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Im neuen Porsche steckt ein Stück Nossen

Die Firma Schaumaplast ist mit einem besonderen Kunststoff erfolgreich. Der findet sich in Luxus-Autos und im Eigenheim.

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Von Christoph Scharf

Zischend gibt der Formteil-Automat sein Produkt frei. Lauter schwarze Kunststoff-Teile poltern in einen Drahtkorb. Sie fühlen sich noch warm an, als sie Dirk Werrmann in die Hand nimmt. Wofür die merkwürdig geformten Elemente gut sind, lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Der kaufmännische Leiter der Firma Schaumaplast Nossen erklärt: „Das Produkt geht in die Autoindustrie. Es wird später zwischen Rücksitzbank und Radkasten eingebaut.“ Der normale Autofahrer bekommt es also kaum zu Gesicht.

Die besonderen Eigenschaften sieht man dem Kunststoff-Teil sowieso nicht an. Es wiegt nur ein paar Gramm, lässt sich mit dem Daumen eindrücken – findet aber sofort in seine alte Form zurück. Gleichzeitig ist das Teil so gut wie unzerbrechlich. „Das Produkt ist aus einem echten Hochleistungs-Werkstoff“, sagt Dirk Werrmann. EPP heißt der Stoff, auf dem sich das Geschäftsmodell der GmbH mit den 25 Mitarbeitern gründet. Seit 2002 existiert die Tochterfirma der Schaumaplast-Gruppe, die allein in Nossen drei Werke betreibt. Die anderen beschäftigen sich mit Styropor – dem weißen Stoff, den man als Dämmungs- und Verpackungsmaterial kennt. Im Gegensatz dazu ist EPP – expandierbares Polypropylen – meist schwarz und deutlich vielfältiger einzusetzen. Seit wenigen Jahren steigt die Nachfrage vor allem in der Automobilindustrie. „Weil der Stoff leicht und stabil ist, kann er an vielen Stellen im Auto Metall ersetzen“, sagt der 50-Jährige. In Zeiten hoher Kraftstoffpreise feilschen Auto-Konstrukteure um jedes Gramm. Da spielt es schon eine Rolle, was hinter dem Kühlergrill steckt. Bei Mercedes, BMW oder Audi ist es immer häufiger der schwarze Kunststoff, der in Nossen verarbeitet wird.

Weil er so gut Stöße abfangen kann, wird er als Pralldämpfer an der Autofront eingesetzt. Radler und Motorradfahrer finden ihn unter Umständen im Sturzhelm, Autofahrer im Fußraum. Selbst der neue Gelände-Porsche bekommt ein Stück: Streifenförmige Teile sollen im Panoramadach des Macan als Crash-Element dienen.

Vom Sportwagen bis zur Pizzabox

Allerdings will sich das Unternehmen nicht mehr als nötig von der Automobilindustrie abhängig machen. Derzeit geht knapp die Hälfte der Produkte an Autohersteller. „Ziel ist es, nur noch ein Drittel dahin zu liefern“, sagt der Ingenieur. Denn in der Branche herrscht ein außergewöhnlicher Preisdruck. Da hilft es, dass das Geschäft in der Sparte Heizung/Klima/Lüftung gut läuft. Wie neue Autos Sprit sparen sollen, wird bei Haussanierungen oder Neubauten auf die Heizkosten geschaut. Da trifft es sich, dass viele Wärmepumpen-Hersteller darauf setzen, ihre Anlagen und Leitungen in EPP verpacken. Das isoliert und schützt zugleich vor Stößen.

Das schätzen auch Hersteller aus der Pharmaindustrie: Wer per Post ein Reagenzglas mit einem Serum im Wert von 20 000 Euro verschicken muss, legt Wert auf eine sichere Verpackung. Genauso findet sich der neuartige Kunststoff in den Wärmeboxen von Pizza-Diensten.

Das Material ist lebensmittelecht. In Nossen werden die Kunststoff-Kügelchen aus dem BASF-Werk Schwarzheide nur mit heißem Dampf behandelt. Deshalb kann man daraus auch Spielklötze für Kindergärten oder Sitzmöbel machen. Ideen hat Dirk Werrmann noch viele.

Vergangenes Jahr stieg der Umsatz laut Unternehmen um 25 Prozent und liegt nun im mittleren einstelligen Millionenbereich. Dieses Jahr will Schaumaplast erstmals Industriekaufleute sowie Maschinen- und Anlagenführer ausbilden. Gleichzeitig arbeitet man schon an einem neuen Werkstoff. „Wir sind zwar eine kleine Firma“, sagt Werrmann. „Aber eine innovative.“