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Im Keller des Amtsgerichtes hat sie den Überblick

Justiz. Tausende Aktenlagern im Archiv desMeißner Gerichtes.Bärbel Usbeck findet hier jedes Schriftstück.

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Von Jürgen Müller

Es ist angenehm kühl, ziemlich dunkel und sehr trocken. Hier im Keller des Meißner Amtsgerichtes lagern tausende von Akten. In rund vier Meter hohen Regalen sind die Schriftstücke aus vergangenen Jahrhunderten akribisch nach Jahren und Sachgebieten geordnet. Mittendrin auf einer großen Leiter steht Bärbel Usbeck. Die 45-jährige Leubenerin hat den Überblick, nicht nur, weil sie von der Leiter herab blickt. „Die älteste Akte, die ich bisher in der Hand hatte, stammt aus dem Jahre 1847“, sagt sie. Nachlasssachen, die hier dokumentiert sind, gehen bis auf das Jahr 1870 zurück. Wie viele Ordner im Keller der Albrechtsburg lagern oder wie viele Quadratmeter Fläche die Hochregale einnehmen, das weiß auch Sonja Zeiske, die Geschäftsleiterin des Meißner Amtsgerichtes, nicht genau. Zumal sich der Bestand laufend ändert. „Während Nachlasssachen überhaupt nicht vernichtet werden, müssen Akten von Mahnverfahren bis auf die vollstreckbaren Titel, bereits nach zwei Jahren aus den Archiven entfernt werden“, sagt sie.

Ordnungsliebe muss sein

Etwa die Hälfte ihres Arbeitstages arbeitet Bärbel Usbeck im Archiv des Amtsgerichtes. Die andere Zeit des Tages verbringt sie damit, Protokolle zu schreiben und Ladungen heraus zu schicken. Sie ist gelernte Sekretärin. Ihre Ausbildung machte sie im Amtsgericht, wechselte nach der Lehre die Arbeitsstelle. „Ich wollte gern eine Arbeit in der Nähe meine Wohnortes haben“, sagt sie. Die fand Bärbel Usbeck. Viele Jahre lang war sie im Gesundheitswesen tätig. Bis 1991. Dann kam zunächst das berufliche Aus. Sie machte einen Computerlehrgang, bewarb sich auf gut Glück im Amtsgericht. Und hatte Glück. Zum Jahresende 1991 erhielt sie eine Stelle. Seit Anfang dieses Jahres ist sie für das Archiv zuständig, ist sie Herrin über tausende von Gerichtsakten. „Ein bisschen ordnungsliebend sollte man schon sein, um diese Arbeit machen zu können“, sagt Bärbel Usbeck, doch mitunter hilft auch die größte Ordnungsliebe nichts. Dann nämlich, wenn die Akten nicht dort abgelegt sind, wo sie eigentlich hingehören. Das kommt hin und wieder vor, und dann beginnt eine regelrechte Sisyphusarbeit. „Mir ist es aber noch nie passiert, dass ich ein angefordertes Schriftstück nicht gefunden habe.“

Vor allem die Abteilungen Nachlasssachen, Familiensachen und Zivilverfahren fordern häufig Archivmaterial an. Mit dem Finden des Schriftstückes ist es aber nicht getan. Gerade die älteren Sachen sind handschriftlich verfasst, meist in Altdeutsch. Diese Schrift kann Bärbel Usbeck mittlerweile ganz gut lesen. „Ich habe 13 Jahre im Nachlassgericht gearbeitet, da hat man mit der Zeit Übung im Lesen dieser Schrift“, sagt sie.

Nie kälter als sechs Grad

Dass die alten Akten so gut erhalten sind, ist dem Raumklima im Keller zu danken. Im Sommer ist es nicht wärmer als 20 Grad Celsius, selbst in strengen Wintern herrschen sechs bis acht Grad plus.

Noch sind alle Akten in herkömmlicher Form gelagert. Computertechnik hat hier noch nicht Einzug gehalten. Straftäter können übrigens aufatmen. Deren Missetaten sind hier nicht dokumentiert. Die lagern bei der Staatsanwaltschaft.