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Im Stasi-Knast riecht es nach Willkür

über das Interesse anDDR-Geschichte

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Sebastian Kositz

Der Geruch ist das Schlimmste, sagte neulich ein ehemaliger Häftling, als er vor seiner früheren Zelle in Bautzen II stand. Sofort kämen in ihm alle Erinnerungen hoch, an das, was er hier im Stasi-Gefängnis erleiden musste. Der Geruch ist für jedermann wahrnehmbar. Es ist kein angenehmenes Ereignis für die Sinne. Auch wer nicht hier einsaß, spürt sofort über den Nasenflügel eine gewisse Form der Beklemmung.

In der Gedenkstätte ist die einst praktizierte Willkür der Stasi gegenüber ihren politischen Gegnern sehr authentisch nachzuempfinden – besser als in Geschichtsbüchern und in plakativen Dokumentationen. Als Ort der Erinnerung und Mahnmal gegen totalitäre Ansichten ist das frühere Gefängnis unabdingbar.

Zugleich ist es ein wertvolles Bildungsangebot an jüngere Menschen, das offenbar auch gerne von ihnen angenommen wird. Eine erfreuliche Entwicklung, der die öffentliche Hand mit höheren finanziellen Zuwendungen Rechnungen tragen sollte. In der Gedenkstätte Bautzen und in der weiteren Erforschung der widerwärtigen Verbrechen der Staatssicherheit und des Leidens ihrer Opfer ist das Geld gut angelegt.