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Zittau

Im Haus der bunten Klötzchen

In Karpacz gibt es zwei ganz besondere Museen. Sie laden vor allem zum Spielen und Ausprobieren ein.

Per Knopfdruck können Besucher im Museum Klocków in Karpacz ein Feuer löschen. Die Szene wurde, wie alle anderen hier, aus Lego gebaut.
Per Knopfdruck können Besucher im Museum Klocków in Karpacz ein Feuer löschen. Die Szene wurde, wie alle anderen hier, aus Lego gebaut. ©  Wolfgang Wittchen

Flammen lodern aus dem Dach. Lichterloh brennt das Haus. Doch die Feuerwehr ist schon zur Stelle. Das Martinshorn jault. Und mit einem dicken Wasserstrahl aus dem Schlauch löschen die Kameraden, während eine Menschentraube das Geschehen beobachtet und fleißig Fotos schießt.

„Wir hatten hier schon einen Jungen, der stand eine Stunde lang und hat das immer wieder gestartet“, sagt Bartosz Lewaszkiewicz. Ein Gebäude in Brand setzen und löschen per Knopfdruck – im Muzeum Klocków im polnischen Karpacz (Krummhübel) können das schon Vierjährige.

Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Denn im Haus direkt an der Straße in Richtung Kirche Wang werden ganze Erlebniswelten aus kleinen Plastiksteinen zusammengebaut. „Klocki“ – übersetzt „Bausteine“ – meint dabei aber ganz besonderes Material. Nämlich die bunten Klötzchen aus Lego. Die lieben Bartosz Lewaszkiewicz und seine Frau Magda schon seit ihrer Kindheit. Die beiden, von Beruf eigentlich Elektro- beziehungsweise Telekommunikationsingenieur, haben leidenschaftlich gern damit gespielt.

Haben die bunten Steine gesammelt, immer neue Welten damit gebaut. Und 2015 haben sie das Museum eröffnet. Wobei „Museum“ nicht wirklich trifft, was hier zu sehen ist. Zumeist großflächig hinter Glas sind ganze Landschaften entstanden, mit fahrenden Zügen, schwimmenden Piratenschiffen, mit einem Rummelplatz, mit Weihnachtsland und sogar dem Nachbau einer Rakete des privaten Raumfahrtunternehmens „SpaceX“, die sich per Knopfdruck leuchtend und rauchend in den Himmel schicken lässt.

Im Obergeschoss des Hauses sind alte Konsolen- und Videospiele ausgestellt (kl. Bild). Gäste können damit spielen. Hier aber probiert Maja, Tochter der Museumsbesitzer, ein Spiel aus.
Im Obergeschoss des Hauses sind alte Konsolen- und Videospiele ausgestellt (kl. Bild). Gäste können damit spielen. Hier aber probiert Maja, Tochter der Museumsbesitzer, ein Spiel aus. © Wolfgang Wittchen

Es gibt den Wilden Westen mit Cowboys, Kutschen und einem Pferdegerippe, das im Sand verbleicht. Romanfigur Harry Potter kämpft gegen den bösen Lord Voldemort. Unter einer rotierenden Discokugel tanzen Legojungen und Legomädchen zu Popmusik. Und wer mutig gegen ein Fensterglas im Erdgeschoss klopft, bringt eine Riesen-Legospinne zum Zucken.

Überall können Besucher Abläufe von Hand starten, ein Schiff auf den Wellen schaukeln lassen, einen Zug in Bewegung setzen, Autos zum Brummen oder Hupen veranlassen. „Unter den Szenen steckt Computertechnik“, erklärt Bartosz Lewaszkiewicz. Das Muzeum Klocków ist eines zum Ausprobieren. Allerdings seien Kinder mitunter sehr schnell durch, wenn keine Eltern dabei sind, die sie zum Beobachten animieren, wie Magda Lewaszkiewicza aus Erfahrung erzählen kann.

Weltweite Steinsuche

Auch an diesem Ferienvormittag, an dem das Haus voll mit Kindern ist, laufen die Jungen und Mädchen von einem Knopf zum nächsten, bleiben oft gar nicht lange stehen. So sehr lockt das nächste Erlebnis. „Kinder, die mit den Eltern unterwegs sind, halten sich viel länger auf und entdecken meist mehr“, sagt denn auch Bartosz Lewaszkiewicz. 

Zusammen mit seiner Frau und dem siebenköpfigen Team entwickelt er immer neue Szenerien. Die Montage wurde aus Platzgründen teilweise in ein anderes Gebäude ausgelagert. Drei bis vier Monate dauere es, bis ein neues Projekt funktionsfähig sei. Die Ideen dafür gehen der Gruppe nicht aus. Der Gedanke zum Museum kam dem Ehepaar, „weil wir nicht nur allein Spaß an den Steinen haben wollten“, erzählen die Museumsgründer, die auch ihre Tochter Maja mit der Begeisterung angesteckt haben.

2015 haben sie das Museum eröffnet. Inzwischen ist es ihr Beruf. Das Lego, das sie für die Bauten brauchen, kaufen sie. „Wir suchen oft im Internet, auf der ganzen Welt“, so Bartosz Lewaszkiewicz. Der dänische Hersteller habe nichts gegen das Projekt, stelle aber nichts kostenlos zur Verfügung. Finanziert wird das Museum inzwischen vor allem durch die Eintrittsgelder. In Ferienzeiten kommen durchaus mal 400 bis 500 Besucher pro Tag. In der Nebensaison seien es aber manchmal auch nur um die 20.

Die haben dann Platz und Gelegenheit genug, all die Szenerien in Gang zu setzen. Freie Flächen, um die kleinen und vielen großen Gäste selbst mit Lego bauen zu lassen, gibt es nicht im Gebäude. Dafür haben die Lewaszkiewiczs im Obergeschoss eine andere Möglichkeit zum Spielen geschaffen. Hier gibt es das erste Museum für Video- und Konsolenspiele in Polen. „In Breslau ist das zweite entstanden und wir sind das dritte überhaupt in der Welt gewesen“, erzählt Bartosz stolz.

Von Super Mario bis „Grand Theft Auto“

In mehreren Räumen zeigt das Ehepaar somit seine zweite persönliche Leidenschaft. Und nicht nur das – ob Super Mario, Ping-Pong mit simpelster Grafik oder die Uraltversionen der Spielserie „Grand Theft Auto“ – alles, was hier steht, lässt sich spielen. „Das ist unser Maßstab, wir versuchen, alles wieder in Gang zu bringen“, so Magda Lewaszkiewicza.

Gefunden haben sie die frühen digitalen Schätze vor allem auf dem eigenen Dachboden und bei Freunden. Echte Raritäten sind darunter. Mit „Magnavox Odyssey“ zum Beispiel die erste jemals erschienene kommerzielle Spielkonsole von 1972. Oder das erste polnische Konsolenspiel von Unitra aus dem Jahr 1977.

Für ihre „Berufung“ fahren die Eheleute täglich 25 Kilometer aus Richtung Jelenia Góra (Hirschberg) zur Arbeit und zurück. Viel Zeit für Hobbys bleibe da nicht. Aber die beiden sind Feuer und Flamme und froh, in dem Karpaczer Gebäude ein Domizil gefunden zu haben, wenn auch zur Miete. Eigentlich sollte hier eine Apotheke einziehen. Stattdessen kamen die bunten Steine. Im Untergeschoss, von der Rückseite zu betreten, befindet sich ein Kaffee mit einem guten Imbissangebot. Betrieben wird das aber nicht von den Lewaszkiewiczs. Die haben nämlich viel zu viel zu tun damit, immer neue Spielewelten zu schaffen.

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Das Lego- und das Konsolenspiele-Museum hat die Adresse ul. Mickiewicza 11, der Eingang liegt allerdings an der ul. Konstytucji 3-go Maja direkt an der Straße, Ausschilderung Richtung Kirche Wang folgen. Es gibt direkt vor Ort kaum Parkplätze. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr. Größere Gruppen sollten sich anmelden.

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Magda und Bartosz Lewaszkiewicz betreiben das Muzeum Klocków, in dem sich alles um Lego dreht. Auch viele Fahrzeuge werden aus den Steinen gebaut.
Magda und Bartosz Lewaszkiewicz betreiben das Muzeum Klocków, in dem sich alles um Lego dreht. Auch viele Fahrzeuge werden aus den Steinen gebaut. © Wolfgang Wittchen