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Im Mindestlohn-Dilemma

Ein Unternehmer aus Riesa klagt über die neue Regelung. Er musste kürzen – bei Personal und Öffnungszeiten.

Von Stefan Lehmann

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Eigentlich hat er schon abgeschlossen mit dem Thema Mindestlohn. „Was bringt’s denn noch, sich darüber aufzuregen“, sagt Hans-Joachim Bischoff. Dann beginnt der 54-Jährige trotzdem zu erzählen. Denn dass er seinen Mitarbeiterinnen jetzt 8,50 Euro pro Stunde zahlen muss, hat den Kleinunternehmer zu drastischen Maßnahmen gezwungen.

Zwei Geschäfte betreibt Bischoff in Riesa: den Multi Express im Riesapark und Hajo’s Express an der Stendaler Straße. Er bietet dort Dienstleistungen aller Art an, von der Schuhreparatur über den Schlüsseldienst bis zur Paketannahme. Fünf Angestellte beschäftigte Bischoff noch zum Jahresende. Drei von ihnen musste er entlassen. Und das Geschäft in der Stendaler Straße ist mittlerweile nur noch vier statt sechseinhalb Stunden am Tag geöffnet. Nur die Geschäftsstelle im Riesapark bleibt länger offen: Die laufenden Verträge verpflichten Bischoff dazu.

Bischoff nimmt kein Blatt vor den Mund: Der Mindestlohn ist der einzige Grund für diese beiden Maßnahmen. „Das Geschäft läuft ja grundsätzlich“, sagt der Unternehmer. Aber um einen Stundenlohn von 8,50 Euro zahlen zu können, musste er sparen. Einfach nur die Preise anzuheben, das sei keine Option gewesen: „Dann hätte ich auf einen Schlag 70 Prozent draufpacken müssen – welcher Kunde kann sich das denn leisten?“ Die neue Regelung sei viel zu schnell gekommen, kleine Unternehmen hätten keine Chance, sich vorzubereiten. „Bei einer größeren Vorlaufzeit hätte ich die Preise schrittweise anpassen können“, klagt Bischoff. Andere Branchen hätten derartige Übergangsfristen erwirkt. „Warum gibt es solche Fristen nicht für das Kleingewerbe?“

Stattdessen mussten drei Mitarbeiterinnen gehen. Entlassungen, die laut Bischoff wahrscheinlich nicht einmal in den Arbeitslosen-Statistiken auftauchen werden, weil die Frauen mit dem Job in seinem Laden beispielsweise nur ihre Rente aufgestockt hatten. Er hält das für Schönfärberei, daraus macht Bischoff kaum einen Hehl.

Bischoff ist nicht der einzige Unternehmer, der sich an den Mindestlohn anpassen musste. Der Kick-In-Getränkemarkt im Riesapark musste zwar niemanden entlassen, schließt samstags nun aber zwei Stunden früher. Auch hier ist der Mindestlohn verantwortlich, sagt die Filialleiterin.

Wie stark sich der Mindestlohn bisher auf die sächsische Unternehmenslandschaft auswirkt, ist noch nicht ganz klar. „Uns fehlen noch gesicherte Zahlen“, sagt Klaus-Dieter Lindeck. Er leitet die Repräsentanz des Sächsischen Unternehmerverbands in der Region Dresden/Oberelbe. Aus inoffiziellen Gesprächen wisse er, dass einige Firmen aufgrund des Mindestlohns in einer schwierigen Lage seien. Solche Probleme würden zwar nur selten in der Öffentlichkeit diskutiert. „Es wundert mich aber nicht, dass vor allem die Klein- und Kleinstunternehmen mit dem Mindestlohn zu kämpfen haben.“ Lindeck sieht noch einigen Nachbesserungsbedarf, denn das Gesetz beinhalte auch einige schwammige Formulierungen.

In solchen Details will sich Hans-Joachim Bischoff nicht erst verlieren. Er fühlt sich ungerecht behandelt. Große Unternehmen könnten den Mindestlohn nun einmal leichter zahlen als kleine. Wäre er jünger, dann würde er wohl eine der beiden Geschäftsstellen ganz alleine führen. „Aber ich muss auch an meine Gesundheit denken.“ Die beiden Geschäfte einfach schließen, das möchte er aber auch nicht. Zu sehr hänge sein Herz daran. „Es wäre in gewisser Weise auch schade um den Dienstleistungs-Mix, den ich hier anbiete.“ Aber Bischoff hat noch einen ganz anderen Grund, nicht einfach aufzuhören: „Welche Perspektive hätte ich denn in meinem Alter noch? Nach 24 Jahren, in denen ich viele Geschäftsstellen hatte, zeitweise 25 Mitarbeiter beschäftigt habe?“ Nein, aufgeben will er nicht so einfach. „Auch, wenn ich gezwungenermaßen auf kleinerer Flamme kochen muss.“

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