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Leben und Stil

Im Erziehen bin ich eine Null

In der Kolumne von Manuela Müller geht es diesmal um pädagogische Pleiten. Selbst beim Hund. Ich müsste mehr vom Ende her denken, sagt sie. 

"Ein Ass bin ich auch im Trampolinspringen".
"Ein Ass bin ich auch im Trampolinspringen". © dpa

Von Manuela Müller

Meine pädagogischen Fähigkeiten haben noch ganz viel Luft nach oben. Manchmal tauge ich als Vorbild, das schon. Zum Beispiel kann ich sehr gut vormachen, wie man in der Badewanne so lange wie möglich taucht. Kind 2 hat aber den Ehrgeiz von Greta Thunberg. Das Mädchen ist einfach drei Sekunden besser als ich. Leider neigt es dazu, beim Tauchen mit den Beinen auszuschlagen. Die Spritzer reichen bis zur Decke.

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Ein Ass bin ich auch im Trampolinspringen. Ich bin der hüpfende Beweis dafür, dass sich so ein Körper noch zum Salto eignet, wenn er hier und da schon ziemlich abgenutzt ist. Man kann ordentlich was lernen von mir. Von meinem gebrochenen Finger haben sich Kind 1 und Kind 2 für die Ewigkeit das kleine, aber schicksalhafte Detail gemerkt, dass man nicht gleichzeitig Trampolinspringen und Ballspielen sollte.

Manuela Müller
Manuela Müller © privat

Im Erziehen bin ich eine Vier minus. Höchstens. Das weiß selbst der Hund. In dieser Familie bin ich die einzige Person, bei der der Zwergdackel nicht mal auf „Sitz!“ hört. Ich sage: „Sitz! Sitz!“, und dieses nutellabraune Pokemon schaut mir in die Augen, dreht sich weg und dackelt zum Sofa. Auch das ist schwer zu verkraften: Wenn man zum Grillen eingeladen ist, seine Bratwursthand kurz nach unten baumeln lässt, einen Zug verspürt und sieht, wie der eigene Hund mit der geklauten Bratwurst abzieht. Ich hatte keine Lust, sie mir zurückzuklauen, und holte mir eine neue. Nennenswerte Strafen habe ich mir abgewöhnt. Auch beim Dackel. Schon allein deshalb, weil er mich gut leiden kann. Er wedelt vor Freude mit dem Schwanz, sobald ich nach Hause komme. Selbst wenn ich nur Müll weggebracht habe.

Kind 1 hat niemals Lust zum Duschen, was ich irgendwie schade finde. Meine Drohungen sind so ausgelutscht, dass sie nur noch in Kombination mit einer netten Aussicht wirken. So zum Beispiel: „Wenn du nicht duschst, wirst du bald riechen wie ein stinkiger Käse.“ Das entlockt dem Jungen höchstens ein Augenrollen, und ich muss die nächste Stufe auf dem Weg zur pädagogischen Pleite zünden: „Dusche und ich zeige dir, wie man in der Bratpfanne Eierkuchen jongliert!“ Die Latte liegt immer höher. Meine Schuld eben.

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Selbstkritisch bin ich, das auf jeden Fall. In mein Zeugnis würde ich schreiben: „Bitte in Zukunft mehr vom Ende her denken.“ Ein schöner Satz. Was ich mir alles ersparen würde, wenn ich es beherrschte. Sitze da und versuche es, dieses vom Ende her denken. Ergebnis: Dann hätte ich keinen Spaß mehr.