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Der Dippser Lars Werthmann war schon in vielen Krisengebieten der Welt im Einsatz. Nur einmal hat er Nein gesagt.

Von Regine Schlesinger

Lars Werthmann vom Technischen Hilfswerk Dippoldiswalde absolvierte auch in diesem Jahr wieder Hilfseinsätze im Ausland. Seinen persönlich wichtigsten Einsatz hatte er allerdings im Inland, genauer, in der Kapelle von Oberbärenburg. „Ich habe es im dritten Anlauf endlich geschafft, zu heiraten“, sagt der 30-Jährige und lacht.

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Der dritte Anlauf, das bedeutet nicht, dass ihm zwei Frauen zuvor im letzten Moment einen Korb gegeben haben. Es war immer seine Antonia – wie er beim Dippser DRK angestellt – die er heiraten wollte. Doch zweimal platzten die ins Auge gefassten Termine, weil irgendwo auf der Welt Leute wie der THW-Helfer dringend gebraucht wurden.

Auch dieses Mal erreichte ihn die Anforderung zu einem Einsatz. Auf dem Balkan hatte im Mai ein Hochwasser verheerende Schäden angerichtet. Lars Werthmann sollte am besten sofort los. Doch die Hochzeitsgäste waren schon eingeladen. „Dieses Mal habe ich Nein gesagt“, schildert der Dippser. Dafür folgte am 26. Juli in der Oberbärenburger Kapelle aber endlich das Ja. Die für drei Wochen geplanten Flitterwochen mit dem Wohnmobil durch Norwegen fielen dafür dann um eine Woche kürzer aus. Vom Wohnmobil stieg Lars Werthmann direkt in den Flieger nach Belgrad um. Die dritte Flitterwoche hat das frisch gebackene Ehepaar jetzt vor Weihnachten bei einem Urlaub in Ägypten nachgeholt.

Was Naturkatastrophen und Kriege anrichten können, weiß Lars Werthmann nicht nur aus den Medien, sondern aus eigener Anschauung. Der gelernte Rettungsassistent baute nach der Flut 2002 in Dippoldiswalde den Ortsverband des Technischen Hilfswerkes (THW) mit auf. Seit 2008 ist er Mitglied einer THW-Schnelleinsatzeinheit fürs Ausland.

Sein erster Auslandseinsatz führte ihn 2010 nach Haiti, das von einem schweren Erbeben betroffen war. Dort konnte er mit dafür sorgen, dass Betroffene sauberes Trinkwasser bekamen. Diesem ersten Einsatz sind seitdem zahlreiche weitere gefolgt. Der Dippoldiswalde hat dabei viel Elend, Not und Leid gesehen und eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Angesichts der Probleme, mit denen Menschen sich anderswo auf der Welt herumschlagen müssen, würden die eigenen ganz klein, sagt er. Lars Werthmann half Flutopfern in Pakistan, von denen viele nach der Katastrophe noch nicht einmal ein Zelt über dem Kopf hatten. Während der Dürrekrise in Ostafrika baute er in einem Flüchtlingslager an der äthiopisch-somalischen Grenze die Versorgung mit Strom, Wasser und sanitären Anlagen mit auf, später ebenso in einem Flüchtlingslager an der syrischen Grenze. 2013 half er Taifunopfer auf den Philippinen. In diesem Jahr führten ihn zwei Einsätze in den Irak. Beim ersten Einsatz ging es wieder um Hilfe für syrische Flüchtlinge. Der zweite kam nach dem Einmarsch der IS. Jetzt brauchte Flüchtlinge innerhalb des Landes Unterstützung und die Sicherheitsmaßnahmen für die freiwilligen Helfer hatten sich deutlich verschärft.

In seinem Hauptberuf beim Roten Kreuz hat sich Lars Werthmann, der inzwischen Assistent der Geschäftsleitung ist, weitergebildet und zu Jahresbeginn ein Praktikum beim Freitaler DRK absolviert. Er hat sich dabei mit Tätigkeitsbereichen vertraut gemacht, die das Dippser DRK bislang noch nicht hatte, wie den Betrieb eines Pflegeheims. Diese Aufgabe kommt aber auf die Dippser zu, denn das DRK baut in Glashütte jetzt ein solches Heim, das im Herbst 2015 fertig sein soll.

Der THW-Helfer rechnet damit, dass sein nächster Auslandseinsatz einer ist, vor dem viele zurückschrecken würden: ein Einsatz im Ebola-Gebiet. Den nötigen Stempel im Reisepass besitzt er schon, ist im Robert-Koch-Institut auch bereits darauf vorbereitet worden. Das Anziehen des Schutzanzuges hat er geübt. Nein, leichtfertig sei er nicht: „Das Risiko auszuschließen, wäre fahrlässig. Aber wir sind als THW gut auf solche Einsätze vorbereitet.“