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Immer mehr herrenlose Haustiere

Voriges Jahr hat das Tierheim fast 400 Streuner aufgenommen. Die Kosten für die Stadt haben einen Höchststand erreicht.

Von Ingo Kramer

Der Görlitzer Tierheim-Chef Peter Vater kann sich vor Anrufen kaum retten. Allein voriges Jahr sind fast 400 sogenannte „Fundtiere“ bei ihm gelandet. Die 208 Katzen, 159 Hunde und 27 Kleintiere sind zahm genug, so dass er davon ausgehen kann, dass sie alle mal ein Herrchen oder Frauchen hatten. „Wir merken die Steigerung mit den Jahren ganz drastisch“, sagt er. Oft klingelt sogar nachts um drei das Telefon, weil die Polizei wieder irgendwo einen Streuner aufgegriffen hat. Die meisten Tiere muss Vater selbst irgendwo abholen, oft nach Hinweisen von Anwohnern.

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Katrin Müller vom Ordnungsamt kann das, was Vater täglich erlebt, noch in ganz andere Zahlen fassen: Sie bekommt die Rechnungen vom Tierheim. „Im Jahr 2012 hat die Stadt insgesamt über 92 000 Euro für Fundtiere ausgegeben“, sagt sie. So viel war es noch nie. Die Summe teilt sich auf in 51 000 Euro für Hunde und 41 000 Euro für Katzen. Zum Vergleich: Im Jahr 1995 lag die Summe noch bei umgerechnet rund 12 000 Euro. Seither ist sie fast jedes Jahr gestiegen, hatte beispielsweise 2003 48 000 Euro erreicht und 2009 schon 86 000 Euro.

Auch die Zusammensetzung dieser Zahlen kennt sie genau: Zuerst fallen Tierarztkosten an. Bei Hunden sind für Impfung und Entwurmung zusammen 54 Euro nötig, bei Katzen kommt noch die Sterilisation dazu, sodass die Kosten bei 85 Euro liegen, bei Katern fallen für die Impfung, Entwurmung und Kastration 54 Euro an. Zudem zahlt die Stadt einen Monat lang für die Unterbringung und Versorgung im Tierheim. Das macht für eine Katze pro Tag vier Euro, für einen Hund acht Euro.

„Meldet sich in dieser Zeit ein Besitzer, muss er die aufgelaufene Summe zahlen und bekommt dafür sein Tier zurück“, sagt Katrin Müller. Nach Aussage von Vater ist das selten der Fall: „Bei Hunden ab und an, aber bei Katzen nur selten.“ Erst kürzlich machte ein Fall Schlagzeilen, bei dem nachts vier Hunde auf der Rauschwalder Straße aufgegriffen wurden. „Die sahen alle vier ordentlich aus, aber für keinen einzigen hat sich ein Besitzer gemeldet“, sagt der Tierheimchef. Er vermutet, dass sie aus einem Versuchslabor in Polen stammen. Nachzuweisen ist das aber nicht – und so bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen.

Besonders betroffene Stadtteile gibt es laut Vater nicht. Stattdessen aber betroffene Örtlichkeiten. „Gartensparten sind so ein Schwerpunkt“, sagt er. Und alte Fabrikgelände. Wenn die Tiere an solchen Orten von liebevollen Menschen gut gefüttert werden, seien es besonders viele. Aus zwei Katzen können binnen eines Jahres mit Kindern und Kindeskindern 100 werden. Laut Tom Jähne vom Ordnungsamt kann die Stadt auch nicht an den Tieren sparen: „Die Versorgung und Unterbringung ist eine städtische Pflichtaufgabe.“

Weiteres Geld steckt die Stadt in Sterilisation und Kastration von wilden Katzen, obwohl das keine Pflichtaufgabe ist. Wilde Katzen sind solche, die nie ein Herrchen oder Frauchen hatten, sondern als Nachfahren von zahmen Hauskatzen draußen geboren wurden. „Solche Katzen lassen sich nicht streicheln oder per Hand einfangen“, so Tom Jähne. Die Tiere werden stattdessen mit Fallen gefangen, sterilisiert und dann wieder am gleichen Ort ausgesetzt. Dafür hat die Stadt ein jährliches Budget von 2 250 Euro zur Verfügung, der Landkreis legt noch einmal die gleiche Summe drauf. Dass das nicht reicht, erklärt Vater: „Wir bringen dafür auch noch einmal 3 000 Euro im Jahr auf, davon 90 Prozent vom Land und 10 Prozent Eigenleistung.“

Beinahe verschwindend gering ist dagegen die Summe, die die Stadt für die Beseitigung toter Tiere zahlt. Die Feuerwehr sammelt nämlich pro Jahr etwa 150 Kadaver von den Straßen auf, lagert sie in einer Kühltruhe und lässt sie von einer Tierkörperbeseitigungsanstalt abholen, wenn die Truhe voll ist. Kosten dafür: Ganze 192 Euro im Jahr 2012.Auf ein Wort