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Hoyerswerda

Im Ruhestand Buch-Autor geworden

Der Kühnichter Erhard Spank legt seinen ersten Roman vor – „Die schwarze Mittagsfrau“.

Erhard Spank freut sich, dass sein erstes Buch nun zu haben ist – und schreibt schon am zweiten.
Erhard Spank freut sich, dass sein erstes Buch nun zu haben ist – und schreibt schon am zweiten. © Mirko Kolodziej

Nahe Bautzen ist Erhard Spank aufgewachsen. „Ich habe da viele eigenartige Sachen erlebt“, sagt der Kühnichter, früher Lehrer für Physik und Mathematik an Hoyerswerdas Foucault-Gymnasium. 

Er fand, er sollte diese eigenartigen Sachen aufschreiben. Nachdem Spank 2016 in den Ruhestand gegangen war, fand er die Zeit dafür. Nun liegt sein erstes Buch vor. „Die schwarze Mittagsfrau“ gibt es sowohl in der Hardcover- wie auch in der Paperback-Version. Auf dem Titel steht jeweils auch die Bezeichnung „Episodenroman“.

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Die Hauptfigur ist ein Mann namens Armin Bubner. Das 500-Seiten-Buch spielt in Birkowitz. „Der Ortsname ist erfunden“, erklärt der Autor, der sich ein wenig an Erwin Strittmatters Roman-Rezept gehalten hat: „Die Hälfte ist Wahrheit, die andere Hälfte erstunken und erlogen.“ Immerhin steht sein Haus mit idyllischem Teich und Vogelkästen im Garten am Kühnichter Birkenweg. Und Birkowitz ist natürlich so sorbisch geprägt wie der Heimatort von Erhard Spanks Kindheit. Es finden sich im Roman sorbische Sätze, aber auch lautmalerische Dialekt-Besonderheiten. In wörtlicher Rede kommt zum Beispiel das „Kiejemelken“ ebenso vor wie das „Riebenverziehn“.

Erhard Spank würde von sich zwar nicht behaupten, dass er Sorbe ist. Dafür, sagt er, seien seine Sprachkenntnisse nicht gut genug. Aber: „Ich habe sorbische Vorfahren.“ Und so nimmt der Buchtitel selbstverständlich Bezug auf die sorbische Sage, in der die Mittagsfrau bei größter Mittagshitze auf dem Feld auftaucht, um Leute um den Verstand oder gar ums Leben zu bringen. Typischerweise, wird erzählt, trägt sie Weiß. Warum ist sie hier also in schwarze Kleidung gehüllt? „Das steht im Buch“, sagt Erhard Spank. Den spannendsten Fragen soll der Leser schließlich selbst nachgehen.

Auf dem Buchtitel zeigt eine Illustration die ominöse schwarze Mittagsfrau mit dem üblichen Werkzeug, einer Sichel. Die Zeichnung beweist: Der schreibende Ex-Pädagoge ist nicht nur Autor, sondern auch Illustrator, denn das Bild stammt von ihm selbst – zugegebenermaßen nach einer Vorlage. Der Berliner Pro Business Digital Printing Deutschland GmbH mit ihrer Marke „Book On Demand“ gefiel die Zeichnung so gut, dass sie Erhard Spank eine andere Lösung ausredete. Den passenden Verlag zu finden, war für den Kühnichter gar nicht so leicht. Sechs Unternehmen hat er sein Manuskript geschickt, fünf hatten auch Interesse. Aber wenn man nicht gerade Juli Zeh oder Martin Walser heißt, ist eine Veröffentlichung ohne eigene Investition beinahe aussichtslos. Ein Verlag wollte eine fünfstellige Summe haben. Erhard Spank winkte ab. „Das ist ein Hobby“, sagt er über seine Schriftstellerei. Da sollte sich der finanzielle Aufwand schon im Rahmen halten. Bei „Book On Demand“ tut er das.

Freilich muss er sich nun auch um Vertrieb und Marketing selbst kümmern. Mit Martin Schmidt vom Kunstverein ist bereits eine Lesung im Schloss verabredet. Das Buch, sagt Spank, werde sicher am ehesten von Lausitzern verstanden. Der Jung-Autor setzt auf das Interesse an speziellen Geschehnissen in der Region zu einer bestimmten Zeit, hier die 1950er und 1960er im dörflichen Milieu der Oberlausitz. Da kommt schon mal eine Art Parteilehrjahr am Kneipenstammtisch vor, ebenso Spitzelei durch MfS-Leute. Erhard Spank fand, das sei er seinem Bruder schuldig. Dieser sei zu DDR-Zeiten arg benachteiligt gewesen. Aber auch Kinder spielen in „Die schwarze Mittagsfrau“ eine große Rolle, denn deren Perspektive ist aus eigenem Erleben dieser Jahre natürlich sehr vertraut. 

Erhard Spanks Geschwister haben das Buch schon gelesen: „Sie haben gesagt, sie hätten die Leute aus dem Dorf wiedererkannt.“ Deshalb verrät er auch nicht, um welchen Ort es sich genau handelt. Klar ist aber, dass das Leben der Birkowitzer auch über die folgende Zeit literarisch ausgeleuchtet werden soll. Erhard Spank hat Freude am Schreiben gefunden. Er sitzt bereits an seinem zweiten Roman. Sein Ziel ist, eine Trilogie vorzulegen.

Erhard Spank, Die schwarze Mittagsfrau, 508 Seiten, ISBN: 978-3-96409-114-7, Bezug via Internet

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