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Immer mehr fahren Rad

Die zurückgelegten Wege werden kürzer. Dafür sind die Menschen häufiger unterwegs.

Von Andreas Weller

Dresden/Radebeul. Mittlerweile gibt es in der Stadt Dresden pro 1 000 Einwohner 884 Fahrräder. Das bedeutet aber nicht, dass 88,8 Prozent der Dresdner Rad fahren – einige haben auch gleich mehrere Räder. 2008 waren es 750 Räder pro 1 000 Einwohner. Dies ist die deutlichste Veränderung der Verkehrsbefragung, die die Technische Universität für Dresden und andere Städte alle fünf Jahre durchführt. Erstmals seit der Wende ist das Auto unter 40 Prozent als meist genutztes Verkehrsmittel gesunken. Und das, obwohl mehr Dresdner Autos haben. Der sogenannte Umweltverbund (per Rad, zu Fuß oder mit Bus und Bahn) macht 61 Prozent des Gesamtverkehrs aus. „Dresden ist umweltbewusst mobil“, so Baubürgermeister Jörn Marx (CDU).

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Mit Oppacher gelassen losradeln

Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Die Experten haben allerdings nicht nur 3 225 Dresdner befragt, sondern auch 6 000 Personen aus dem Umland, die nach Dresden einpendeln. Die Befragten gaben Auskunft zu den Personen in ihrem Haushalt, wie viele Autos sie haben und mit welchem Verkehrsmittel sie sich zu welchem Zweck bewegen. Erstmals wurden auch Wege abgefragt, die die Menschen in der Stadt beispielsweise in ihrer Mittagspause zurücklegten. „Wenn jemand, um zur Arbeit zu kommen, mit dem Rad zur S-Bahn fährt und dann noch zu Fuß ein Stück läuft, wird dieser Weg dem Verkehrsmittel zugerechnet, mit dem man die größte Strecke zurückgelegt hat. In diesem Fall der S-Bahn“, so Matthias Mohaupt, Verkehrsentwicklungsplaner der Stadt.

Kalter Winter bremst die Radler

Damit die aktuellen Werte mit denen von vor fünf und vor zehn Jahren vergleichbar sind, haben die Experten die Daten hochgerechnet. „Es gibt dafür Korrekturfaktoren“, so Mohaupt. Dennoch kam am Ende heraus, dass das Fahrrad mit zwölf Prozent weiter das am wenigsten genutzte Fortbewegungsmittel ist. Der Anteil am Gesamtverkehr ist sogar um zwei Prozentpunkte gesunken. „Das lag am Wetter im Befragungszeitraum“, so Mohaupt. Denn die Befragung wurde bereits 2013 durchgeführt. In dem Jahr gab es bis Ostern Schnee, 82 Prozent mehr Regen als bei der Befragung fünf Jahre zuvor und die Temperatur war auch im Mittel 2,4 Grad kälter.

In Dresden legten die Befragten 90 Prozent ihrer Wege innerhalb der Stadt zurück. Die durchschnittliche Wegstrecke ist auf 5,8 Kilometer gesunken. Zuvor waren es noch 6,3 Kilometer.

„Das zeigt uns, dass die Unterzentren funktionieren“, so Marx. Die Nahversorgung klappt. Trotz der um rund 30 000 Personen gestiegenen Einwohnerzahl in den vergangenen fünf Jahren ist vieles schnell erreichbar. So ist etwa die Zahl der Kitaplätze deutlich gestiegen.

Das Auto ist den Dresdnern aber weiterhin wichtig. Pro 1 000 Bürger gibt es 473 Privatwagen, 40 mehr als bei der vorherigen Befragung. Je länger der jeweilige Weg, desto eher wirft der Dresdner den Motor an. Bis zu einem Kilometer laufen die meisten (77 Prozent) und nur 13 Prozent nutzen das Auto.

Ab zehn Kilometern fahren aber 67 Prozent mit dem Auto. Insgesamt ist die Nutzung des Autos aber gesunken. Etwa für den Weg zur Arbeit von 47 auf 44 Prozent oder in der Freizeit von 36 auf 31 Prozent. Nur für einen Weg ist der Autoanteil gestiegen: Für den Weg zur Kita nutzen 36 Prozent ihren Wagen, drei Prozentpunkte mehr als bisher.

Wegenetz weiter ausbauen

Für Freizeit und Einkäufe sind die Wege zu Fuß deutlich gestiegen. Das unterstützt die Theorie von Baubürgermeister Marx mit der besseren Nahversorgung. Und weil die Dresdner schnell mal etwas erledigen, sind sie auch häufiger unterwegs. Im Durchschnitt 3,55-mal pro Tag. Das ist ein leichter Anstieg zu der vorherigen Umfrage. Angebote wie Leihräder und Car-Sharing (Teilauto) werden aber noch sehr wenig in der Stadt genutzt.

Die Befragung haben Wissenschaftler in neun weiteren Städten durchgeführt. Dresden hatte 2003 damit begonnen, die Ergebnisse kamen 2005.

Außerdem sind jetzt Frankfurt/Main, Kiel, Osnabrück, Bremen, Düsseldorf, Rostock, Magdeburg und Leipzig dabei. „Dadurch kann man real und nicht Äpfel mit Birnen vergleichen“, so Frank Ließke von der TU Dresden.

Die Ergebnisse sollen in die Verkehrsprognose einfließen. Eine sofortige Erkenntnis hat Marx bereits: „Es ist richtig, dass wir die Radwege weiter ausbauen.“ Außerdem sei er froh, dass Linke, Grüne und SPD drei Millionen Euro zusätzlich für Radwege im Haushalt eingeplant haben. „Ich würde mir aber auch mehr für Straßen wünschen“, so Marx.

Ob die Untersuchung eher für eine breitere oder eine schmalere Königsbrücker Straße spricht, könne er nicht sagen, so Marx. Aber die Zuschüttung des Neustädter Tunnels sei richtig. Nur so könne die Große Meißner Straße eventuell schmaler gemacht werden.

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