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"Die Behörden haben Planungsstau"

Ferienzeit ist Baustellen-Zeit. Die SZ sprach mit Michael Benedikt, dem Chef der Branchengröße TS-Bau.

Michael Benedikt ist seit Juli 1993 in leitenden Positionen bei TS Bau in Glaubitz tätig. Seit Anfang 2006 ist der Diplom-Ingenieur (FH) Geschäftsführer des Unternehmens.
Michael Benedikt ist seit Juli 1993 in leitenden Positionen bei TS Bau in Glaubitz tätig. Seit Anfang 2006 ist der Diplom-Ingenieur (FH) Geschäftsführer des Unternehmens. © Sebastian Schultz

Riesa/Glaubitz. Die B 182 in Strehla ist gesperrt, die B 169 in Prösen, die B 6 zwischen Meißen und Dresden ebenfalls. Für Autofahrer bedeutet das Umleitungen - aber wie geht es eigentlich den Bauarbeitern selbst? Die SZ sprach mit dem Geschäftsführer der in Glaubitz ansässigen Firma TS-Bau, Michael Benedikt.

Herr Benedikt, gefühlt wird in den Sommerferien überall auf den Straßen gebaut. Warum ist das so?

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Weingarten im Bürgergarten
Weingarten im Bürgergarten

Die letzten Spätsommertage warten mit bestem Wetter auf. Wer jetzt noch den Sommerausklang sucht, ist am 19. und 20.9. in den Weingarten Döbeln eingeladen.

Auf den Abschnitten, wo sonst der Schülerverkehr lang fährt, versucht man kurzfristig machbare Dinge wie Deckenerneuerungen natürlich schon, in den Ferien zu erledigen. Aber bei längerfristigen Sachen gilt in der Branche immer noch, dass die Bausaison von März bis Weihnachten dauert. Tatsächlich sind wir als TS-Bau derzeit in der Region gut vertreten, allein mit sechs öffentlichen Straßenbaustellen.

Welche denn?

Wir arbeiten an der B 182/Ortsdurchfahrt Strehla, in Riesa an der Auenwaldstraße, an den Außenanlagen der Riesaer Oberschule Merzdorfer Park, an der B 169 in Prösen, bei der Bundeswehr in Zeithain und an der Kreisstraße in Zabeltitz.

In Prösen, was vor allem die Gröditzer betrifft, soll zwei Jahre lang gebaut werden. Warum dauert das eigentlich so lange?

Das hat vor allem damit zu tun, dass bestimmte Anlieger ständig erreichbar bleiben müssen. Deshalb kann nicht in einem großen Abschnitt gearbeitet werden, sondern es müssen viele kleine Teilabschnitte sein. Sonst ginge es sicherlich in kürzerer Zeit.

Wer mit dem Auto im Urlaub war, wird es gemerkt haben: Nicht nur hier häufen sich die Straßenbaustellen, auch anderswo. Und der eine oder andere Autofahrer dürfte in Versuchung sein, zumindest am Wochenende mal ein Durchfahrtsverbot an einer Baustelle zu ignorieren. Erleben Ihre Kollegen so etwas auch?

Ja. Solche Fälle kommen leider nicht nur am Wochenende vor, wenn nicht gearbeitet wird. Tatsächlich gibt es Autofahrer, die fahren den Arbeitern fast über die Füße! Die stehen dann mit ihrem Auto vor dem Asphaltfertiger, wo dann wirklich nichts mehr geht. Oder sie warten am Bagger, der gerade einen Lkw belädt, auf einen günstigen Schwenk des Baggerarms, um vorbei zu kommen. Da erlebt man tolle Sachen.

Nimmt so etwas zu?

Nach meinem Gefühl steigt der Frust im Straßenverkehr. Das liegt sicher daran, dass das Verkehrsaufkommen immer mehr zunimmt. Die Leute sind gestresst. Ich empfehle, sich an die ausgeschilderten Umleitungen zu halten: Da machen sich vorher Leute Gedanken darüber, wie man das am besten regeln kann, ob mit Richtungsverkehr oder ohne, Schwerlastverkehr ja oder nein, und so weiter. 

Erst vor wenigen Tagen hatten wir einen Arbeitstag mit mehr als 35 Grad Hitze. Was macht man da auf einer Straßenbaustelle, wo es kaum Schatten gibt?

Wir bieten unseren Mitarbeitern unbegrenzt Wasser zum Trinken an, Sonnencreme mit dem Lichtschutzfaktor 50, UV-beständige Arbeitsschutzkleidung, Sonnenbrillen mit UV-Filter auf Firmenkosten. Ansonsten versucht man an solchen Tagen natürlich, möglichst früh anzufangen, um auch früh aufhören zu können. Ab 6 Uhr dürfen wir problemlos anfangen, auf Antrag geht es in manchen Gemeinden auch schon ab 5 Uhr. Nach Möglichkeit versuchen wir an solchen extremen Tagen auch, die Arbeitszeit einzukürzen, um dann an einem anderen Tag nachzuarbeiten.

Die Auenwaldstraße in Nickritz ist das umfangreichste Straßenbauvorhaben in Riesa 2020. Bis Dezember ist die Straße durch den Ort voraussichtlich gesperrt.
Die Auenwaldstraße in Nickritz ist das umfangreichste Straßenbauvorhaben in Riesa 2020. Bis Dezember ist die Straße durch den Ort voraussichtlich gesperrt. © Lutz Weidler

Körperlich arbeiten bei solcher Hitze: Das klingt nicht besonders attraktiv für den Nachwuchs ...

Ja, tatsächlich hat der Bau bei der Jugend an Attraktivität verloren. Wir können kein Homeoffice bieten, aber Arbeiten bei plus 35 bis minus 15 Grad draußen. Trotzdem sind unter unseren knapp 190 Mitarbeitern am Standort Riesa 19 Lehrlinge und ein Student. Das erfüllt uns mit Stolz! Damit sind wir schon ein Leuchtturm in der Branche. Auch, weil unsere Personalchefin einen sehr guten Job macht. Wir nutzen die neuen Medien, sind an Schulen präsent und arbeiten mit der BA in Glauchau zusammen. Gerade erst haben wir eine Frau übernommen, die dort ihren Diplom-Ingenieur (BA) gemacht hat. Und einen Interessenten für nächstes Jahr haben wir auch schon.

Wie steht es um die aktuelle Auftragslage? Merkt man Corona?

Im Moment laufen die Ausschreibungen eher verhalten. Das dürfte tatsächlich an Corona liegen: Viele Behörden arbeiten noch im Homeoffice, oft gibt es keine Vorsprachen ohne Termine. Da gibt es offenbar einen Planungsstau, so dass die Baugenehmigungen mehrere Monate hinterher hinken.

Aber eine Auftragslücke droht nicht?

Bis jetzt nicht. Möglicherweise kommt das später. So wie dies auch bei der Finanzkrise 2008/09 in der Baubranche durch die Haushaltssperren erst ein Jahr später zu merken war. Bislang hat sich Corona bei uns kaum ausgewirkt. Wir hatten zwar vorsorglich Kurzarbeit angemeldet, mussten sie aber nicht umsetzen. Nur bei einer Baustelle hatten wir einen coronabedingten Ausfall.

Wo denn?

Bei der Bundeswehr in Zeithain: Dort schachten wir in munitionsbelastetem Gelände. Ein Kampfmittel-Experte ist deshalb immer dabei. Weil bei einem möglichen Fund aber Leute zu evakuieren wären und eine Unterbringung in einer Turnhalle wegen Corona nicht zu empfehlen wäre, wurden zumindest die vier Meter tiefen Schachtarbeiten für Kanäle auf später verlegt. Ansonsten trafen uns natürlich die Corona-Vorschriften genauso - mit der Aufrüstung von Baustellentoiletten, Desinfektionsmöglichkeiten, Masken. Es gab auch tatsächlich Kontrollen auf den Baustellen.

Zurück zum Sommergeschäft: Gibt es bei Ihnen eigentlich eine Urlaubssperre in den Sommerferien?

Nein. Die Urlaubsplanung macht jede Kolonne für sich, am Ende muss es genehmigt werden und passen. Wir achten darauf, dass Kollegen mit schulpflichtigen Kindern in den Sommerferien wenigstens 14 Tage frei bekommen. Wer aber einen Abenteuertripp über vier Wochen nach Südamerika oder Australien machen will, sollte den Urlaub dafür lieber im Winter nehmen.

TS-Bau Riesa mit Sitz in Glaubitz bildet in fünf Berufen aus: Dort kann man Straßenbau, Kanalbau, Gleisbau, Stahlbetonbau und Maurer lernen.

www.ts-bau.com

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