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Im Geiste von Big-Helga

Wer erinnert sich nicht gern an jene einmaligen Fernsehauftritte der großen Berliner Entertainerin, Sängerin und Kabarettistin Helga Hahnemann. Ihre Lieder und Sketche sind unvergessen. Das war für deren...

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Von Heiko Schreiber

Wer erinnert sich nicht gern an jene einmaligen Fernsehauftritte der großen Berliner Entertainerin, Sängerin und Kabarettistin Helga Hahnemann. Ihre Lieder und Sketche sind unvergessen. Das war für deren langjährige Bühnenpartnerin Dagmar Gelbke dann auch die zündende Idee, nach dem großen Erfolg einer ersten Show vor zwei Jahren anlässlich des zehnten Todestages der Hahnemann, neuerlich an diese einmalige Künstlerin zu erinnern. Mit einem Showprogramm, „das der Helga würdig ist und ihr ein künstlerisches Denkmal setzt“, so Dagmar Gelbke gegenüber der SZ. Das vollzog sich nun mit der Premierenveranstaltung am Sonntagnachmittag im Kulturhaus Großröhrsdorf.

Mit Ilse Gürtelschnalle

und Traudel Schulze

Als Bühnenmeister Ludwig Zoff begleitete Lutz Hoff – vielen Fernsehzuschauern sicherlich noch von der Sendung „Schätzen Sie mal“ (1984 bis 1997) ein Begriff – durch’s Programm. Er machte dabei auch so manch gekonnte Anspielung auf die gegenwärtigen gesellschaftlichen Unebenheiten und das Chaos, das die politischen Machthaber im Berliner Regierungskarussell anrichten. Was die Hahnemann zur Gegenwart wohl gesagt hätte? - Die Antwort gab die Big Band Klaus Fischer mit jenem unvergessenen Hit „Jetzt käm die Süße“, der sich wie ein roter Faden durch das fast dreistündige Programm zog und an die wichtigsten künstlerischen Lebensstationen und Auftritte dieses wirklichen Superstars erinnerte.

Als Sportlehrerin Ilse Gürtelschnalle mit typischer NVA-Jacke machte die Gelbke den Zuschauern mit „auf und ab, Hände hoch und nieder usw.“ von Anfang an Beine. Dagmar Gelbke war als singend, steppend und spielend voll in ihrem Element. Zum Beispiel beim Sketch „Traudel Schulze und Ehemann Hugo beim Abendbrot.“ In der Rolle des männlichen Parts war Wolfgang Flieder zu erleben, unter anderem bekannt als Leiter des Kabaretts „Die Oderhähne“.

Ein Urgestein der DDR-Musikgeschichte war an diesem Spätnachmittag ebenfalls live zu erleben: Günter Gollasch. In diesem Jahr feierte er seinen 80. Geburtstag. Als Chef des Rundfunktanzorchesters Berlin und „Onkel Stanislaus und seine Jazz-Opas“ war er Millionen Fernsehzuschauern ein Begriff – als Perfektionist und Vollblutmusiker internationalen Ranges. Was Gollasch als Klarinettenvirtuose mit Hahnemannlied, Eigenkomposition und Louis Armstrong-Jazz- Weltmusik bot, war einzigartig. Ein ganz anderes Kaliber aus der humoristischen Ecke war da eher der Auftritt der „Gebrüder Blattschuss“. Natürlich stimmten sie auch ihre „Kreuzberger Nächte“ an, erinnerten mit dem Song „Wo ist mein Geld bloß geblieben“ aber ebenso an Big-Helga.

Und was wäre eine solch bunte Veranstaltung ohne Ballett. Die Maik-Damboldt-Dance-Company – ehemalige Mitglieder des Fernsehballetts – bereicherten die Veranstaltung mit erstklassigen Choreografien zu bekannten Hahnemann-Melodien. Ob im Renaissancekostüm oder moderneren Outfit, die Tänzer dieses Balletts verdienen immer noch das Prädikat Weltklasse. Aber auch die Big Band Klaus Fischer bewies bei dieser Veranstaltung erneut, dass sie ein Klangkörper der Spitzenklasse ist.

Eine Urberliner Pflanze durfte an diesem Nachmittag auch nicht fehlen: Angelika Mann. „Berlin, du bist die größte Quasselstrippe von der Welt...“ scheint ihr musikalisch und charakterlich genauso auf den Leib geschneidert zu sein, wie gesangliche Interpretationen der unvergessenen Claire Waldhoff. Und auf einen Stargast hatte das Publikum besonders gewartet: Nina Lizell. Natürlich bot sie neben einem Erinnerungslied an Helga ihre großen, internationalen Hits der Sechziger und Siebziger, wie „Der Mann mit dem Panama-Hut“.

Die Zuschauer brauchten am Anfang eine gewisse Anlaufphase, um in Schwung zu kommen. Aber zum Schluss gingen sie voll mit. So zum Beispiel bei den Cancan tanzenden Nachtbarattraktionen, die Dagmar Gelbke und Angelika Mann auf die Bühne brachten.

Nach lang anhaltendem Beifall und Zugaben der Big Band waren die Leute im Saal voll auf begeistert. Sonja Berge aus Stolpen: „Ich war das erste Mal hier und habe mein Kommen nicht bereut.“ Familie Merting mit Roland, Petra und die kleine Nadine aus Frankfurt/Oder meinte: „Die Stadtväter von Großröhrsdorf sollten sich glücklich schätzen, dass es noch Leute gibt, die so eine Premierenveranstaltung hier her holen.“

Schade nur, dass der Abend von einem übereifrigen Ordnungshüter der Stadt getrübt wurde, der gerade an den Künstler-Pkw die berüchtigten Knöllchen installierte.