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Pirna

Im Kerzenladen geht das Licht aus

Ladeninhaberin Gabriele Förster schließt ihr Geschäft auf der Schmiedestraße. Dafür hat sie mehrere Gründe.

Gabriele Förster räumt ihren Laden leer.
Gabriele Förster räumt ihren Laden leer. © Daniel Schäfer

Die meisten Regale sind bereits leergeräumt. Eine Trittleiter steht in der Mitte des Raumes, um die restliche Dekoration von den Wänden abzuhängen. Doch das muss warten. Jetzt legt Gabriele Förster erst mal vorsichtig die großen bunten Kerzen in eine Kiste, die sie dann schließt.

Die Inhaberin der Geschenkboutique und Kerzenwerkstatt „Flammende Ideen“ schließt ihren Laden auf der Schmiedestraße zum 30. Juni. Seit 16 Jahren wurden hier individuelle Kerzen produziert und hübsche Souvenirs verkauft.

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Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Tierfachgeschäfte haben für Sie weiterhin geöffnet. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

Leicht hat sich Gabriele Förster den Entschluss nicht gemacht. „Ich mag meinen Beruf und meine Kunden, aber ich musste die Reißleine ziehen“, erklärt die Pirnaerin, die in Birkwitz wohnt. Für ihre Entscheidung hat sie gleich mehrere Gründe. „Ich bin jetzt in einem Alter, wo ich nicht mehr jeden Tag von 8 bis 18.30 Uhr in dem Laden stehen möchte. Es ist zu viel Arbeit“, begründet sie. Außerdem wird das Haus, in dem sie den Erdgeschossladen angemietet hat, verkauft. Das habe ihre Entscheidung ebenfalls beeinflusst. Wobei sie schon bei dem Thema Schmiedestraße ist. Die Entwicklung der Straße bereitet ihr Bauchschmerzen. Bis 2010 habe es noch wesentlich mehr Geschäfte in der Gasse gegeben, die nach und nach zugemacht haben. „Oftmals sind dann Büros eingezogen. Die bringen aber keine Laufkundschaft, sodass Synergieeffekte fehlen“, erläutert die Unternehmerin. Anwohner oder Bauleute stellten immer öfter ihre Autos in der Gasse ab, was eigentlich nicht zulässig ist und die Atmosphäre einer Einkaufsstraße für Fußgänger konterkariere.

Zwar hat die Stadt versucht, dem Verwaisen der Ladengeschäfte entgegenzusteuern und im vergangenen Jahr zwei Sitzbänke im unteren Bereich aufgestellt, aber die versprochene weitere Gestaltung und somit Aufwertung der Straße unter anderem mit Blumenkübeln, die ist bis heute nicht vorangekommen.

Kurzzeitig spielte Gabriele Förster mit dem Gedanken, mit ihrem Geschäft auf die Dohnaische Straße zu ziehen, die stärker als die Schmiedestraße frequentiert ist. Diese Überlegung verwarf sie dann doch wieder. „Ich habe von vielen Einzelhändlern gehört, dass sie ihr Geschäft in den nächsten Jahren aus Altersgründen aufgeben und keinen Nachfolger finden. Die schleichenden Ladenschließungen werden sich vermutlich überall fortsetzen“, lautet ihre düstere Prognose. Skeptisch sieht sie auch das geplante Scheunenhofcenter, das momentan an der Bahnhofstraße gebaut wird. Gabriele Förster hat die Befürchtung, dass das Einkaufscenter die Kundschaft zulasten der Einzelhändler in der Altstadt bindet. Damit ist sie unter den Einzelhändlern in der Innenstadt nicht die Einzige. Auch Heike Büchner, die im Spätsommer ihre Parfümerie auf der Schössergasse aufgibt, sieht den Neubau kritisch und befürchtet eine Abwanderung der Kunden aus der historischen Innenstadt (SZ berichtete).

Ganz zieht sich Gabriele Förster allerdings nicht zurück. Neben der Kerzenwerkstatt hat sie seit vielen Jahren Räume angemietet. Im hinteren Bereich richtete ihr Sohn Stefan eine Keramikwerkstatt ein, wo er unter anderem Pirnaer Räucheröfen, Keramikbecher und andere Souvenirs produziert. Für den Vertrieb dieser Unikate ist Gabriele Förster verantwortlich. Als Handelsvertreterin fährt sie durch Sachsen und ganz Deutschland, um die Produkte zu verkaufen. Gute Kontakte zu verschiedenen Geschäften konnte sie bereits seit mehreren Jahren aufbauen. Außerdem lässt sie im Erzgebirge Kräuterschnaps brennen, um diese Flaschen dann Gaststätten in der Sächsischen Schweiz zu verkaufen. Überhaupt hat sie keine Angst vor Langeweile, denn zusätzlich arbeitet sie als Seniorenhelferin in Pirna. Ein Job, der ihr sehr liegt. „In den 16 Jahren ,Flammende Ideen‘ hatte ich oft ältere Kunden und kam mit ihnen ins Gespräch. So habe ich ein Gefühl für ihre Wünsche entwickeln können.“

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