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Sebnitz

Vermittler zwischen Imkern und Landwirten

Jörg Hempel ist Vorsitzender der Agrargenossenschaft Saupsdorf. Er ist aber auch Experte in Sachen Bienenzucht und deshalb in besonderer Mission unterwegs.

Jörg Hempel von der Agrargenossenschaft Saupsdorf wirbt für mehr Verständnis unter Imkern und Landwirten.
Jörg Hempel von der Agrargenossenschaft Saupsdorf wirbt für mehr Verständnis unter Imkern und Landwirten. © Steffen Unger

Imker und Landwirte scheinen nur schwer unter einen Hut zu kommen, viele stehen eher im Dauerstreit miteinander. Manch Bienenzüchter sieht sich gar am Ende einer Kette von Verschwörungen der Landwirte. Stichworte sind Pestizide, Überdüngung, Klimawandel -  all das sei schuld am Bienensterben.

Jörg Hempel, Vorsitzender der Agrargenossenschaft in Saupsdorf, ist selbst Landwirt -  und Hobbyimker. Er kennt die Debatten von beiden Seiten. Und er hat sich aufgemacht, zwischen Imkern und Landwirten zu vermitteln. 

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Er ist Vorstandsmitglied der Sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Imkerei und Landwirtschaft. Und er weiß, nicht alle Imker schimpfen auf die Landwirte und umgekehrt. Die Imkerei sei wieder im Kommen. Man müsse jedoch unterscheiden, dass einige Imker von der Bienenhaltung leben. Für andere ist das Hobby. 

Gleich ist für alle: Bienen brauchen Pflege und Imker ein solides Grundwissen. Jörg Hempel rät allen Bienenzüchtern zur Mitgliedschaft in einem Imkerverein. Dort gebe es die neuesten Informationen und auch ausreichend Material, um sich weiterzubilden.

Mehr gegenseitiges Verständnis

Imker und Landwirte müssten mehr aufeinander zugehen und Verständnis füreinander entwickeln, sagt der Experte. So müsse man wissen, dass die Landwirtschaft von EU-Programmen mehr oder weniger gesteuert wird. Brüssel schafft Rahmenbedingungen. Jedes Bundesland kann innerhalb dieser noch eigene Regelungen treffen.

Dass dies sich nicht immer mit den Interessen der Imker verbinden lässt, liegt auf der Hand. Die Saison der Bienen geht nun mal im April los. Im August bereiten sie sich schon wieder auf die Winterruhe vor. Im Normalzustand.

Doch aufgrund des Klimawandels blüht es mitunter bis Oktober, November oder wie im letzten Jahr bis Weihnachten. Die Bienen fliegen dann weiter und kommen nicht zur Ruhe. Die Völker gehen an den Folgen ein. Die Imker geben den Landwirten und ihren Ackerblühflächen die Schuld dafür.  "Deshalb ist es eben wichtig, verschiedene  Kreisläufe beziehungsweise Regelungen zu kennen", sagt Jörg Hempel. 

Für Ackerblühflächen bekommt der Landwirt Fördermittel. Dafür gibt es Vorschriften. Die Flächen müssen bis 15. Mai bestellt sein. Die Mischung ist ebenfalls vorgeschrieben, damit verschiedene Arten zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Und das meist bis in den Herbst. Bleiben die Pflanzen stehen, dann kann etwa Ackersenf bis in den Spätherbst hinein blühen. Die Folge: Die Bienen arbeiten sich sozusagen tot.   

Mähen oder nicht?

Ein weiteres Streitthema ist das Mähen der Wiesen. Die sollten, wünschen Imker, erst sehr spät, also nach dem 15. Juni, gemäht werden, damit sie blühen können. Der Landwirt hingegen braucht Energiefutter fürs Vieh. Wird erst spät gemäht, könnte es  sein, dass  die Wiese bereits vertrocknet, also nicht mehr genügend Futter hergibt. 

Darüber hinaus seien die Temperaturen in verschiedenen Lagen ganz unterschiedlich. Sind in einigen Regionen die Wiesen bereits verblüht, stehen sie im Bergland noch in voller Blüte. Früher einsäen könne man auch nicht, da im Februar die Traktoren noch gar nicht auf die Äcker können, weil sie schlichtweg versinken würden.  

All diese Dinge müssen bedacht werden, sagt Jörg Hempel. Für ihn steht deshalb an oberster Stelle, dass Imker und Landwirte miteinander ins Gespräch kommen, um ihre Interessen abzugleichen. Landwirte und Imker können voneinander lernen. 

Der Blick über den berühmten Tellerrand

Um etwas mehr Verständnis zu wecken, setzt sich die Landesarbeitsgemeinschaft Imkerei und Landwirtschaft dafür ein, das Fach Imkerei bereits in die Berufsschulausbildung für Landwirte aufzunehmen.  Der Arbeitsgemeinschaft gehören  Vertreter aus Agrargenossenschaften an, genauso von Pflanzenschutzdienstleistern und  Naturschutzverbänden. Jörg Hempel ist neben seiner Tätigkeit in der Arbeitsgemeinschaft viel unterwegs, um für gegenseitiges Verständnis zu werben. "Wichtig ist, dass Imker auf die Bienengesundheit achten, sich organisieren, sich informieren. Das schärft auch den Blick über den Tellerrand hinaus", sagt der Experte. Wenn es dann besser klappt zwischen Landwirten und Bienenzüchtern, dann können sie sich um die berühmte Hoftafel bewerben, ein äußerliches Zeichen dafür, dass sie zusammenarbeiten.

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