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Immer mehr Teenager klagen über Kopfschmerzen

Zu viele Kinder nehmen schon Tabletten, zeigt eine neue Studie – und sagt, was Eltern besser tun sollten.

Und jetzt auch noch die Hausaufgaben: Stress in der Schule ist eine der Hauptursachen für Kopfschmerzen bei Kindern.
Und jetzt auch noch die Hausaufgaben: Stress in der Schule ist eine der Hauptursachen für Kopfschmerzen bei Kindern. © Dmitri Maruta/123rf

Es hämmert im Kopf, der Schädel brummt, man kann keinen klaren Gedanken mehr fassen: Kopfschmerzen sind ein Volksleiden – und inzwischen auch immer mehr unter Kindern und Jugendlichen verbreitet. Mehr als jeder achte Jugendliche in Deutschland leidet unter ärztlich diagnostizierten Kopfschmerzen – 15 Prozent der Mädchen und knapp elf Prozent der Jungen. Das geht aus einem aktuellen Report hervor, den die Techniker Krankenkasse (TK) am Mittwoch vorstellte. Grundlage sind die Daten von knapp zehn Millionen TK-Mitgliedern sowie eine repräsentative Forsa-Umfrage.

Die Zahlen bestätigen den Trend: Mit dem Alter nimmt auch die Zahl der Betroffenen zu. Bei den Kindern bis 14 Jahren werden 4,3 Prozent wegen Kopfschmerzen behandelt. Unter den 15- bis 19-Jährigen sind es bereits 13 Prozent; von denen hat etwa jeder dritte Migräne. Dabei sind allerdings nur jene Patienten berücksichtigt, die beim Arzt waren. Tatsächlich ist das Ausmaß offenbar viel größer, wie die zweite Welle der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) gezeigt hat. Demnach berichteten fast jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge im Alter von elf bis 17 Jahren über Kopfschmerzen.

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Erste Migräneattacke immer früher

Etwa zwei Drittel aller jungen Kopfschmerzpatienten hätten noch andere Erkrankungen, sagt Dr. Gudrun Goßrau. Sie leitet die Kopfschmerzambulanz am Dresdner Uniklinikum. Die absolute Zahl unter jungen Menschen nehme zu, weil der Kopfschmerz viel eher ausbricht: „Früher bekam man Mitte 20 seine erste Migräneattacke, heute schon mit zwölf oder 14 Jahren.“ Hauptursache seien veränderte Umweltfaktoren wie Handy, Stress und die Geschwindigkeit im Alltag.

Längst habe daher auch die Pharmaindustrie junge Menschen als Zielgruppe für Schmerzmittel entdeckt, heißt es in dem Report. Er legt offen, wie mit geschicktem Marketing – zum Beispiel über Influencer – für Medikamente geworben wird. Und das offenbar mit Erfolg: Die Umsätze mit rezeptfreien Kopfschmerzmitteln steigen seit Jahren an – auf 500 Millionen Euro im vergangenen Jahr. „Schmerzmittel sind ein Lebensmittel geworden, sie gehören für viele Menschen zum Alltag“, konstatiert Professor Hartmut Göbel, Chefarzt an der Schmerzklinik Kiel.

Dazu kommen die Medikamente, die von Ärzten verschrieben werden. In Sachsen bekommt laut Studie mehr als jedes vierte Kind (26 Prozent) unter 19 Jahren mit der Diagnose Kopfschmerz Arzneimittel verordnet. Das ist bundesweit der dritthöchste Wert nach dem Saarland (27,5 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (27,4 Prozent). Den geringsten Anteil verzeichnet Berlin mit 17 Prozent. Worauf die regionalen Unterschiede beruhen, sei unklar, heißt es in dem Report.

Besser keine Kombinationspräparate

Es gehe keineswegs darum, Tabletten zu verteufeln, betont TK-Chef Jens Baas. Bei schweren Kopfschmerzformen wie der Migräne, seien Medikamente sinnvoll und auch erforderlich. Göbel: „Wesentlich ist, dass ich die Diagnose meiner Kopfschmerzen kenne und ein Konzept zur Vorbeugung und Akutbehandlung habe.“

Häufige Ursachen bei Heranwachsenden seien Stress in der Schule, Angst, zu häufige und zu lange Reizüberflutung durch digitale Medien oder auch Lebensmittelunverträglichkeiten, sagt Simone Hartmann, Leiterin der TK-Landesvertretung Sachsen. Sie empfiehlt Eltern, gemeinsam mit den betroffenen Kindern den Dauerstress und die innere Anspannung abzubauen: „Ausreichender Schlaf, regelmäßige Ruhephasen abseits von Smartphones oder Computern und vor allem sportliche Aktivität an frischer Luft sind die beste Medizin gegen Kinderkopfschmerz.“

Bei rezeptfreien Medikamenten greifen viele Patienten zu Kombinationspräparaten, zeigen die Verkaufszahlen. Aus ärztlicher Sicht gebe es dafür keinen Grund, betont Schmerzmediziner Göbel. Besser sei es, die einzelnen Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) in der richtigen Dosierung zu nehmen. Bei deren Wirkstärke gebe es keine bedeutsamen Unterschiede. „Ibuprofen wirkt etwas schneller, ASS dafür etwas nachhaltiger.“

Kopfschmerz im Überblick:

Mediziner unterscheiden im Wesentlichen vier Arten von Kopfschmerzen. Als chronisch gelten sie, wenn sie drei Monate regelmäßig an mehr als 15 Tagen im Monat aufgetreten sind und über mehr als vier Stunden anhielten.

  • Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form. Typisch ist ein Druck auf beiden Seiten des Kopfes, manchmal auch ringsherum.
  • Migräne macht sich durch klopfenden oder pochenden Schmerz bemerkbar. Er kommt in Attacken, tritt meist halbseitig auf und verstärkt sich bei körperlicher Betätigung.
  • Cluster-Kopfschmerz tritt üblicherweise in Serien auf. Der extreme Schmerz sitzt meist hinter einem Auge und strahlt zur Schläfe.
  • Medikamente können Kopfschmerz verursachen, wenn sie regelmäßig und längere Zeit konsumiert werden.

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