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Im Einklang mit der Natur

Die Jauerbach-Aue am Miltitzer Frosch bei Nebelschütz soll langfristig aufgewertet werden. Einiges ist schon passiert.

© Andreas Kirschke

Von Andreas Kirschke

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Wer denkt, idyllisches Landleben und Hochkultur schließen sich aus, der liegt falsch: Bei C. Bechstein in Seifhennersdorf findet ein Konzert der besonderen Art statt.

Miltitz. Natur, Kultur und Soziales bedingen einander, und Permakultur bringt sie in Übereinstimmung. Permakultur steht für eine weit vorausschauende, enkeltaugliche, zukunftsträchtige Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur. „Wir schaffen hochproduktive Flächen auf kleinem Raum. Jedes Element hat mehrere Aufgaben, und jede Aufgabe wird von mehreren Elementen erfüllt“, sagt Geologe und Permakulturdesigner Thomas Noack, Verantwortlicher für Permakultur in der Gemeinde Nebelschütz. Es soll unter anderem für die Gestaltung der Jauerbach-Aue unweit des Miltitzer Frosches angewandt werden.

Das 2014 entwickelte ökologisch-künstlerische Projekt „Njebjesa“ (Himmelsort) soll dort unter Anwendung der Prinzipien der Permakultur weitergeführt, erläuterte der Geologe jüngst im Gemeinderat. Bereits entstanden ist ein Versammlungsplatz. Dort kann künftig unter anderem das Hexenfeuer stattfinden. Ebenfalls rea-lisiert sind eine Streuobstwiese mit 55 Obstbäumen und ein Biotop mit Sträuchern und Bäumen. Demnächst wird ein Storchennest aufgestellt. In Planung ist eine fünf Hektar große Ackerfläche. Dort sollen Terrassenfelder entstehen. „Sie werden so angelegt, dass sie maschinell von Landwirten bewirtschaftet werden können“, erläutert Thomas Noack. „Zwischen den jeweiligen Terrassenfeldern sollen flache, mit Obstbäumen und Beerensträuchern bepflanzte Böschungen entstehen.“ Ziel ist eine beispielhafte kommerzielle Bewirtschaftung, wobei für die Wildtiere immer etwas übrig bleibt.

Dorfladen in Nebelschütz übernommen

„Durch die intensive, industrielle Landwirtschaft gibt es heute auf vielen Feldrändern kaum noch Rückzugsflächen für Vögel und Insekten“, sagt Hubert Lange, Mitgesellschafter der neu gegründeten Unternehmergesellschaft Lausitzer Höfeladen (UG). Diese hat auch den Dorfladen in Nebelschütz mit Naturkost und regionalen Produkten übernommen. Der Bautzener Hubert Lange ist Diplom-Agrar-Ingenieur und Landwirtschaftsberater. „Wir verzeichnen beispielsweise einen dramatischen Rückgang an Insekten und Singvögeln – um bis zu 80 Prozent bei einigen Arten. Unser Projekt am Teilabschnitt der Jauerbach-Aue am Miltitzer Frosch soll dem im Kleinen entgegenwirken, damit ein allgemeiner Lernprozess angeschoben werden kann. Durch die Nachahmung vielerorts könnte der Natur wieder Raum zur Entfaltung gegeben und dem Artensterben wirk-sam entgegengewirkt werden.“

Mit den Terrassenfeldern entsteht zugleich ein etwa 5 000 Quadratmeter großer Teich, dem eine Mehrfachbedeutung zukommt. Seltene, geschützte Tiere und Pflanzen wie der Bitterling (eine geschützte Fisch-Art) sowie Pflanzen wie Sumpfblut-Auge und Igelkolben sollen hier heimisch werden. Zudem erlangt der Teich eine wichtige Bedeutung für die Hochwasser-Regulierung vor Ort. Die Gemeinde Nebelschütz als Eigentümer der Flächen ist Träger des gesamten Projektes. Sie will es in Kooperation mit dem Kulturverein Steinleicht und der Lausitzer Höfeladen UG umsetzen. „Wir sind jetzt in der Planungsstufe 2“, so Thomas Noack. „Das heißt: Die entsprechenden Bauanträge sind eingereicht bei der Landes-Talsperren-Verwaltung und beim Landkreis Bautzen. Die Zusammensetzung der Investoren wird derzeit verhandelt. In den nächsten fünf Jahren soll das gesamte Projekt realisiert werden.“

Ziel ist, dass sich das Projekt künftig selbst wirtschaftlich trägt. Es ist auf Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit ausgerichtet. Es ist ein weiterer Schritt regionaler Selbstvermarktung in der Gemeinde Nebelschütz. Eng arbeiten die Projektpartner mit dem jungen sorbischen Öko-Landwirt Ignac Wjesela in Crostwitz zusammen. Er soll die Terrassenfelder künftig bewirtschaften. „Das ganze Areal wird eingesäumt durch einen Rundwanderweg und durch eine Schutzhecke“, sagt Thomas Noack. „Damit schaffen wir eine enkeltaugliche Aufwertung der Jauerbach-Aue.“ Wie Hubert Lange brennt er für das Projekt. Es soll zeigen, wie moderne Landwirtschaft auch in einem sich selbst erhaltenden System im Einklang mit der Natur betrieben werden kann.