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Imbiss-Chefin kümmert sich auch um Sorgen der Trucker

Jana Gall beköstigtEinheimische und Reisende. Sie betreibtdie einzige Gastronomiein Gröbern.

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Von Jürgen Birkhahn

Die Prophezeiungen, die Jana Gall vor vier Jahren bekommen hat, sind nicht eingetreten. Das ist für die junge Frau genau so ein Glück, wie der Umstand, dass sich die Zukunft nicht voraussagen lässt. Denn hätte sie 2004 gewusst, wie es heute in der Gesellschaft aussieht, hätte sie ihren Imbiss in Gröbern nicht eröffnet. Heute allerdings möchte sie ihr Geschäft nicht missen – obwohl jeder Tag ein Kampf ums Überleben ist.

Viele Fernfahrer kommen

Vor dreieinhalb Jahren hat sich die junge Frau aus Krögis mit dem Imbiss an der Radeburger Straße in Gröbern selbstständig gemacht. Keine Wurstbude auf einem Parkplatz mit einem Vordach. Ein kleines Haus aus Backstein hat sie damals bezogen und renoviert. Ein Bilderrahmen an der Wand der Gaststube erinnert noch an den Großeinsatz von Freunden und Bekannten. Das meiste wurde in Eigenleistung erbracht. Heute ist es ein Imbiss, der Stammkunden gefunden hat, aber dennoch hauptsächlich von Durchreisenden lebt.

Viele Fernfahrer halten hier an. Damit sie für ihre Trucks Platz haben, hat Jana Gall eine große Fläche als Parkplatz angemietet. Pkw finden direkt vor dem Haus eine Parkbucht. Ohne die Reisenden würde sich das Geschäft nicht lohnen. Aber noch ein Erfolgsrezept hat die 37-Jährige: Keines der Gerichte kostet mehr als 4,50 Euro. Neben dem normalen Imbiss-Angebot wie Bockwurst, Bulette und Spiegelei gibt es jeden Tag ein Mittagsgericht. Und da dürfen die Kunden im Vorfeld ruhig Wünsche äußern.

„Ich koche alles selbst, und das natürlich so wie zu Hause“, sagt sie. Das Geschäft führt sie allein. Angefangen hatte sie mit einem Partner, der Lebensmittel verkaufte. Doch die Gröberner hatten damals das Angebot nicht angenommen. Der Mann zog sich zurück, der freigewordene Platz gehört nun zum Gastraum. Dadurch konnten schon fast von Anfang an die Räume für Raucher und Nichtraucher getrennt werden. Die neue gesetzliche Regelung zum Nichtraucherschutz ist so für die Nudelhexe, wie Jana Gall ihr Geschäft nennt, keine böse Überraschung. Diesmal nicht. Andere Neuregelungen haben sie kalt erwischt. Eben deshalb hätte sie wohl damals das Geschäft nicht aufgebaut. Drei Monate nach der Eröffnungsfeier kam das Hartz-IV-Gesetz. Damit hatten die Leute weniger Geld in der Tasche, können sich auch eine warme Mahlzeit im Imbiss nicht leisten. Letztes Jahr war es die Mehrwertsteuer. Den Aufschlag an die Gäste weiter reichen ist nicht drin, dann wird weniger verzehrt, oder Gäste bleiben aus, befürchtet sie. Nur gut, dass sie die Raucher nicht vor die Tür schicken muss. Denn die meisten Trucker wollen nach dem Essen einen Kaffee trinken und dazu eine Zigarette rauchen.

Chefin macht Mut

Die Chefin steht hier aber nicht nur am Herd und Tresen. Mitunter ist sie auch Seelsorgerin, denn Gespräche mit den Kunden sind im Preis inbegriffen. Auf der einen Seite hört sie Schicksale, auf der anderen Seite kann sie Mut machen, von eigenen Erfahrungen berichten. So ist die Nudelhexe nicht einfach ein Imbiss und damit auch Gröberns einziges Lokal – es ist ein Treffpunkt, den die Menschen brauchen, so wie früher die alten Leute ihren Plausch im Konsum oder Gemüseladen.