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Immer mehr Pendler fahren Zug

Tausende sind täglich auf den Strecken zwischen Dresden und dem Umland unterwegs. Doch es gibt auch Kritik.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Jana Mundus

Ute Vogel stieg nicht unbedingt freiwillig von vier Rädern auf den Zug um. Die Dresdnerin fuhr jahrelang mit dem Auto zur Arbeit in die Radeberger Stadtverwaltung. Doch ein Unfall vor drei Jahren veränderte alles. Ihr Fahrzeug war Schrott, der Zug die rettende Alternative. „Ich hatte auch schon vorher mit dem Gedanken gespielt, aber letztlich immer die Vorzüge des eigenen Autos genossen.“ Heute fährt sie gern Zug, nutzt als Berufspendlerin den Nahverkehr ins Dresdner Umland – Tausende andere tun es ihr gleich.

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Sparen mit der Monatskarte

Pendler, die mit dem öffentlichen Nahverkehr in der Region Dresden unterwegs sind, nutzen laut Informationen des Regionalverkehrs Dresden zwar auch Busverbindungen, hauptsächlich sind sie jedoch mit dem Zug unterwegs. Auf allen Strecken in und aus Richtung der Stadt (siehe Grafik) verzeichnet der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) derzeit eine wachsende Nachfrage. So stiegen die Fahrgastzahlen zwischen 2011 und 2012 in Richtung Pirna um vier Prozent, auf der Strecke nach Freital um fünf Prozent sowie nach Radebeul und Radeberg um jeweils sechs Prozent.

„Für mich ist das Zugfahren auf jeden Fall preiswerter als das Pendeln mit dem Auto“, erklärt Ute Vogel ihre Motivation. Für die Strecke nach Radeberg zahlt sie monatlich 68 Euro, kann mit ihrer Monatskarte auch das Fahrrad mitnehmen, Bus und Bahn in Dresden nutzen sowie am Wochenende einen zweiten Erwachsenen und bis zu vier Kinder mitnehmen. Zusätzlich ist sie auch auf eine andere Person übertragbar. Der Preis des Monatstickets richtet sich danach, wie viele Tarifzonen der Pendler auf seinem Weg zur Arbeit durchfährt. So kostet die Karte von Pirna nach Dresden für zwei Tarifzonen 80 Euro, von Meißen nach Dresden über drei Tarifzonen knapp 122 Euro und für vier Zonen von Riesa nach Dresden 156 Euro. Zweites wichtiges Argument für Ute Vogel ist die Taktfrequenz des Zugs. „Die S-Bahn fährt in den Zeiten, in denen ich sie nutze, alle 30 Minuten. Das ist sehr attraktiv.“ Doch längst nicht jeder ist mit dem Angebot für Pendler zufrieden.

Der Gewerbeverein von Ottendorf-Okrilla befragte jetzt 106 Firmen aus dem Ort, inwieweit die Zuganbindung nach Dresden für die Arbeitnehmer interessant ist. Das Ergebnis: Gerade für die vielen Schichtarbeiter aus den großen Unternehmen im Ottendorfer Gewerbegebiet ist sie keine Alternative. Von fast 6 000 Arbeitnehmern nutzen nur 617 öffentliche Verkehrsmittel. „Durch die fehlende Bahnanbindung in den Nachtstunden können viele, die in Spät- und Nachtschichten arbeiten, nicht auf die Bahn umsteigen“, erklärt Frank Bösemüller, Vorsitzender des Gewerbevereins. Auch die Abfahrtszeit der Züge im Stundentakt sei für die Pendler ungeeignet.

Immerhin hätten fast 1 800 der Befragten signalisiert, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, wenn das Angebot attraktiver wird. „Deshalb setzen wir uns auch dafür ein, dass die Straßenbahnlinie 7 aus Dresden in Zukunft bis nach Ottendorf-Okrilla geführt wird“, so Bösemüller. Das böte den Firmen auch Sicherheit für die Zukunft. „Gerade für die jungen Lehrlinge ohne Auto ist es wichtig, dass der Ausbildungsplatz gut mit Bus oder Bahn erreichbar ist.“ Laut VVO-Sprecher Christian Schlemper läuft zum Thema Straßenbahn-anbindung nach Ottendorf-Okrilla gerade eine umfassende Untersuchung des VVO und der Dresdner Verkehrsbetriebe.

Unterdessen steigen die Pendlerzahlen zwischen den sächsischen Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz. Schon jetzt fahren die Züge auf der Strecke zwischen Dresden und Leipzig in der Hauptverkehrszeit mit mehr Plätzen. „Wir sehen hier viel Potenzial für die Zukunft“, sagt Schlemper mit Blick auf die Pendlerströme zwischen den sächsischen Metropolen.

Mancher fühlt sich abgehängt

Für den Nossener Bürgermeister Uwe Anke muss das wie Hohn klingen. Erst Ende 2013 entschied die Zweckverbandsversammlung des VVO, die nur schwach genutzte Regionalbahnstrecke von Meißen nach Nossen Ende 2015 einzustellen, die Verbindung Nossens in Richtung Landeshauptstadt. „Wir liegen im Herzen Sachsens, werden zugtechnisch aber von den sächsischen Großstädten abgehängt“, sagt Anke. Berufspendler zwischen Dresden und Nossen können jedoch schon seit Jahren einen Schnellbus zwischen den beiden Städten nutzen. Für den Bürgermeister ebenfalls ein Grund dafür, dass die Zuglinie nur noch schlecht angenommen wurde. „Momentan habe ich nur wenig Hoffnung, dass Nossen irgendwann wieder eine Zugverbindung in Richtung Dresden bekommt.“

Pendler aus anderen Städten und Gemeinden kann Christian Schlemper derzeit beruhigen. Weitere Streckenstreichungen sind nicht geplant. Ausgebaut werden soll das Zugangebot aber auch nicht. „Mit den geplanten Erweiterungen in Richtung Meißen und der dichteren Taktung der S-Bahn sowie bereits getätigten Verbesserungen fühlen wir uns gut gerüstet“, fügt er hinzu. So fahren seit einiger Zeit bereits in Richtung Tharandt, Priestewitz und Großenhain in der Hauptverkehrszeit mehr Züge. „Trotz knapper öffentlicher Kassen arbeiten wir aber an punktuellen Verbesserungen, um auch künftig einen attraktiven Nahverkehr anzubieten“, verspricht er.