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Im Wald wird es gefährlich

Fehlender Regen, Sonne und Wind haben die Böden ausgetrocknet. Das sorgt im Landkreis Meißen für hohe Waldbrandgefahr.

Der trockene Waldboden rieselt dem Moritzburger Staatswald-Revierleiter Marko Groß durch die Finger. Die durch den Wassermangel der vergangenen beiden Jahre vertrockneten jungen Kiefern würden einem Feuer zusätzlich Nahrung bieten.
Der trockene Waldboden rieselt dem Moritzburger Staatswald-Revierleiter Marko Groß durch die Finger. Die durch den Wassermangel der vergangenen beiden Jahre vertrockneten jungen Kiefern würden einem Feuer zusätzlich Nahrung bieten. © Arvid Müller

Landkreis. Die Forstwege durch den Moritzburger Wald sind derzeit im Wortsinn staubtrocken. Selbst etwas schneller rollende Fahrräder wirbeln Wolken auf. Auf dem Waldboden sieht es nicht viel besser aus. Selbst dort, wo schon frisches Grün sprießt.

Entsprechend hoch ist die Waldbrandgefahr. Während am Mittwoch im südlichen Teil des Landkreises die Stufe 4 (hohe Gefahr) galt, hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) für den nördlichen Bereich sogar die die höchste Waldbrandgefahr und damit die Stufe 5 berechnet. Beachtet werden dabei neben den Standort und Vegetation unter anderem auch Lufttemperatur, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit und Niederschlagsmenge. 

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So stellen Kiefernwälder auf sandigen Böden bei Trockenheit ein größeres Risiko dar, als etwa der Laub- und Mischwald um Moritzburg. „Da Buchen und Eichen derzeit aber gerade erst ihre Blätter austreiben, bieten sie noch keinen Schatten“, sagt Marko Groß, der Leiter des Moritzburger Staatswaldreviers. Sonne und Wind haben so leichtes Spiel. „Im Januar und Februar gab es zwar reichlich Regen, sodass der Waldboden erst einmal gesättigt war“, so der Forstmann. Das Defizit der beiden vergangenen trockenen Jahre ist damit aber längst noch nicht ausgeglichen. Zudem hat es seit Monatsbeginn kaum geregnet. Die Wetterstation am Flughafen Dresden hat im April bisher nur 1,5 Liter pro Quadratmeter registriert. Das entspricht vier Prozent der Durchschnittsmenge. „Die oberen 30 Zentimeter Waldboden sind inzwischen schon wieder komplett ausgetrocknet“, so Groß.

Das sei allerdings nicht ungewöhnlich für das Frühjahr. Der April ist laut dem Staatsbetrieb Sachsenforst ein typischer Waldbrand-Monat. Im vergangenen Jahr wurden im April sachsenweit 46 Waldbrände gemeldet. Das waren mehr als in jedem anderen Monat des sehr heißen und trockenen Jahres 2019. Nicht ohne Grund informieren Sachsenforst und der DWD daher jeweils ab dem 1. März über die Waldbrandgefahr in Sachsen. Bis zum Oktober wird tagaktuell die Waldbrandgefahrenstufe für 31 sächsische Vorhersageregionen berechnet und bekannt gegeben.

Für zusätzliche Gefahr sorgt in diesem Jahr die große Menge an brennbarer Masse in den Wäldern. Denn neben trockenem Laub, Zweigen und Gräsern haben die massiven Waldschäden dazu geführt, dass Brände reichlich Nahrung finden. „Durch die Stürme und den starken Käferbefall haben wir noch viele abgestorbene Bäume im Wald stehen und liegen, dazu kommen große Mengen Reisig“, sagt der Revierleiter. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres wurden im Moritzburger Staatswald schon wieder 5.000 Festmeter Holz aufbereitet, zum Großteil Sturm- und Käferholz. Normalerweise werden dort im Jahr 7.000 bis 7.500 Festmeter eingeschlagen.

„Leider sind die meisten Waldbrände auf leichtsinniges oder verantwortungsloses Verhalten zurückzuführen.“ Marko Groß appelliert daher an die derzeit zahlreichen Waldbesucher, sich umsichtig zu verhalten. Dass Rauchen, Lagerfeuer und Grillen im Wald verboten sind, sollte jedem klar sein. Für offenes Feuer gilt das allerdings bis zu 100 Meter davon entfernt. „Bei der Waldbrandgefahrenstufe 4 dürfen die Wege im Wald nicht verlassen werden, bei der Stufe 5 sollte der Wald zur eigenen Sicherheit zudem nicht betreten werden.“ Kurzfristig können auch entsprechende Verbote ausgesprochen werden. „Das ist aktuell im Landkreis aber nicht der Fall“, so der Forstmann.

Für den Waldbrandschutz gilt: Die Zufahrtswege müssen für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge freigehalten werden. Und Gefahr geht auch von aufgeheizten Katalysatoren abgestellter Fahrzeuge auf trockener Bodenvegetation aus. „Daher sollten unbedingt die ausgewiesenen Parkplätze genutzt werden.

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"Für alle, die gern im Wald unterwegs sind und dabei zum Thema Waldbrandgefahr auf dem aktuellen Stand sein möchten, hat der Moritzburger Revierförster noch einen Tipp. Die mobile App „Waldbrandgefahr Sachsen“ vom Sachsenforst. Diese bietet schnell und unkompliziert Informationen zur örtlichen Waldbrandsituation und zum richtigen Verhalten vor und im Brandfall. „Über die integrierte Notruf- und Standort-Funktion kann jeder Waldbesucher für die eigene Sicherheit vorsorgen und den Schutz der sächsischen Wälder unterstützen.“ Wer einen Waldbrand entdeckt, ist verpflichtet, unverzüglich einen Notruf abzusetzen. Dank der GPS-gesteuerten Standortermittlung sind die exakte Position des Brandherdes und der nächstgelegene Rettungspunkt im Wald leicht zu ermitteln. Die App ist in der brandneuen Version in App-Stores kostenfrei erhältlich.

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