen im Unterricht“, erklärt Vogt. Auch sei ein elektronisches Klassenbuch geplant. Vor allem, wenn im Kurssystem unterrichtet wird, und das gedruckte Buch nur bei einem Teil der Klasse dabei ist, würde eine digitale Variante helfen. „Wir brauchen auch eine höhere Datenversorgungsrate“, sagt Vogt weiter. „Wenn die Schüler im Informatikkabinett sitzen, ist zu spüren, dass die Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Internetseiten nachlässt. Das beeinträchtigt den Unterricht.“

Tablets im Unterricht umstritten

Dass WLAN und schnelles Internet heutzutage im Schulunterricht unumgänglich sind, da scheinen sich die meisten Schulleiter einig. Ob aber Tablets für alle Schüler benötigt werden, da gibt es unterschiedliche Meinungen. „Es gibt auch Gründe dagegen“, sagt Karsten Vogt vom Bautzener Philipp-Melanchthon-Gymnasium zögerlich. „Es gibt Studien, die behaupten, dass Schüler Zeitungsartikel besser abspeichern, wenn sie diese gedruckt gelesen haben, als auf dem Bildschirm.“

Weiterführende Artikel

250 Millionen Euro für Sachsens Schulen

250 Millionen Euro für Sachsens Schulen

Das Geld soll vor allem in den Aufbau der IT-Infrastruktur und eine bessere Vernetzung in den Schulgebäuden fließen.

Und überhaupt. Tablets für alle Schüler – ist das nicht ziemlich teuer? „Ein Schulbuchsatz kostet 200 Euro. Die Eltern baten mich wegen der schweren Schultaschen, dass die Kinder jeweils ein zweites Buch zur Verfügung haben, dass sie in der Schule lassen können. Dann sind wir bei 400 Euro“, rechnet Uwe Blazejczyk vor. Ein Tablet koste ähnlich viel, die neue Technik sei also gar nicht teurer. Er nennt einen weiteren Vorteil: „Außerdem können die Schüler in dem Tablet wichtige Stellne in Texten markieren und mit den Büchern arbeiten. Mit einem geliehenen Buch geht das nicht.“