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Görlitz

Das moderne Gesicht vom Handwerk

Von einem angestaubten Image kann keine Rede sein, will die Wirtschaftsförderung zeigen. An einem Ort, den viele Görlitzer mit Handwerk verbinden. 

Das Gestell eines historischen Stuhls und wartet noch immer auf Restaurierung im Waidhaus. Hier findet kommende Woche das Werk-Stadt-Camp statt, das Andrea Behr (re.) und Inga Dreger organisiert haben.
Das Gestell eines historischen Stuhls und wartet noch immer auf Restaurierung im Waidhaus. Hier findet kommende Woche das Werk-Stadt-Camp statt, das Andrea Behr (re.) und Inga Dreger organisiert haben. ©  Nikolai Schmidt

Ein Freund von Eva Wittig ist im Waidhaus noch ausgebildet worden. „Er ist Restaurator“, erzählt sie. Seit Anfang der 90er Jahre bot der Verein des Görlitzer Fortbildungszentrums für Handwerk und Denkmalpflege hier Kurse an für, wie der Name schon sagt, Handwerker verschiedener Gewerke und Restauratoren. Als sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz vor rund drei Jahren aus der Finanzierung zurückzog, mussten die Kurse eingestellt werden. 

Die Hoffnung, dass es doch irgendwann weitergehen könnte, sieht man bis heute: In den Räumen für das Holzhandwerk sieht es aus, als würde gleich der nächste Kurs beginnen. Auf den Werkbänken stehen Drehhocker, als hätte sie jemand nur kurz zum Durchwischen nach oben gestellt. An den Wänden hängen Beispielarbeiten filigraner Intarsien und Furnierarbeiten. An einer Werkbank lehnen alte Fensterrahmen, vermutlich Übungsstücke zum Aufarbeiten.

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Kommende Woche wird hier wieder gearbeitet. Vom 25. bis zum 29. Juni findet das Werk-Stadt-Camp statt. Es steht unter dem Motto „Handwerk und Digitalisierung“. Es gibt Workshops, Seminare, Vorträge, Diskussionsrunden, Café und Bar. Die Stadt Görlitz hatte vor einiger Zeit schon an dem Projekt „Ab in die Mitte“ teilgenommen. Das Werk-Stadt-Camp ist jetzt die praktische Umsetzung der Projektidee. „Für uns ist das eine schöne Möglichkeit, das Handwerk in den Fokus zu setzen“, sagt Eva Wittig von der Europastadt-GmbH (EGZ), die unter anderem für Wirtschaftsförderung in Görlitz zuständig ist und die Organisation des Werk-Stadt-Camps übernommen hat. „Wir hoffen auch, dass es keine einmalige Geschichte bleibt“, so Andrea Behr, Geschäftsführerin der EGZ. 

Für die Umsetzung hatten sie sich Partner gesucht, darunter die Handwerkskammer Dresden, das Fraunhofer Lernlabor, die Sächsische Aufbaubank, die Kreishandwerkerschaft Görlitz – und auch die Görlitzer Kultur- und Projektmanagerin Inga Dreger. Welchen Workshop sie am liebsten besuchen würde? „Den zu 3-D-Modellierung, das finde ich ganz spannend.“

Dafür reist das Fabmobil aus Dresden an, ein Bus, in dem man grundlegende Techniken des 3-D-Drucks lernen und probieren kann. Vor dem Waidhaus wird außerdem Uwe Lehmann von der Görlitzer Kunst-Schmiede einen Workshop im Schmieden anbieten. Den Workshop im Holzbau übernimmt Robert Melcher. Außerdem gibt es Seminare: zu Fördermöglichkeiten für Handwerker, zu sozialen Medien und der Frage, wie man junge Menschen erreicht, zu Cybersicherheit und Gründung. Am Sonnabend gibt es eine Diskussionsrunde zu der Frage: Was braucht das Handwerk in der Oberlausitz?

Das historische Waidhaus fand Inga Dreger von Anfang an beeindruckend. „Wir mussten auch kaum irgendwas vorrichten. Das Gebäude scheint in den vergangenen Jahren weiter gut gepflegt worden zu sein.“ Schon alleine durch seine Geschichte und bisherige Nutzung passe es gut zum Werk-Stadt-Camp. Wie Schule soll die kommende Woche sich nicht anfühlen, sagt sie. Das Waidhaus soll eher ein Treffpunkt sein: für Schüler, die sich für das Handwerk interessieren, Unternehmer und Selbstständige, die sich fortbilden und mitdiskutieren wollen, Fachleute. Im Moment werden im Keller noch eine Bar und auf der Terrasse ein Café eingerichtet, das nächste Woche nicht nur den Teilnehmern, sondern allen offensteht. Das Waidhaus selbst auch: Von Dienstag bis Freitag, 16 bis 20 Uhr, und am Sonnabend ab 10 Uhr kann man vorbeikommen, je nach Interesse sind Führungen möglich.

Hier geht es zu Infos und Anmeldung

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