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Im Rausch zum Schläger geworden

Ein Nieskyer verprügelt brutal seine Freundin. Dafür soll er ins Gefängnis. Er geht in Berufung.

Von Jens-Rüdiger Schubert

Nachdem Herbert Beier (47)* wegen Körperverletzung verurteilt wurde, legte er Rechtsmittel ein. Die Berufungsverhandlung fand vor dem Landgericht Görlitz statt. Der geschiedene und arbeitslose Nieskyer war von der Staatsanwaltschaft Görlitz angeklagt und im Mai dieses Jahres zu einer 15-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht stellte damals fest, dass Beier eine vorsätzliche Körperverletzung in Tatmehrheit mit Diebstahl begangen hatte. Am 9. Dezember des vergangenen Jahres rastete er in der Wohnung seiner damaligen Lebensgefährtin Frau K.* aus. Er schlug massiv auf sie ein, trat sie, schlug sie gegen Kopf und Hals und riss ihr ganze Haarbüschel aus. Anschließend stahl Beier das Notebook und das Handy von Frau K.

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Nachdem Anzeige erstattet worden war, kam es zu einer Hausdurchsuchung. Dabei tauchten beide Geräte wieder auf. Herbert Beier wurde in Untersuchungshaft genommen. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht hatte der Richter keinen Zweifel daran, dass sich die Tat so abgespielt hatte. Beier ist Alkoholiker und bezeichnet sich selbst als trocken. Zum Tatzeitpunkt war er aber erheblich alkoholisiert. Jetzt, vor der Berufungsverhandlung, wollte er sich nicht zum Tatvorwurf äußern. Auch die damals Geschädigte und jetzige Verlobte des Angeklagten verweigerte die Aussage.

Dafür sprang die Verteidigung des Angeklagten in die Bresche. Ihr Mandant könne sich gar nicht mehr an den Tatverlauf erinnern, sei geläutert, weg vom Alkohol, hätte alle Auflagen des Gerichtes vorbildlich erfüllt. Zudem könne Herbert Beier eine stationäre Langzeittherapie in einer Klinik für Entwöhnungsbehandlung beginnen. Es spräche also alles dafür, dass Beier Bewährung verdient hätte.

Das Gericht und vor allem die Staatsanwaltschaft sehen das anders. Zu oft hat der 47-Jährige schon Bewährungsstrafen bekommen. Die Berufungsverhandlung hätte bereits mit einem Urteil beendet sein können. Einzig und allein, dass Frau K. aufgrund der Verlobung mit ihm von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hatte, stand dem entgegen. Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Richter Böcker, hat sich deswegen dazu entschieden, den damaligen Amtsrichter in den Zeugenstand zu rufen. Auf Beschluss des Landgerichtes wurde das Verfahren bis zu dem Zeitpunkt ausgesetzt, an dem Herbert Beier von der Therapie wieder zurück ist. *Namen und Alter geändert