merken

Immer auf Achse

Der Neustädter Radprofi Frederik Hähnel ist kein typischer Student. Seine Drogen: hartes Training und Gummibärchen.

© Dirk Zschiedrich

Von Nancy Riegel

Erfüllen Sie sich Ihren Wohntraum

Eine Veränderung wäre doch gut, oder etwa nicht? Tipps zum Thema Einrichtung und Wohnen gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de. Ein Blick hinein lohnt sich!

Neustadt. Es gibt diese Entschlossenen, die setzen sich auch bei schmerzhaft kalten Minusgraden noch aufs Rad. Um zur Arbeit zu fahren oder zum Supermarkt. Und dann gibt es die, die bei solchen Temperaturen mit dem Fahrrad richtig weite Strecken zurücklegen. 40, 60, 120 Kilometer. Den Kopf gesenkt, mit Eiszapfen an der Nase. Frederik Hähnel ist so einer. Aufgewachsen in Neustadt, lebt der 21-Jährige jetzt als Profiradsportler in Cottbus und fährt Rennen in ganz Europa. Angefangen hat alles viel bescheidener. Nämlich auf einem Feldweg in Langburkersdorf, unter anderem. „Hier bin ich früher gerne langgefahren. Von hier aus geht’s nämlich weiter in den Hohwald.“ Frederik streckt den Arm aus und zeichnet den Streckenverlauf nach. Nicht unbedingt etwas für Hobbyradler, gibt er zu. Denn dort geht es über Stock und Stein.

Ein Sinnbild für seine eigene Karriere? Nicht wirklich. Für den 1,89 Meter großen, junge Mann, lief es tatsächlich ziemlich hürdenfrei. Erst mit etwa 14 Jahren entdeckte er den Radsport für sich. „Mit meinen Großeltern schaute ich bei ‚Rund um Sebnitz‘ zu. Die Geschwindigkeit, die Ausstrahlung der Sportler – das hat mir gut gefallen.“ Und so setzte sich der Schüler der Schiller-Schule aufs Fahrrad und fuhr bald allen davon. Er bringe eben körperlich gute Voraussetzungen mit, sagt er, ganz ohne eitel zu klingen. Groß, schmal und schon immer athletisch. Obendrein fand er mit dem Sebnitzer Radfahrerverein ein sportliches Zuhause, das sein Talent erkannte und förderte. „Ohne die gute Nachwuchsarbeit von Uwe Mosig hätte ich es nicht so weit gebracht.“ Es sei außerdem hilfreich gewesen, dass er in der Schule immer mal ein paar Stunden fehlen konnte, wenn mal wieder ein wichtiger Wettkampf anstand. Auch, wenn die Mitschüler schon manchmal neidisch deswegen waren, sagt der 21-Jährige und muss lachen.

Eine schulische Sonderbehandlung gibt es für den Neustädter auch heute noch. Er studiert Sportwissenschaften im ersten Semester in Potsdam. Als Fernstudium allerdings, denn Frederik lebt und trainiert in Cottbus. In der brandenburgischen Stadt besuchte er nach der Mittleren Reife zunächst das Sportgymnasium und ist nun Mitglied im Rennstall des LKT-Teams Brandenburg. Er tritt für die deutsche U-23-Mannschaft an, fährt Rennen auf der Straße und querfeldein. Die Uni ist zwangsläufig dem Sport untergeordnet, denn der junge Mann trainiert zwischen zwei und sieben Stunden am Tag. Hinzu kommt ein strenger Ernährungsplan, in dem Süßigkeiten eigentlich keinen Platz haben. „Aber: Gummibärchen sind halt schon echt lecker“, sagt Frederik und grinst verschmitzt.

Eine der wenigen Sünden, die sich der Profisportler gönnt. Vom typischen Studentenleben ist er nämlich weit entfernt. Okay, er wohnt zumindest in einer WG. Allerdings mit einem Gleichgesinnten. „Es stehen so viele Fahrräder in der Wohnung, dass man kaum durchkommt“, erzählt Frederiks Mutter Katrin Hähnel. Mit seinem Mitbewohner koche er vor allem viel, natürlich gesund. Für andere Hobbys bleibt kaum Zeit. Und auch Partys gibt es so gut wie nie. „Mein letzter Schluck Alkohol war ein Glas Sekt an Silvester.“ Dafür geht es für den 21-Jährigen im Winter regelmäßig zu Trainingscamps zum Beispiel nach Kroatien und Italien. So viel Sonne in der kalten Jahreszeit bekommen die meisten Studierenden nicht ab.

Frederik, der deshalb auch Anfang des Jahres braungebrannt ist, gönnt sich lediglich einen Tag im Monat Ruhe. Heute ist so ein Tag. Frederik ist zu Besuch in seinem Elternhaus in Neustadt. „Eine seltene Erscheinung“, sagt Katrin Hähnel mit diesem vorwurfsvoll-verständnisvollen Tonfall, den nur eine Mutter beherrscht. Die ganze Familie hat den sportlichen Sohn immer unterstützt. Gleiches gilt für Läden in seiner Heimatstadt. Die Stadtapotheke ist einer seiner Sponsoren und bei Fahrrad Liebsch konnte er seine Gefährte in Schuss bringen lassen. Über diese Unterstützung freut sich der 21-Jährige, denn, gibt er zu: „Radfahren macht nicht reich“. Seit dem Doping-Skandal um Jan Ullrich sei das Ansehen des Sports zurückgegangen. Rennen werden seltener im Fernsehen übertragen, dementsprechend weniger Geld verdient man als Profi. Hinzu kommen Kosten für die Ausrüstung. Zum Glück bekommt er die meisten Fahrräder von seinem Rennstall gestellt, erklärt Frederik. Denn so ein Trainingsrad kostet mehrere Tausend Euro.

Mit solch einem ist er am Tag nach seiner Ruhepause wieder in der Sächsischen Schweiz unterwegs. Wo soll es langgehen? „Ich denke, ich werde über Ottendorf, Putzkau und Neukirch fahren …“, überlegt er. 120 Kilometer, vier Stunden, „eine schöne Runde“. Bevor er nach Brandenburg zog, radelte er auch gerne die Serpentinen in Hohnstein hoch und runter, auch die Straßen von Sebnitz nach Saupsdorf und Hinterhermsdorf gefielen ihm immer gut. Trotz der beengten Straßen. Doch vor Stürzen hat der Neustädter keine Angst. Sie gehörten halt dazu, sagt er. Narben an seinem linken Bein zeugen von einem schweren Unfall während eines Rennens. „Tattoos der Straße“, sagen Frederik und seine Teamkameraden zu solchen Verletzungen. Ohne Stürze wird für ihn hoffentlich die nächste Ausgabe von „Rund um Sebnitz“ im September verlaufen. Auch diesmal will der 21-Jährige wieder mitfahren. Es sei eine ganz besondere Atmosphäre. Und natürlich, gibt Frederik Hähnel grinsend zu, macht es umso mehr Spaß, von Fans aus der Heimat angefeuert zu werden.