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Immer mehr Schleichverkehr im Preußischen Viertel

Kraftfahrer kürzen ihre Strecken verstärkt durch das Wohngebiet ab. Die Anwohner wollen sich das nicht länger gefallen lassen.

Von Ulrike Kirsten

Mit der Ruhe an der Jägerstraße ist es seit der Eröffnung der Waldschlößchenbrücke vorbei. Rund um die Uhr donnern nun Autos, Lkws und Busse durch das Preußische Viertel. Besonders betroffen sind auch die Forststraße und die Marienallee. „Noch vor wenigen Monaten konnte ich meinen Kindern ungestört auf dem Balkon etwas vorlesen. Das ist heute nicht mehr möglich. Es ist einfach viel zu laut“, sagt Anwohnerin Frauke Donnevert.

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Viele Kraftfahrer nutzen die Straßen in dem denkmalgeschützten Wohngebiet, um die Bautzner- und Radeberger Straße sowie die Stauffenbergallee zu umfahren. Von morgens im Berufsverkehr bis tief in die Nacht. Auch am Wochenende finden die Bewohner der Jägerstraße keine Ruhe mehr. „Früher sind in der Stunde vielleicht fünf Autos hier langgekommen. Heute sind es gefühlt zwanzigmal so viele. Selbst an Samstagen und Sonntagen geht das bisweilen so“, sagt Andreas Klottig, dem das Haus gehört, in dem Frauke Donnevert seit zehn Jahren lebt. Nur die wenigsten Kraftfahrer hielten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde. Diese ist fast im gesamten Preußischen Viertel, das sich im Westen von der Forst- bis zur Fischhausstraße im Osten erstreckt, vorgeschrieben. Eine Asphaltierung der Marienallee und Forststraße lehnen die Anwohner ab, auch wenn das zur Lärmminderung beitragen würde. Frauke Donnevert hofft darauf, dass die Regelung rechts vor links an der Kreuzung Forst- und Jägerstraße eingeführt wird und die Autofahrer dann wieder vorausschauender fahren. „Der steigende Verkehr ist nicht nur eine Belastung, sondern auch gefährlich.“

Seit viele Kraftfahrer das Viertel als Schleichweg nutzen, kommt es auch häufiger zu Unfällen, hat die gebürtige Dresdnerin beobachtet. „Bisher ging das immer glimpflich aus. Aber wir haben hier Kitas und die Waldorfschule gleich um die Ecke, und viele Anwohner fahren hier auch mit dem Fahrrad entlang.“ Zwar hat der Verkehr vor Eckehardt Schmidts Haustür in der Nordstraße nur gering zugenommen. „Aber ich muss zugeben, dass ich selbst zu denen gehöre, die durch die Waldschlößchenbrücke eben auch eher durch die Straßen im Viertel fahre als über die Bautzner- und Fischhausstraße.“ Der Architekt rechnet damit, dass die Belastung im Viertel noch weiter zunimmt, sobald die Albertbrücke saniert wird.

Eine Zählung, wie sich die Verkehrsströme seit Eröffnung der Waldschlößchenbrücke im Preußischen Viertel tatsächlich entwickelt haben, soll im Frühjahr losgehen. Die Anwohner fordern aber schon jetzt mehr Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei. „Früher war es auch möglich, dass die Geschwindigkeit überprüft wurde. Außerdem könnte es Kontrollen geben, ob Laster hier langfahren müssen oder ob sie wirklich etwas für die vielen ansässigen Hotels anliefern“, sagt Frauke Donnevert. Viele Anwohner wünschen sich, dass das Viertel wieder zu einem Erholungsgebiet wird, dass es unter August dem Starken einmal war. Generell sei es deshalb eine Überlegung wert, das Areal für den Durchgangsverkehr zu sperren und nur für die Anlieger zu öffnen.

Unterstützung bei ihren Bemühungen finden die Bewohner des Preußischen Viertels bei den Grünen. Sie wollen sich dafür einsetzen, dass der ursprüngliche Charakter erhalten bleibt. Stadtrat Torsten Schulze (Grüne) ruft die Anwohner deshalb auf, sich gemeinsam zu engagieren. „Der Anfang könnte beispielsweise mit einer Petition gemacht werden.“