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Im Zwickel fließt das Wasser nach Plan

Ein wichtiger Schritt zur Hochwasserplanung ist getan. Die Flutversuche im Hydrolabor zeigen, wie es nun weitergehen muss.

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Von Gabriele Gelbrich

Kräftiges Wasserrauschen eröffnete gestern Mittag den Test in der Versuchshalle 2 des Hydrolabors im thüringischen Schleusingen: Döbeln wird geflutet!

Das Wasser kommt aus Richtung Schiffsbrücke und fließt ungehindert bis zum Schlossbergwehr durch das steinige Flussbett. „Dieser Zwickel ist die kritischste Stelle“, erklärt Jörg Kranawettreiser, der Leiter des Hydrolabors. An dieser schmalen Stelle teilt sich die „Flut“ . Ein Teil fließt durch die beiden geöffneten Klappen des neu konstruierten Schlossbergwehrs in Richtung Brücke Straße des Friedens. Der zweite strömt weiter in Richtung Oberwerder und Oberbrücke. „So muss es sein“, freut sich der Versuchsleiter Jens Sauerwein. Zwei Drittel bis drei Viertel des Wassers sollen im Hochwasserfall über die im Modell schon erweiterte Flutmulde in Richtung Straße des Friedens umgeleitet werden, so der Wissenschaftler.

Bürgermeister Axel Buschmann beobachtet die ganze Sache genau. Er blickt auf das Modell, das die Schleusinger maßstabsgetreu (1:25) aufgebaut haben. Begonnen hatten sie mit ihrer Arbeit im Januar. „Diese aufwendige Versuchsanordnung wurde vor allem wegen dieser kritischen Stelle gebaut“, erklärt Buschmann. Nach dem gestrigen Flutversuch ist klar, das Wehr – das im Modell nun ein ganzes Stück weit in den Muldenarm hineinragt – steht am richtigen Fleck. An keiner Stelle läuft das Wasser über die magische rote Linie, die sich am Ufer auf der Mauer entlangzieht. Wie das bewegliche Wehr ist auch die Mauer noch in der Testphase. Aber das Zusammenspiel der beiden Hochwasserschutzkomponenten klappt im Versuch unter den gestellten extremen Bedingungen schon einmal ganz gut. Die Wissenschaftler nun haben ihre Schuldigkeit getan.

„Bis Ende des Jahres gehen die Unterlagen zum Hochwasserschutz an das Regierungspräsidium und werden dort geprüft“, sagt Thomas Weiser von der Landestalsperrenverwaltung. Es seien schon über 70 Ordner zusammengekommen. Der Hochwasserschutz, wie er gestern getestet wurde, mit Mauer-, Wehrbau, der Flussbetterweiterung und den Veränderungen an den Brücken würde den Freistaat 20 Millionen Euro kosten, so Weiser.

Im September haben die Döbelner die Möglichkeit, das Modell vor Ort zu besichtigen.