SZ +
Merken

Imker suchen Nachwuchs

Die Bienen finden in der Region gute Nahrung. Damit die Imkerei weiter voran kommt, nimmt der Freistaat Geld in die Hand.

Teilen
Folgen

Von Wolf Dieter Liebschner

Wen Imkerhut und Bienenhaube verbergen, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Eine Frau oder ein Mann? Jung oder alt? Wer den Coswiger Imker Bernd Rochholz danach fragt, bekommt eine eindeutige Antwort: Imker sind eher Männer und meist auch schon in gereifterem Alter.

Zumindest sind so die Verhältnisse im Imkerverein Coswig-Weinböhla e. V., den Rochholz leitet. „Wir haben 18 Mitglieder, die Hälfte davon hat das 61. Lebensjahr überschritten“, sagt Rochholz. „Die Jüngsten von uns haben aber auch die 40 schon fast erreicht.“ Rochholz selbst ist 58 Jahre alt.

Doch nicht nur die Jugend fehlt. Rochholz würde sich wünschen, dass sich mehr Frauen mit der Imkerei befassen. Drei Frauen zählt der Verein gegenwärtig, allesamt in der oberen Altersgruppe. Deshalb freut sich Rochholz darüber, dass erst kürzlich zwei Frauen Interesse angemeldet haben. „Sie sind noch nicht Mitglieder im Verein, sie schnuppern erst einmal. Und wir stellen ihnen Paten, die sie mit den ersten Schritten in der Imkerei vertraut machen.“

Einer der Paten ist Rochholz. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz kann man sich eine ganze Menge abgucken. Seine ersten eigenen Bienenvölker schaffte er sich 1983 an. Vertraut mit diesen Insekten ist er aber seit der Kindheit. Seine Eltern waren beide aktive Imker, sein Vater besitzt sogar den Meisterbrief. „Zeitweise war er auch Wanderimker, ist mit dem Wagen bis in den Norden der DDR gezogen“, erzählt Rochholz. Er dagegen ist ein sogenannter Standimker, der seine Bienen stets vom gleichen Standort ausschwärmen lässt. Etwas anderes macht auch sein Beruf unmöglich. Rochholz arbeitet als Schlosser im Schichtdienst beim Radebeuler Druckmaschinenhersteller KBA Planeta.

Sein Bienenwagen steht auf einem Grundstück am Unteren Steinbacher Weg in Coswig. „Sehr gute Bedingungen“, meint der Imker. „Hier ist Gartenland, auch die Sörnewitzer Obstplantagen sind nicht weit entfernt. Linden und Akazien ergänzen das Nahrungsangebot für die Bienen. Hier lohnt sich die Imkerei.“ Von der Bienenkrankheit Faulbrut, die ganze Völker zusammenbrechen lässt, und die derzeit im benachbarten Meißner Imkerverein grassiert, sind Rochholz und seine Vereinskollegen seit drei Jahren verschont geblieben.

Der Imker will die Zahl seiner Völker von drei auf acht erhöhen, danach vielleicht noch einmal etwas aufstocken. Das liegt im Trend. Sachsens Imker können auf eine zuletzt positive Entwicklung verweisen. Die Zahl der Bienenvölker stieg im vergangenen Jahr um über 1 800 auf nunmehr fast 40 000. Das kommt nicht nur den Imkern zugute. Mit der Bestäubung der Kultur- und Wildpflanzen durch die Bienen wird eine große ökologische Leistung erbracht. Die Imker leisten damit einen unschätzbaren Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zur Stabilisierung der landwirtschaftlichen Erträge.

Auf diesen Umstand hat auch der Freistaat reagiert. So kann jeder Neueinsteiger in die Imkerei einen Zuschuss von 100 Euro je Bienenvolk bei maximal fünf Völkern erhalten. Freistaat und EU haben den sächsischen Imkern 2013 insgesamt 251 000 Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt.

Der Honigertrag je Bienenvolk betrug in Sachsen im vergangenen Jahr 32,5 Kilogramm, das sind 2,6 Kilogramm mehr als noch 2012. Die Honigerzeugung in Sachsen belief sich auf insgesamt 1 285 Tonnen. Die steigenden Erträge gehen zurück auf den Zuchtfortschritt bei den Bienen und auf die klimabedingt längeren Trachtperioden. Rochholz rechnet in seinem Bestand mit einem Honigertrag von 25 bis 50 Kilogramm je Bienenvolk. „Das ist jeweils abhängig vom Witterungsverlauf und den sonstigen natürlichen Bedingungen“, sagt er.

Jeder Imker hat die Möglichkeit, seinen Honig in Verarbeitungsbetrieben wie der Bienenwirtschaft Meißen abzuliefern. Rochholz tut dies nicht. Seine Mengen seinen dafür zu gering, meint er. Er setzt auf Direktvermarktung. Reich wird bei Preisen zwischen 4 und 4,50 Euro je 500-Gramm-Glas keiner der Imker. „Im Westen werden höhere Erlöse erzielt“, so Rochholz. „Aber man muss sich ja an das hiesige Lohngefüge anpassen.“ Und letztlich betreibe er die Imkerei auch aus anderen Gründen. „Nach einem stressigen Arbeitstag kann ich hier bei den Bienen gut ausspannen“, sagt er. „Das ist ein schönes Hobby, bei dem ich mich erholen kann.“