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Beliebte Biene

Die Zahl der Imker im Landkreis ist angestiegen. Auch wer wenig Zeit oder Platz hat, bekommt eine Möglichkeit.

Nicht nur die Honigbiene benötigt Unterstützung durch den Menschen, auch die Wildbiene, wie hier auf dem Bild, hat Probleme, Nahrung zu finden.
Nicht nur die Honigbiene benötigt Unterstützung durch den Menschen, auch die Wildbiene, wie hier auf dem Bild, hat Probleme, Nahrung zu finden. © Karl-Ludwig Oberthür

"Früher hielten sich die Menschen im Kleingarten Honigbienenvölker, jetzt stehen sie auf dem Dach des Mietshauses", beobachtet Michael Hardt, Vorsitzender des Landesverbandes Sächsischer Imker. Das Honigmachen stirbt also nicht, im Gegenteil. Seit 2015 sei die Zahl der Imker kontinuierlich gestiegen. Laut der Sächsischen Tierseuchenkasse gab es 2015 im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 528 gemeldete Imker. 2020 waren 783 registriert, sagt Verwaltungsleiter Martin Kunze auf Nachfrage von Sächsische.de. Die Zahl der Honig-Bienenvölker in der Region stieg im genannten Zeitraum von 4.875 auf 6.465. 

Doch warum halten sich immer mehr Privatleute eigene Honigbienen? André Spindler aus Saida bei Kreischa ist einer von ihnen: "Ich wollte schon immer Honigbienen", sagt er. "Ich dachte, es könnte mir Freude bereiten, Dinge zu tun, die nicht nur mich, sondern auch andere Menschen erfreuen." Er wolle der Natur und den Menschen etwas zurückgeben, ohne wissentlich oder unwissentlich Schaden anzurichten. "Der Zufall kam mir zu Hilfe, als meine Familie und ich aus Wien zurückkehrten, wurde dieses Haus in Saida verkauft und hier befand sich bereits ein Bienenhaus", erklärt der Hobby-Imker.

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Dort wohnen jetzt in einer sogenannten Hinterbehandlung 13 Jungvölker, die André Spindler selbst gezüchtet hat: "Ich mache hier eigentlich eher wenig Honig. Stattdessen ziehe ich Jungvölker, zum Verkauf und zur Vermietung." Diese 13 neuen Völker sind aus fünf Honigbienenvölkern entstanden und sollen nach dem kommenden Winter verkauft beziehungsweise vermietet werden, erklärt der Bienenzüchter: "Ich beginne gerade, mir in diesem Bereich ein zusätzliches Standbein aufzubauen und Honigbienenvölker zu vermieten."

Das relativ neue bundesweite Unternehmen Bee-rent soll nun auch in Sachsen Fuß fassen. Dort können Privatpersonen und Firmen entweder Bienenvölker mieten oder eine Patenschaft für Honigbienen übernehmen. "Wir stellen die Beuten dann zum Beispiel auf dem Dach eines Unternehmens auf und kümmern uns aller zwei Wochen um die Pflege der Tiere", erklärt Spindler. Die Miete beträgt je nach Laufzeit 179 bis 199 Euro pro Monat. Die Mieter bekommen die komplette Honigernte, die sie etwa als Werbegeschenk verteilen können. Aber auch die Imagepflege dürfte viel wert sein. Für das kleinere Portemonnaie gibt es die Bienenpatenschaft ab 19 Euro pro Monat, mit der auch eine Erntebeteiligung erworben wird. 

Am 17. Juli sollen beim Palais-Sommer in Dresden bereits vier Bienenvölker aus Saida aufgestellt werden. Die dazugehörigen Beuten seien von einem Künstler aus  Kleinkautzsch gestaltet worden, sagt Spindler. Derzeit stünden bereits Mietbienenstöcke in ganz Sachsen und Sachsen-Anhalt, von Dessau bis Löbau, sagt er. 

Auch André Spindler hat bemerkt, dass die Imkerei boomt. "Ich möchte aber jedem, der sich dafür interessiert, empfehlen, sich das gründlich zu überlegen. Katzen zu halten, ist einfacher", lacht der Imker, bei dem kürzlich auch eine junge Katze eingezogen ist und fügt hinzu: "Am besten ist es, bevor man sich Bienen kauft, einen erfahrenen Imker ein Jahr lang zu begleiten." Erst dann sollte die endgültige Entscheidung fallen, schließlich sind Bienen Tiere, die viel Pflege bedürfen.

Die Imker werden immer jünger, fällt Michael Hardt vom Landesverband Sächsischer Imker auf: "Wir haben eine starke Zunahme von neuen, jungen Mitgliedern, sogar Schüler halten sich schon Honig-Bienenvölker." Neulingen empfiehlt Hardt, mit vier Völkern zu beginnen. Wenn zwei Honigbienenvölker den Winter oder die Varroa-Milbe nicht überleben, bleiben wenigstens zwei Völker übrig, begründet er. Alle Bienenvölker müssen bei der Tierseuchenkasse angemeldet sein und eine Mitgliedschaft oder wenigstens Kontakt zu einem Imkerverein wäre hilfreich, um Anfangsprobleme schnell durch erfahrene Imker zu beseitigen.

Der Hobbyimker André Spindler mit seinen Honigbienen auf seinem Grundstück in Saida bei Kreischa.
Der Hobbyimker André Spindler mit seinen Honigbienen auf seinem Grundstück in Saida bei Kreischa. © Frank Baldauf

Gedanken macht sich Hardt auch um die Wildbiene, die vom Aussterben bedroht sei. "Dadurch dass immer mehr Monokulturen auf den Feldern angebaut werden, fehlt den Wildbienen die Nahrung. Denn Wildbienen leben meist nur von einer bestimmten Pflanze und wenn genau diese Pflanze nicht mehr da ist, gehen sie ein." Honigbienen seien in ihrer Nahrungswahl sehr viel flexibler.

Deshalb wünscht sich der Landesverbandschef auch hier etwas Hilfe von den Menschen: "Sie können die Wildbienen füttern, in dem sie verschiedene Blühpflanzen aussähen und beim professionell angelegten Garten dürfen auch gerne blühende Stauden und Sukkulenten gepflanzt werden." Diese Pflanzen würden auch den Wildbienen helfen, genügend Nahrung zu finden.

André Spindler ist sich der Problematik der Wildbienen ebenfalls bewusst: "In Dresden wird an der Hochschule für Technik und Wirtschaft  voraussichtlich am 28. Juli eine Wohnbeute für Hummeln und Wildbienen aufgestellt." Unten fänden Hummeln ein Zuhause und in den beiden oberen Etagen des ca. ein Meter hohen Kastens sollen Wildbienen wohnen.

Diese Bienenwachsprodukte haben Spindlers Kinder für einen Weihnachtsmarkt hergestellt.
Diese Bienenwachsprodukte haben Spindlers Kinder für einen Weihnachtsmarkt hergestellt. © SZ/Siri Rokosch

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