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Touristen-Boom in Rammenau

Die Zahl der Übernachtungsgäste im Dorf ist schon in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Jetzt setzt die Corona-Krise noch eins drauf.

Seit 2004 vermieten Regina Liebig und ihr Mann in Rammenau eine Ferienwohnung. In diesem Jahr ist die Nachfrage besonders groß.
Seit 2004 vermieten Regina Liebig und ihr Mann in Rammenau eine Ferienwohnung. In diesem Jahr ist die Nachfrage besonders groß. © SZ/Uwe Soeder

Rammenau. Komplett ausgebucht für die nächsten Wochen ist das Ferienquartier von Familie Liebig in Rammenau. Bis Ende August sieht der Belegungsplan rot aus. Die anderen Ferienwohnungen in dem mehrfach preisgekrönten Ort sind ebenfalls bestens ausgelastet. Dass in Zeiten Corona-bedingter Reiseeinschränkungen der Deutschland-Tourismus einen Aufwind erlebt, ist auch in Rammenau zu spüren.  

„Wir sind eigentlich immer gut ausgelastet“, verrät Regina Liebig. Doch dieses Jahr gebe es noch mehr Buchungen. Das berichtet auch ihre Nachbarin Susan Leuschner, die gemeinsam mit ihrem Mann drei Wohnungen und ein Apartment vermietet. Auch Leuschners Quartiere sind stets gut nachgefragt. Dieses Jahr geht im Juli und August quasi nichts mehr. „Der ganze Sommer wurde innerhalb von 14 Tagen komplett zugebucht“, sagt die Vermieterin.

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Kurze Anreise und viel Natur

Immer mehr Touristen wissen die Vorteile des Landurlaubs in Deutschland zu schätzen. Gerade in Corona-Zeiten. Eine kurze Anreise, Natur pur und viele Angebote für Familien mit Kindern sind die wichtigsten Gründe dafür. In Rammenau kommt noch die sehr günstige Lage dazu. Von dort aus sind Ziele wie Bautzen, Dresden oder die Sächsische Schweiz schnell zu erreichen. „Die Anbindung ist top", sagt Regina Liebig.

Seit 2004 vermieten sie und ihr Mann. Ihre Ferienwohnung ist gefragt, denn die Liebigs bieten einen hohen Standard – unter anderem mit eigener Sauna – und eine Atmosphäre, in der Gäste sofort spüren, sie sind willkommen. Anfangs wollten Urlauber  aus den alten Bundesländern vor allem Dresden kennen lernen. Heute erkunden sie gern auch die Oberlausitz. Und oft würden sie überrascht feststellen, dass sie auch für Rammenau einen Tag einplanen müssen, erzählt Regina Liebig. Denn der Ort mit Barockschloss, Alter Schmiede, gepflegten Häusern und Gärten, idyllischen Teichen, sanften Hügeln und gut markierten Wegen hat Gästen viel zu bieten.

Vier Gruppen von Besuchern

Nach Rammenau kommen Urlaubsgäste häufiger wieder, und sie bleiben im Schnitt eine Woche. Außerdem werden jährlich mehr Touristen gezählt. Von 2017 zu 2018 registrierte die Verwaltung zwei Prozent mehr Übernachtungsgäste. Im vorigen Jahr waren es sogar acht Prozent mehr. Die Einschätzung der Gemeinde deckt sich mit den Erfahrungen von Vermietern. „Die meisten Gäste bleiben fünf Tage“, so Regina Liebig. Einige wenige sogar zwei, drei oder vier Wochen.

Vier Besuchergruppen macht die Vermieterin dabei aus. Stammgäste, die schon von Anfang an kommen. Junge Familien aus der Stadt, die Lärm und Hektik einfach mal für ein paar Tage mit ruhiger, grüner Idylle tauschen wollen. Ausgewanderte, die ihre Familien vor Ort besuchen, und auch Monteure. Letztere würden bei ihnen aber im Sommer selten anfragen. Denn da ist Liebigs Ferienwohnung meist belegt.

In der Zeit des Lockdowns war das anders. Da habe ein Informatiker aus Stuttgart längere Zeit bei ihnen gewohnt. „Dienstreisende durften ja.“ Das habe enorm geholfen. Denn in der Zeit sei es mit Stornierungen und neuen Buchungen ziemlich verrückt hin und her gegangen. Liebigs könnten noch ihre Scheune ausbauen, eine weitere Ferienwohnung schaffen. Platz und Lage würden sich anbieten, und auch Anfragen gebe es genug. "Bisher habe ich mich aber noch nicht durchringen können", so Regina Liebig.

Keine Schwellen, dafür extra breite Türen

Die Gemeindeverwaltung erklärt die wachsende Gästezahl insbesondere mit der gestiegenen Anzahl und inzwischen auch überwiegend sehr hohen Qualität der Übernachtungsangebote. Familie Leuschner bietet zum Beispiel seit drei, vier Jahren auch eine barrierefreie Ferienwohnung an. In der gibt es keine Schwellen, dafür extra breite Türen und sogar ein separates Betreuerzimmer direkt angrenzend, welches man – zum Beispiel für Pflegepersonal - dazubuchen kann. Dinge, die es behinderten Menschen leichter machen, die aber auch für Familien mit kleinen Kindern sehr hilfreich sind.

Sie sei selbst Mutter eines behinderten, allerdings nicht bewegungseingeschränkten Kindes, sagt die Rammenauerin. Sie und ihr Mann hätten deshalb mehr Kontakt zu Menschen mit Handicap und dadurch auch einen anderen Blick auf deren besondere Bedürfnisse. Und sie stellten fest: Behindertengerechte Ferienwohnungen sind eine absolute Lücke im sonst recht umfangreichen Angebot, erklärt Susan Leuschner diese Investition. 

Seit vorigem Jahr gibt es in Rammenau zehn Vermieter mit insgesamt 55 Betten und „wie es momentan aussieht, kommt in diesem Jahr ein elfter hinzu“, so Gemeindemitarbeiterin Grit Schülke, bei der die Fäden in Sachen Tourismus zusammenlaufen. Aber auch die Gemeinde lasse sich was einfallen, um Rammenau für Einheimische und Touristen noch interessanter zu machen, so Bürgermeister Andreas Langhammer. Neuestes Projekt ist der Bau eines Wanderwegs entlang des Flüsschens Gruna im Ort, der vom Nieder- bis zum Waldscheibenteich führen und die Themen Sport, Geist und Erholung verbinden soll. Dafür werden beispielsweise Sportgeräte aufgebaut und Erholungsinseln geschaffen. 

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