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Im Großgarten des Ulrich Schmidt

Ein 81-jähriger Hoyerswerdaer ist seit Jahrzehnten Nebenerwerbs-Landwirt am Rande seiner Heimatstadt.

Anderswo mag
die Aronia-Ernte
in diesem Jahr
mau ausfallen. Nicht so bei Ulrich Schmidt. Er hat
einen günstigen Standort gewählt. Seine Pflege tut ihr Übriges.
Man kann hier aber auch Brombeeren, Bohnen oder Tomaten
kaufen.
Anderswo mag die Aronia-Ernte in diesem Jahr mau ausfallen. Nicht so bei Ulrich Schmidt. Er hat einen günstigen Standort gewählt. Seine Pflege tut ihr Übriges. Man kann hier aber auch Brombeeren, Bohnen oder Tomaten kaufen. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Ein paar Möhren hat die Frau ausgesät und ein bisschen Rettich. Nebenan zeigen sich die ersten Spitzen vom Kohl. „Das hier ist leider viel zu wenig bekannt“, sagt sie. Die Nardterin gärtnert auf einem Gelände, das sein Besitzer „Weihnachtsbaum-Anzucht- und -verkauf“ nennt. Die Bezeichnung trifft es allerdings nur zum Teil. Ulrich Schmidt ackert unweit der Spremberger Brücke in Hoyerswerda schon seit Jahrzehnten. Und weil er wirklich genug Platz hat, hat er der erwähnten Frau aus Nardt ein Stückchen Land für ihre Aktivitäten überlassen. Nun ist sie zum Gießen da, hat eigens geblümte Gummistiefel angezogen.

Wasser, sagt Schmidt, sei dieses Jahr das Hauptproblem. Schon seit Ende Mai kann er der Schwarzen Elster nichts mehr entnehmen und sein großer Hoch-Tank am Weg zwischen Spremberger Chaussee und Kirchwegbrücke leert sich langsam. Also blieb zuletzt nichts anderes übrig, als das notwendige Nass kubikmeterweise von daheim anzufahren. Tomaten, Gurken, Bohnen, Himbeeren, Aroniasträucher – alles braucht eben Wasser. Für seine Bienen hat Ulrich Schmidt großflächig Buchweizen, Ölrettich und Büschelschön ausgesät: „Sie gehen aber nicht drauf.“ Denn ohne ausreichend Feuchtigkeit gibt es auch keinen Nektar. Drei Bäume aus der Weihnachtsbaum-Zucht haben wegen der Trockenheit den Geist aufgegeben und Ulrich Schmidt musste die Säge nehmen. Die Colorado-Tannen mit ihren tiefen Wurzeln hingegen halten gut durch. Und als neulich in der Zeitung stand, die Aronia-Ernte werde wegen Spätfrösten im Mai dieses Jahr mies ausfallen, konnte Schmidt nur seinen Kopf schütteln: Nicht bei ihm!

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Durchs Tor kommt eine Frau aus dem WK I. „Uli, wo hast Du denn die Brombeeren“, will sie wissen und hat schon eine Schale in der Hand. Man kann hier nämlich selbst pflücken. Für die Mühe kostet es weniger als auf dem Markt oder im Supermarkt. Was der 81-jährige Hoyerswerdaer tut und anbietet, entzieht sich etwas klassischen Kategorien. Für einen Bauernhof fehlen das Gehöft mit Stallungen und Altenteil. Schmidt und seine Frau wohnen ein paar Minuten entfernt im Einfamilienhaus. Für einen Kleingarten ist die beackerte Fläche zu üppig. Vielleicht sollte man von einem Großgarten sprechen? „Ja, das ist eine schöne Bezeichnung“, sagt Ulrich Schmidt.

Zu Zeiten, als Hoyerswerda noch deutlich kleiner war, hatte seine Großmutter Erna Druschke draußen am damals nordöstlichen Stadtrand ein Stück Acker. Der Name ist älteren Hoyerswerdaern noch ein Begriff. Am Eck Markt / Spremberger Straße lag schon zu Kaisers Zeiten die Bäckerei Druschke. Ulrich Schmidt erbte den Acker, kaufte und pachtete später stückweise hinzu. Er ist gelernter Schlosser und Elektriker, arbeitete als Lehrmeister in Laubusch. Seine Aktivitäten an der Elster waren also schon immer sogenannte Nebenerwerbs-Landwirtschaft, jedoch für die Versorgung nicht unwichtig. Werner Münzberg etwa nahm für sein Geschäft am Markt Möhren ab, die Kaufhalle im WK VI Rhabarber.

Es gab auch Zeiten, da belieferte Ulrich Schmidt den Blumenhandel mit Narzissen. Das Ganze nahm seinen Lauf, als er und seine Frau zum Eigenbedarf Erdbeeren anbauten: „Da kamen die Leute und wollten welche kaufen. Also pflanzten wir ein paar mehr.“ Der Ertrag ließ sich sehen. Die Erdbeeren brachten Schmidts ihren ersten Fernsehapparat ein. Die Weihnachtsbäume liefen ähnlich gut: „Die hat man uns auf dem Markt förmlich aus dem Auto gerissen.“ Mit dem Ende der DDR war für lokale Versorgung im Handel plötzlich kein Raum mehr. Im Privatverkauf ging es freilich weiter. Inzwischen haben jedoch viele Stammkunden ein Alter erreicht, dass ihnen einen Besuch in Ulrich Schmidts Großgarten unmöglich macht.

Freilich tun sich auch immer wieder neue Möglichkeiten auf. Die Frau mit den geblümten Gummistiefeln etwa gehört zur unlängst von Dagmar Steuer auch in Hoyerswerda etablierten Direktvermarkter-Initiative „Marktschwärmerei“. Sie verkauft nun auch Obst und Gemüse von Ulrich Schmidt, erzählt dieser. Währenddessen kommt ein Herr mit Sonnenhut geradelt. Er will ein Glas Honig kaufen. „Ist genug da“, sagt Ulrich Schmidt.

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