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Im Roten Haus blüht’s

Der 2. Moritzburger Kunstsommer ist gestartet. Trotz kurzer Vorbereitungszeit.

Von Ines Scholze-Luft

Sie sitzt in einer Klinik, wartet auf den Befund. Aufgeregt ist sie, unsicher, ängstlich. Das Bild an der Wand macht es nicht besser. Irgendwelche Kreise und Rechtecke. Wenn mich doch jemand anlächeln würde, denkt Angela Straßberger.

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Seitdem prägt dieser Wunsch sie. Lächelnde Gesichter sind eines ihrer Lieblingsmotive, wenn sie sich der Arbeit mit den Blüten widmet. Und das tut die Frau mit den aufmerksamen blauen Augen immer noch täglich. Obwohl sie jetzt Rentnerin ist. Von Beruf Gebrauchswerberin, arbeitet sie später in einem Betrieb, der Blumenbilder herstellt. Geht zur Wende wieder in die Werbung und dann mit der Blumenbildnerei in die Selbstständigkeit.

Die Arbeit mit den Blumen macht süchtig, sagt die Rabenauerin. Der Duft, wenn sie die Blüten ins Haus holt, Gänseblümchen, Wilde Möhre, Rittersporn. Das Vergnügen mit Formen und Farben. „Ich kann gar nicht aufhören damit.“

Vor allem seit sie weiß, wie viel Freude sie anderen mit ihren Bildern bringt. Vier Ausstellungen hat sie dieses Jahr wieder, geht oft in Kliniken. Begegnet dort mit vielen Sorgen beladenen Menschen. Die plötzlich schmunzeln, sich entspannen beim Blick auf die fröhlichen, verschmitzten, manchmal auch frechen Gesichter der Straßbergerschen Blumenmädchen.

Zurzeit stellt die Rabenauerin in Friedewald aus, im Roten Haus. Zum 2. Moritzberger Kunstsommer. Zusammen mit Renate Bosch aus Moritzburg. Die gelernte Krankenschwester begann vor 35 Jahren mit dem Gestalten von Blütenbildern. Jetzt, als Rentnerin, hat sie erst so richtig Zeit dafür, sagt sie. Auch sie arbeitet mit Naturmaterial, wieder auf eine andere Art, wie ihr Blütenmädchen aus Stiefmütterchen und unternehmungslustige Mäuse zeigen.

Zum Kunstsommerauftakt beim Kunstfest dabei ist auch Jana Förster. Die Gröditzerin, ebenfalls sehr naturverbunden, schöpft ihr eigenes Papier, macht daraus Tapete und Teelichthalter, verziert mit Blüten und Gräsern.

Daran können sich die Festgäste gleich selbst versuchen. Ob Modellieren mit Papierbrei oder das Zusammenfügen von Blüten und Blättern zu zarten Gesichtern am Stand von Angela Straßberger – viele der rund 500 Besucher probieren es. Unter ihnen Birgit und Yasmine Bragulla aus Priestewitz. Mutter und Tochter basteln und malen gern, sind extra zum Kunstsommer nach Moritzburg gekommen. Der Dresdner Michael Unger landet auf seiner Radtour eher zufällig im Roten Haus. Auch ihm gefällt, was er da sieht.

Der Zuspruch freut nicht zuletzt Gundula Bleul, Geschäftsführerin der Kulturlandschaft Moritzburg GmbH. Sie und ihre Mitarbeiter haben den Kultursommer organisiert. Mit wenig Zeit für die Vorbereitung. Denn anfangs hieß es, der Dippelsdorfer Teich wird saniert. Nun aber läuft alles. Und die Natur im Roten Haus wetteifert offensichtlich mit der drum herum. Denn auch die zweite Ausstellung ab 26. Juli beschäftigt sich mit diesem Thema. Dann lassen Kay Leo Leonhardt und Gaby Bachmann aus Meißen „Schräge Vögel und freche Fische“ los.

Die Künstler haben zum Fest schon mal Tuchfühlung aufgenommen. Wollen sie doch gleich ihren Urlaub hier am Dippelsdorfer Teich verbringen. Wie einst die Brücke-Maler, die großen Vorbilder. Wie diese erhoffen sich die beiden hier Ruhe und Inspiration für ihre Holzschnitte und Zeichnungen. „Die Atmosphäre ist gut, die Motive bieten sich von allein an. Badende, Radler, der Kräutergarten“, sagt Kay Leonhardt.

Doch bis es so weit ist, müssen sie sich noch ein wenig gedulden. Bis zum 20. Juli haben erst einmal die Blütenträume von Angela Straßberger und Renate Bosch ihren Platz im Roten Haus. Zu sehen immer sonnabends und sonntags, 10 bis 18 Uhr.

Veranstaltungen im Roten Haus: 21. Juni, 20 Uhr,  „Hochkultur für Einsteiger oder Bildung macht sexy“, literarisch-musikalisches Kabarett von und mit Konrad Domann; Workshop „Blütenträume“, Termin: 5. und 6. Juli, jeweils 11-15 Uhr, Preis: Erwachsener 18 Euro, Kind 10 Euro inklusive Getränk und Material