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Im Schneckentempo zum Haus der Bildung

Der Behördenstandort soll zwar, wie geplant, in Freital entstehen. Doch der Zeitplan ist nicht zu halten.

© dpa

Nachdem in Freital etliche Behördenstandorte geschlossen oder minimiert wurden und damit gut bezahlte Arbeitsplätze aus der einwohnerstärksten Stadt im Landkreis verschwunden sind, kann die Stadt weiter mit der Ansiedlung eines neuen Behördensitzes rechnen. Wie eine aktuelle Anfrage beim Freistaat ergeben hat, wird derzeit weiter am sogenannten Haus der Bildung geplant. Doch die Vorbereitungen gehen so langsam voran, dass der ursprüngliche Zeitplan für den Start der Einrichtung nicht mehr zu halten ist.

Das Haus der Bildung war vom heutigen Innenminister Roland Wöller im Jahr 2011 – Wöller war damals noch Kultusminister – vorgeschlagen worden. Schätzungen zufolge sollen dort 300 bis 350 Beamte arbeiten. Es soll dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) zugeordnet sein und aus der Fusion der Standorte in Dresden und Radebeul entstehen. Das Lasub hat derzeit außerdem Standorte in Chemnitz, Leipzig, Bautzen, Radebeul und Zwickau. Nach den Plänen sollte das Haus der Bildung bis 2021 fertig sein. Das heißt: Bald müssten die Bauarbeiten dafür beginnen.

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Doch davon ist der Freistaat noch weit entfernt. Wie eine Sprecherin des Kultusministeriums mitteilt, habe das Lasub nun den Platzbedarf in einem künftigen Haus der Bildung berechnet und diese Planungen dem übergeordneten Kultusministerium übergeben. Dort werden die Angaben überprüft. Details aus den Planungen des Lasub wollte die Sprecherin nicht nennen. So ist unklar, mit wie vielen Beamten das Lasub nach Freital ziehen will und wie groß das Gebäude für sie sein müsste.

Dieses wird sich noch mehrere Monate hinziehen. Denn nachdem die Pläne von Kultusministerium durchgewinkt sind, gehen sie an den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Der SIB berechnet dann, wie viel Platz genau gebraucht wird, und wählt einen geeigneten Standort aus. Wie die Sprecherin des Kultusministeriums mitteilt, dauere diese Planung etwa ein Jahr. Frühestens Anfang 2020 steht also fest, wie und wo das Haus der Bildung in Freital gebaut wird.

Bis zum Baustart vergeht dann aber noch einmal viel Zeit, denn die Arbeiten müssen ausgeschrieben und Firmen gefunden werden. Fakt ist: Im gerade beschlossenen Doppelhaushalt des Freistaats für die Jahre 2019 und 2020 taucht das Haus der Bildung nicht auf. Die Bauarbeiten können also frühestens 2021 beginnen. Theoretisch denkbar wäre auch, dass das Haus der Bildung sich in einem bestehenden Gebäude einmietet. Angesichts der verfügbaren Büroflächen in Freital ist diese Variante jedoch äußerst unwahrscheinlich.

Zuletzt hatte der Freistaat geprüft, ob eine Ansiedlung in der denkmalgeschützten Lederfabrik oder in Teilen des Gebäudes möglich wäre. Diese Option wurde jedoch wegen des enormen Sanierungsaufwandes wieder verworfen. Die Lederfabrik soll abgerissen werden.

Nicht unwahrscheinlich ist hingegen, dass das Haus der Bildung als Nachfolgebau der Lederfabrik entsteht. Die Stadt Freital hat dem Freistaat bereits mehrere freie Grundstücke genannt, die für den Neubau infrage kämen. „Eine Möglichkeit könnte die Lederfabriksfläche sein. Auch das Gelände am Goetheplatz wäre denkbar“, so Oberbürgermeister Uwe Rumberg.

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Der Rathauschef betont, wie wichtig die Ansiedlung des Behördenstandorts in Freital wäre. Freital sei ziemlich herabgesetzt worden, was Behördenstandorte betreffe. „Das Haus der Bildung ist ganz wichtig für die Stadt Freital, weil es zum einen Arbeitsplätze nach Freital bringt und zum anderen die Infrastruktur belebt wird. Die 300 Mitarbeiter konsumieren dann auch in Freital, wovon wieder andere profitieren“, so Rumberg. Er erinnert an einen Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 2011 zum Haus der Bildung in Freital und eine Zusage von Wöller auf dem vergangenen Neujahrsempfang in Freital. Der Innenminister hatte damals Gerüchte, wonach der Behördenstandort doch nicht nach Freital kommt, zerstreut. Deswegen sei er optimistisch, so Rumberg.

Wegen des Zeitplans macht sich der Oberbürgermeister jedoch keine Illusionen. „Ob es allerdings noch in meiner Amtszeit realisiert wird, sei jetzt mal dahingestellt.“ Diese endet im Jahr 2022.