merken

Im Reich der Kaffeesachsen

Nicolas Sihombing verkauft in Döbeln edlen Kaffee. Aber dabei belässt es der gebürtige Indonesier nicht.

© André Braun

Von Jens Hoyer

Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Döbeln. Nicolas Sihombing ist ein Hans Dampf in allen Gassen. Der gebürtige Indonesier ist scheinbar aus dem Nichts in Döbeln aufgetaucht und seitdem omnipräsent in der Stadt. Er hält Vorträge und gibt mit Döbelner Händlern eine Imagebroschüre heraus. Er greift bei der Eröffnung einer Fotoausstellung auch mal zur Gitarre und organisiert regelmäßig Musikveranstaltungen. Und er ist mit seiner Frau Eva ein Botschafter des guten Geschmacks. Ein Kaffeehändler im Reich der Kaffeesachsen.

„Kaffee ist ein schwarzes, psychotropes, koffeinhaltiges Heißgetränk, das aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen, den Samen aus den Früchten der Kaffeepflanze und heißem Wasser hergestellt wird.“ So nüchtern steht es im Online-Lexikon Wikipedia. In Zeiten, da Kaffeekultur in Kaffeeautomaten gipfelt, die vierstellige Beträge kosten, wirkt die Kaffeebar von Nicolas Sihombing am Obermarkt wie ein Anachronismus. Wie wird Kaffee richtig aufgebrüht? „So wie die deutsche Oma es ursprünglich machte, mit der Einfachheit der Frau Melitta aus Dresden“, meint Sihombing. Sprich: einfach mit Kaffeefilter und kochendem Wasser, Handbrühmethode.

Er verspricht nicht nur Kaffeegenuss, sondern auch ethisch einwandfreien. Seit 2013 lebt er in der Stadt, seit vergangenem Jahr hat er die Kaffeebar am Obermarkt, die er als Mittel sieht, die Leute auf den richtigen Geschmack zu bringen. Seine Bohnen verkauft er vor allem übers Internet. Nicolas Sihombing behandelt seinen Kaffee wie einen edlen Wein. „Eine Tasse am Tag oder in der Woche ist das Tüpfelchen auf dem I.“ Als Tüpfelchen werden die meisten Kunden Sihombings Kaffee auch wegen des Preises betrachten. Ein Kilo kostet über 40 Euro und damit fast das Zehnfache einfacher Kaffeesorten. Von denen Sihombing aber sagt: „Sie sind die bittere Wahrheit“. In gemahlenem Kaffeepulver landen vor allem minderwertige Bohnen.

Sahne unnötig

Zucker, Sahne oder Milch sind in seinem Kaffee unnötig, sagt Sihombing. Wie gut ein Kaffee ist, das hängt von der Qualität der Bohnen ab. Er besorgt sie sich direkt in Indonesien, ein bis zwei Tonnen aller drei Monate. Sie stammen von der Insel Flores, die unter anderem bekannt ist für die Hominini, eine winzig kleine ausgestorbene Vormenschenart. Und auf Flores gibt es Kaffee. Den besten der Welt, wie Sihombing sagt. Seinen Bedarf kauft er einigen Kaffeebauern direkt ab. Zwei-Königs-Prinzip nennt er diese Art des Handels, die den Bauern ein besseres Einkommen und ihm eine hohe Qualität einbringt.

Dass er einmal unter die Kaffeehändler gehen wird, das hätte sich der 34-Jährige vor einigen Jahren nicht träumen lassen. Im Jahr 2000 war er nach München gekommen, um zu studieren. „Meine Mutter kann fließend deutsch. Sie arbeitet in der deutschen internationalen Schule in Jakarta“, erzählt er. Er habe sein Fachabitur gemacht, sei Christ geworden und habe sich drei Jahre lang zum Pastor und Missionar ausbilden lassen. Sihombing ist mit einer Deutschen verheiratet – die aus Chemnitz stammt. In Marienberg hat er fünf Jahre als Sozialarbeiter gearbeitet. „Ich habe dort viel gelernt.“

Warum nun Döbeln? Er hatte von der Stadt gehört, war aber nie da gewesen. „Ich habe aber gewusst, die Stadt ist meine nächste Station. Ich bin ein spiritueller Mensch“, meint er. „Meine Frau war erstaunlicherweise darauf vorbereitet.“

Und nun kommt der Kaffee ins Spiel. Eigentlich wollte Sihombing einen Textilhandel aufbauen. Ein Cousin in Indonesien war aber schon lange Kaffeehändler. Aber das Konzept eines Direkthandels war gar nicht so einfach zu realisieren. Es stellte sich heraus, dass der Cousin auch nur ein Zwischenhändler war. Die Claims sind abgesteckt in Indonesien, der Kaffeehandel ist in festen Händen. „Die Bauern haben eine falsche Demutshaltung. Sie würden es sich nicht trauen, eine Handelsbeziehung ohne Zwischenhändler aufzubauen“, erklärt er.

Im Januar 2015 hatte er die erste Kaffeereise angetreten, um sich Direktlieferanten zu suchen. „Ich habe fünf verschiedene Gebiete besucht, ohne jegliche Kontakte“, erzählt er. Und er hatte Glück. „Ich war da, als die Bauern in Flores einen Repräsentanten suchten.“ Alle acht Monate fliegt er nach Flores, zwischendurch schreibt er SMS und telefoniert auch mal. „Das ist ein sehr abgelegener Ort.“ Bei der vorerst letzten Kaffeereise hatte er einen Dresdner mitgenommen, der auch an Kaffee interessiert ist.

Noch lässt Sihombing seinen Kaffee in Freiberg rösten. Aber der Kauf einer eigenen kleinen Röstanlage ist schon in Planung. „Dann kann sich der Kunde aussuchen, von welchem Händler er seinen Kaffee haben möchte.“ Auch für Döbeln hat er noch Ideen, die er mit anderen umsetzen möchte: „Für 20. August ist ein „weißes Dinner“ auf dem Obermarkt geplant. Das ist ein Picknick, zu dem jeder weiß angezogen kommt und jeder bringt etwas mit.“

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.