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Im Wettlauf mit dem Borkenkäfer

Die Umstände stehen günstig für den Schädling. Forstchef Heiko Müller hofft, dass es nicht so schlimm wie 2006 wird.

© Archivfoto: Anne Hübschmann

Von Thomas Drendel

Der Borkenkäfer dürfte sich in diesen Tagen, Wochen und Monaten ausgesprochen wohl fühlen in den Wäldern der Region. Einmal liegen an einigen Stellen noch umgeknickte Bäume von den Stürmen Herwarth und Friedericke in den Wäldern. Außerdem sind die Waldstücke trocken wie lange nicht. „Das macht uns Sorgen“, sagt Heiko Müller, Leiter Staatsforst bei Sachsenforst. Und er runzelt dabei sichtbar die Stirn.

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Die Pflanzen haben Stress

„Die Hitze und die Trockenheit bereiten den Pflanzen Stress. Sie sind dann anfälliger für Schädlinge, eben auch den Borkenkäfer.“ Eine ähnliche Situation habe es zuletzt 2006 gegeben. Damals war es auch über längere Zeit sehr trocken und heiß. „Der Borkenkäfer befiel damals zahlreiche Bäume, besonders Fichten. Wir mussten rund 5 000 Kubikmeter einschlagen. Das ist fast ein halber Jahresertrag eines großen Forstrevieres. Wir können nur hoffen, dass es in diesem Jahr nicht ganz so schlimm wird“, sagt er. Ab Mitte Juli werden seine Kollegen in der Heide die Augen besonders offen halten. Dann gilt es, sogenannte Käferbäume schnell zu entdecken. Das Gemeine daran: Oft sehen die Stämme unberührt aus. „Die Bäume sind weiterhin Grün. Im frühen Stadium ist der Befall schwer zu erkennen.“ Sind die Schädlinge einmal entdeckt, dann werden die Bäume mit dem Harvester, einer Holz-Erntemaschine, gekappt. „Einmal geht das schneller als mit der Hand. Außerdem wird die Borkenkäfer-Brut bei der Bearbeitung der Stämme weitestgehend zerstört“, sagt Heiko Müller.

Gift zur Bekämpfung der Käfer setzt Sachsenforst in der Heide nicht mehr ein. „Wir versuchen, auf andere Art einer Ausbreitung entgegenzuwirken. Unser Bestreben ist es, das abgestorbene Holz, das ja für die Schädlinge so interessant ist, schnell aus dem Wald zu holen.“ Auch die Lagerzeit des geschnittenen Holzes an Waldwegen soll nach seinen Aussagen so kurz wie möglich gehalten werden. Das stellt Sachsenforst vor Herausforderungen. Bei den Stürmen Herwarth und Friedericke fielen 25 000 Kubikmeter Sturmholz an. So viel, wie sonst im ganzen Jahr einschlagen wird. In der Dresdner Heide wurden mehr als 10 000 Kubikmeter Holz aufbereitet und zum großen Teil verkauft.

Angemesssene Preise schwierig

Doch bei mehreren Millionen Kubikmetern Sturmholz in Deutschland finden sich immer schwerer Abnehmer zu angemessenen Preisen. Sachsenforst hatte sich deshalb entschlossen, in der Dresdner Heide wie schon 2007 wieder Sägeholz in der alten Baumschule Bühlau einzulagern und zu beregnen. „Mit dem konservierten Holz können wir unsere Kunden beliefern, wenn das Sägeholz im Herbst wieder knapper wird und die Preise besser sind“, sagt Heiko Müller. Laut Landesregierung haben die Mitarbeiter von Sachsenforst derzeit mehr als eine Million Festmeter Sturmholz beseitigt. Mit dem im Wald verbleibenden Totholz sind dies rund drei Viertel des gesamten Schadholzes.

Nach Schätzungen der Unteren Forstbehörden ist auch in den privaten und körperschaftlichen Wäldern gut die Hälfte des Sturmholzes aufgearbeitet. Für eine zügige Beräumung des Waldes arbeiten Sachsenforst und die weiteren Waldeigentümer mit den Forstbetriebsgemeinschaften und den Forstbehörden eng zusammen. So wurden etwa Plattformen für die Vermittlung forstlicher Lohnunternehmer geschaffen oder Luftbilder der Hauptschadensgebiete durch Sachsenforst kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Besonders anfällige Arten

Um die Wälder künftig besser vor Schädlingen schützen zu können, werden jedes Jahr 1300 Hektar Mischwälder angepflanzt. Rund 200 000 Pflanzen hatte allein der Forstbezirk Dresden für diese Arbeiten bestellt, davon etwa 80 000 für die Dresdner Heide. So wurden beispielsweise Weißtannen im Revier Ullersdorf gepflanzt. „So wachsen auf einigen Sturmflächen schon wieder neue Bäume. Wir nutzen die Lücken, die der Sturm riss um neue, hoffentlich stabilere Bestände zu pflanzen, wo vorher meist nur die für Borkenkäfer besonders anfälligen Fichten standen“, sagt Heiko Müller.