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Hoyerswerda

Im Zoo fährt bald eine Giraffe Boot

Silvio Ukat aus Glauchau ist einer der Teilnehmer des 12. Internationalen Bildhauersymposiums.

Bevor Silvio Ukat die Kettensäge
ansetzt, markiert er mittels roter Sprühfarbe die
gewünschten
Formen.
Bevor Silvio Ukat die Kettensäge ansetzt, markiert er mittels roter Sprühfarbe die gewünschten Formen. © Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Von Holzbildhauer Silvio Ukat aus Glauchau stammt eine Skulptur namens „Cybike“ – halb Kuh, halb Fahrrad. Eine andere heißt „Cyplane“ – halb Vogel, halb Flugzeug. 

Keine Frage, dass das Motto des 12. Internationalen Bildhauersymposiums in Hoyerswerdas Zoo ihm entgegenkommt: „Humanimal – Mensch, Seele, Tier“. Der 46-Jährige arbeitet an einem Werk mit dem buchstäblich zu nehmenden Titel „Giraffe im Boot.“ Ukat sagt, er sei nun nicht unbedingt jemand, der unentwegt Tierfilme anschaut oder regelmäßig einen Zoo besucht. Jedoch: „Ich schaffe gerne Tiere.“ Das trifft zum Beispiel auf eine gut 20 cm hohe Eisbären-Figur ebenso zu wie auf einen stattliche 1,60 Meter großen „Wolf im Katzenpelz“. 

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Aber auch Boote als Symbole für Wege in etwas Neues haben es dem Westsachsen angetan. Er hat eine Geschichte davon gehört, wie der römische Kaiser Mark Aurel zur Belustigung der Römer Tiere aus Afrika an den Tiber bringen ließ. Speziell Giraffen erging es dabei wohl nicht so gut. Sie sollen nie angekommen sein. Silvio Ukats Giraffe aus Eichenholz dagegen soll ihr Schicksal als Steuer-Tier sozusagen in die eigenen Hufe nehmen können. Sollte freilich jemand beim Ansehen der Arbeit an die Arche Noah denken, ist das für den Künstler auch kein Problem.

Der Glauchauer mag Bildhauer-Symposien: „Man kann aus der Werkstatt rauskommen, sich mit Anderen austauschen und es lässt sich von ihnen jedes Mal etwas lernen.“ Der Weg nach Hoyerswerda ist ihm vielleicht nicht unbedingt vertraut, aber eben auch nicht unbekannt. Ukat hat entfernte Verwandtschaft in der Stadt, war in seiner frühen Jugend zu DDR-Zeiten zu Besuch hier und erinnert sich daran, dass die Stadt auf ihn zumindest in Teilen futuristisch wirkte. Für die Zeit des Bildhauersymposiums ist er jetzt in einer Gästewohnung in einem der Hochhäuser an der Albert-Schweitzer-Straße untergebracht.

Er sagt, als er am Donnerstagabend erstmals über die Schwarze Elster in die Neustadt fuhr, habe ihn ein Gefühl der Beschwingtheit ergriffen: „Man hat den Eindruck, man befindet sich in einer Art lebendigem Foto, wo gleich ein Trabant vorbeikommt oder vielleicht ein Moped.“ Er mag Hoyerswerda, kennt die Verbindungen zu Autorin Brigitte Reimann und zu Musiker Gerhard Gundermann. Was für ein Zufall, dass nun ausgerechnet am Wochenende hier nicht nur ein Treffen des Vereins Gundermanns Seilschaft stattfand, sondern auch gleich noch einer der Brigitte-Reimann-Spaziergänge des Kunstvereins!

Von den Organisatoren des Symposiums sei er ausgesprochen freundlich empfangen worden: „Man fühlt sich gut aufgehoben, es hat familiäre Züge.“ Dass gleich nebenan auch noch Kunsterzieherin Ines Lenke vom Foucault-Gymnasium mit Schülerinnen und Schülern tätig ist, empfindet Ukat als angenehm: „Wenn junge Leute da sind, ist es natürlich lebendiger.“ Und der Zoo als Arbeitsort ist für ihn ohnehin ein ziemlicher Volltreffer. Es scheint durchaus möglich, dass ganz bestimmte Vögel für Silvio Ukat zur Inspiration werden. Denn die Pelikane im Schloss-Graben faszinieren ihn: „Die haben es mir angetan – mit ihren großen Schnäbeln. Die Flamingos sind mir fast zu grazil.“ Und dünne Beinchen aus Holz brechen natürlich leichter.

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