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Im Knast ist keine Stelle frei

Gefängnis. Am Sonnabend gestattete die Justizvollzugsanstalt Zeithain etwa 300 Besuchern einen Blick hinter die Kulissen.

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Von Manfred Müller

Welche Freiheiten sollte der Knast jungen Strafgefangenen bieten, damit sie lernen, soziale Normen zu respektieren? Mit einem Tag der offenen Tür versuchte die Zeithainer JVA, diese heiß diskutierte Frage zu beantworten. Bei zweistündigen Führungen konnten sich die Besucher davon überzeugen, dass den 400 Insassen eine ganze Reihe von Möglichkeiten offen steht. Eine eigene Schule, auf der man Haupt- und Realschulabschluss nachholen kann. Werkstätten und Unterricht zur Vorbereitung auf einen Berufsabschluss. Eine nagelneue Sporthalle für die Freizeitgestaltung. Und schließlich den offenen Vollzug, in dem Besserungswillige sich unter gelockerten Haftbedingungen auf ein Leben nach dem Knast vorbereiten können. „Die neuen Haftkonzepte sehen vor, dass die Gefangenen soziale Kompetenz erlernen, sich selbst organisieren sollen“, sagt Anstaltspsychologin Peggy Küttner. „Das heißt, die Bedingungen hier sollen den Bedingungen draußen weitgehend angeglichen werden.“ Allerdings müsse man sich vor Illusionen hüten. Die soziale Schieflage, in die viele der Insassen jahrelang hineingewachsen seien, könne man im Jugendstrafvollzug nicht richten.

Warteliste für Arbeitswillige

Erschwerend kommt hinzu, dass nur für die Hälfte der Zeithainer Gefangenen Jobs zur Verfügung stehen. Wer arbeiten will – und das sind die meisten –, muss sich auf eine Warteliste setzen lassen. 90 Euro Taschengeld im Monat kann man sich damit verdienen, ein Teil davon wird allerdings erst bei der Entlassung ausgezahlt.

Die Verbüßung einer Strafe im Jugendknast bedeutet dennoch nicht nur eitel Sonnenschein. Wer sich den strengen Regeln des Gefängnisalltags nicht fügt, muss mit Sanktionen bis hin zum Arrest rechnen. Auch die emotionalen Härten des Eingesperrtseins müssen die JVA-Insassen ertragen lernen. Gewalt gegenüber Mitgefangenen ist keine Seltenheit – trotz der Ahndung durch die Anstalt selbst oder durch die Gerichte.

Die jungen Männer, die in Zeithain einsitzen, sind 14 und 24 Jahre alt. Die Hälfte von ihnen kam wegen Gewaltdelikten hinter Gitter. Um Alkohol- und Drogensüchtige nach der Haft auf eine Therapie vorzubereiten, wurde im Februar eine spezielle, von Sozialarbeitern betreute Motivationsgruppe gegründet.