SZ +
Merken

Im Untergrund

Der Kanal unter der Neugasse muss saniert werden. Der Zahn der Zeit und das Hochwasser haben viele Spuren hinterlassen.

Teilen
Folgen
© hübschmann

Von Harald Daßler

Dieses Schmatzen. Jeder Tritt, jeder Schritt hinterlässt dieses Geräusch. Hier unten, wenige Meter unter der Meißner Innenstadt. Sich hier vorwärts zu bewegen, wird nicht nur durch den Matsch unter den Füßen erschwert, sondern auch durch Enge und Dunkelheit. In dieser gemauerten, kaum mannshohen Röhre verläuft der Mühlgraben, als Mischwassersammler.

Allerhand zu tun gibt es im Entwässerungskanal unterhalb der Gerbergasse. Oliver Naumann von der Ingenieurgesellschaft für Rohrleitungssanierung Sachsen, Statikerin Bettina Fuchs und Karl-Heinz-Münster (v.l.n.r.) luden gestern die Meißner Presse zu einer
Allerhand zu tun gibt es im Entwässerungskanal unterhalb der Gerbergasse. Oliver Naumann von der Ingenieurgesellschaft für Rohrleitungssanierung Sachsen, Statikerin Bettina Fuchs und Karl-Heinz-Münster (v.l.n.r.) luden gestern die Meißner Presse zu einer © hübschmann

Das Gemäuer stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts. Nach einer ersten Einschätzung von Oliver Naumann ist es insgesamt ganz gut erhalten. Dennoch müssen Schäden ausgebessert werden. Der diplomierte Ingenieur, der die Sanierung dieses Kanals vorbereitet, strahlt mit seiner Leuchte ein Rinnsal an. Es deutet auf ein Leck in den Rohren zur Entwässerung der Wohnhäuser hin, die in das unterirdische Kanalsystem führen. Neben offensichtlichen Schadstellen wie diesen oder Rissen im Mauerwerk sollen weitere Untersuchungen genauere Erkenntnisse bringen, was hier im Untergrund genau zu tun ist. Dazu sollen in den nächsten Tagen auch Bohrkerne aus dem Gemäuer entnommen werden.

Dass Rohrsanierer und städtisches Bauamt zu diesen unterirdischen Pressetermin laden, ist erst nach umfangreichen Aufräumarbeiten im Untergrund möglich, die in den vergangenen Wochen hier stattfanden. „Der Schlamm lief in die Gummistiefel hinein“, schildert Oliver Naumann seine ersten Eindrücke in dieser Röhre. Nach dem Juni-Hochwasser hatten sich hier Wasser, aus Mauerweg und Sohle gelöste Steine und Müll in einer Höhe von 20 bis 30 Zentimetern angesammelt. Mit einem unter Hochdruck gesetzten Wasserstrahl wurden Dreck und Schlamm inzwischen herausgespült und abgesaugt – 110 Kubikmeter kamen dabei zusammen, wie Karl-Heinz Münster von Veolia informiert. Das Unternehmen hatte die Arbeiten erledigt.

Immer wieder heißt es „Vorsicht, Kopf einziehen!“. Im Dunkeln sind Wasser- und Abwasserrohre oder Gasleitungen, die den Kanal kreuzen, nicht sofort zu erkennen. Viele dieser Hindernisse sollen bei der Kanalsanierung verschwinden. Sie werden anders verlegt, „umgebunden“, wie Oliver Naumann es nennt. Überhaupt sollen die Arbeiten hier im Untergrund Ordnung schaffen. Vor allem geht es darum, die Niederschlags- und Dachentwässerung vom Schmutzwasser zu trennen. Denn das Niederschlagswasser verdünnt das Abwasser, was sich auf den Betrieb der Kläranlage auswirkt, erklärt Oliver Naumann.

Im Zuge der anstehenden Arbeiten, die Bestandteil des grundhaften Ausbaus von Geber- und Neugasse in den nächsten Jahren sind, ist auch das Befestigen der Sohle im Kanal mit einer Kiesschicht und Beton vorgesehen. Wer danach in die Niederungen des Kanalsystems unter der Meißner Altstadt hinabsteigt, wird dieses schmatzende Geräusch bei jedem Schritt und Tritt nicht mehr wahrnehmen.