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Im Frühjahr wird das Dach aufgesetzt

Im April beginnt die Montage der Kuppel über dem Kleinen Schlosshof. Auch im Gebäude gehen die Bauarbeiten voran.

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Von Andreas Rentsch

Der Rundgang durchs Residenzschloss beginnt an einer Tür aus massiver Eiche. Es ist der Eingang des „Schönen Tores“, eines der schönsten Renaissance-Portale in ganz Deutschland, lobt Sachsens Finanzminister Stanislaw Tillich (CDU), der an diesem Montagmorgen zum seltenen Vor-Ort-Termin geladen hat.

Auf einem eigens aufgestellten Gerüst in der Schützkapelle stehen Jochen Flade und sein Sohn Philipp. Die beiden arbeiten daran, ein rund 450 Jahre altes Stück Handwerkskunst fertig zu restaurieren. Wenn die Bauleute das komplette Tor wieder an seinen angestammten Platz bringen, wird nur eine Kopie der reich verzierten Holztür eingesetzt. „Das Original soll später ausgestellt werden“, erklärt der 57-jährige Flade.

Hof wird zum Foyer

Auch anderswo in dem weitläufigen Gebäudekomplex herrscht reges Treiben. Mitten im Großen Schlosshof gräbt ein Bagger ein Loch. „Das wird das Fundament für den Kran“, erklärt Ludwig Coulin. Der Chef des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) ist Koordinator und Kommunikator der riesigen Baustelle inmitten der Altstadt. Wenn die schwere Hebetechnik funktionstüchtig ist, dauert es nicht mehr lange, bis das spektakulärste Vorhaben beginnt, für das Coulin in diesem Jahr die Verantwortung trägt. Der Kleine Schlosshof bekommt eine transparente Kuppel und wird damit zum Besucher-Foyer. Ab April sollen Spezialisten der Stahlbaufirma MBM aus Dresden die ersten Segmente in einer Höhe von über zwanzig Metern zusammenfügen. Das Gerüst steht bereits. „Wenn wir im Mai Richtfest feiern, sind wir sehr gut“, sagt der SIB-Chef. Insgesamt sind an dem Projekt zwölf Unternehmen beteiligt. Ende des Jahres soll auch das ebenerdige Foyer fertig sein.

Schwierige Statik

Eigentlich sollte die filigrane Konstruktion des Architekten Peter Kulka schon 2007 an ihren Bestimmungsort gehievt werden. Doch manche Probleme habe man nicht voraussehen können, sagt Coulin. So sei es nötig geworden, die Fassadenränder ringsum zu ertüchtigen. Nur so halten sie das Gewicht des Daches, das etwa halb so groß ist wie ein Fußballfeld.

Über die Englische Treppe geht es hinauf in den Riesensaal, aus dem den Besuchern warme Luft entgegenschlägt. Der 60 Meter lange und elf Meter breite Raum ist völlig leer. „Erst wenn der Bau zur Ruhe gekommen ist, gehen die Arbeiten weiter“, erklärt Coulin. Dazu gehört, dass die Wände „aussalzen“, also langsam abtrocknen.

Eine offene Spindeltreppe aus Sandstein führt in einen weiteren Raum. Die Stahlträger-Decke über den Köpfen der Besucher zeigt, dass nicht überall nach historischem Vorbild gebaut wird. Hier soll später einmal die Rüstkammer einziehen.

Im ersten Obergeschoss des Nordflügels hat Hans-Christoph Walther sein Reich. Der Restaurator für Architekturfassung und Wandmalerei breitet Dutzende historische Fotografien vor sich aus. Daneben liegt ein Ordner, in dem er Zeichnungen abheftet. Seine Suche nach der einstigen Schönheit des Schloss-Inneren ließe sich am ehesten mit einem komplizierten Puzzle vergleichen, sagt Walther. „Es ist erstaunlich, wie viele Informationen noch vorhanden sind. In Dresdner Museen wird das Sammeln und Bewahren ernst genommen.“

Mancher Befund der Experten wird auch den Finanzminister freuen. Walther und seine Kollegen haben nachgewiesen, dass einige Stuckdecken zwar vor Kriegsende 1945 vergoldet waren, nicht aber im 18. Jahrhundert. Wiederhergestellt werden soll jetzt der frühere Zustand, sagt der Restaurator. „Das spart Gold und Geld.“

Teures Prestigeobjekt

Teuer genug wird es ohnehin. Seit 1991 hat der Freistaat 218 Millionen Euro in den Wiederaufbau des Schlosses investiert. In diesem Jahr sind rund 15 Millionen Euro eingeplant. Wird das epochale Projekt wie geplant im Jahr 2013 abgeschlossen, sind nach aktuellen Schätzungen rund 337Millionen Euro ausgegeben worden. SIB-Chef Ludwig Coulin glaubt, den Zeitplan halten zu können. „Wir liegen voll im Plan.“