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Im Weinlabyrinth

Wo früher Bügeleisen montiert wurden, lagern jetzt Tausende Weine. Ein Besuch beim größten Online-Händler im Kreis.

Von Peter Anderson

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Pickliste – so heißt der Laufzettel, der Erik König an diesem Vormittag auf Trab hält. Hunderte Flaschen wird der Fachlagerist in den nächsten Stunden aus Kartons und Regalen in der früheren Elektrowärme Neusörnewitz herauspicken. Alles, was Kunden hauptsächlich aus Deutschland in den vergangenen Stunden online bei Superiore.de bestellt haben. Im aufwendig umgebauten Klinkerbau der alten Fernwärme unterhält der Internet-Weinhändler sein zentrales Lager. Doppelte Wände und ausgeklügelte Haustechnik sorgen für ideale Bedingungen. Die Produkte stammen ausschließlich aus Italien. Fast liest sich Königs Liste wie eine Reisebeschreibung über den Stiefel. Ein Kunde aus Potsdam hat sich im Internet einmal quer durch die Weingüter Siziliens geklickt. Je eine Flasche pro Weingut reicht ihm zum Probieren aus. Eine Bestellung aus München deutet eine Vorliebe für herzhafte Chiantisorten aus der Toskana an. Da dürfen es schon mal 18 Flaschen eines Jahrgangs pro Weingut sein.

Die Pickliste in der Hand sucht Erik König seinen Weg zu Chianti und sizilianischem Nero d’Avola. Kein Navi hilft ihm dabei, auch kein Lageplan oder Wegweiser an den Regalen. Die Weine der einzelnen Anbaugebiete liegen auf Paletten-Inseln zwischen den Gängen. Das bietet wenigstens einen kleinen Anhaltspunkt. „Du musst das Lager im Kopf haben“, sagt Erik König. „Chaotische Lagerführung“ – so lautet der Fachbegriff. Mit Strichcode bekleben oder anderweitig markieren, wäre zu aufwendig. Zu groß ist die Vielfalt, eine Normierung kaum möglich. Die Einarbeitungszeit für Superiore-Lageristen dauert mindestens ein Jahr. Die Standorte von bis zu 1 800 verschiedene Artikel sind auswendig zu lernen. Das braucht seine Zeit.

Im großen Versandraum in der unteren Etage füllt sich Karton um Karton. In Stoßzeiten wie vor Weihnachten und um Ostern herum kommen täglich schon einmal 2 000 Flaschen und mehr zusammen. Ein ausgefeiltes Prüfsystem stellt sicher, dass die richtige Sorte und der richtige Jahrgang zum Kunden auf die Reise gehen. Zum Abschluss wird von jeder Lieferung noch ein Foto zur Dokumentation geknipst. „Die Zahl der Reklamationen pro Jahr kann ich an einer Hand abzählen“, sagt Superiore-Chef Lutz Heimrich.

Das System, nach dem hier gearbeitet wird, haben seine Mannschaft und er selbst entwickelt. Abgucken bei großen Online-Weinhändlern wie Hawesko funktioniert nicht. Die Konkurrenz lässt sich nur ungern in die Karten schauen. Hinzu kommt: Die Spezialisierung auf italienische Spitzenweine kann nicht mit jedem x-beliebigen System umgesetzt werden. Eine individuelle Lösung musste her. Das Ergebnis hat in den vergangenen Jahren Zehntausende Kunden überzeugt.

Aus dem Versandraum sind Kartons und verschweißte Paletten auf die Verladerampe gewandert. Der erste DHL-Transporter fährt heran. Ein Weinkeller voller italienischer Spezialitäten tritt aus Neusörnewitz seine Reise in alle Ecken Deutschlands an. Das Internet macht es möglich. In der Konzentration auf Italien mit seiner unglaublichen Sortenvielfalt sieht Superiore-Geschäftsführer Lutz Heimrich eine wesentliche Säule seines Geschäftserfolges. Mehrmals im Jahr fährt oder fliegt er über die Alpen, um seine Winzer zu treffen. Schneller und konzentrierter läuft der Austausch auf den großen Fachmessen. „Von den Flaschen hier könnte ich jede auf den Tisch stellen, und guten Gewissens den Korken ziehen“, sagt Heimrich.

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