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Immer noch viel zu trocken

Obwohl es in den letzten Tagen geregnet hat, herrscht an den Teichen große Not. Außer in Rammenau.

Von Jana Ulbrich

Karsten Ringpfeil konnte es nicht mehr mit ansehen. Jetzt ist der Teichwirt aus dem Königswarthaer Ortsteil Wartha zur Tat geschritten. Fünf Tonnen zweisömmrige Karpfen schwimmen jetzt erst einmal in der Hälteranlage auf dem Fischereihof. Die braucht ein Teichwirt normalerweise nur nach dem Abfischen im Herbst und für den Verkauf. Karsten Ringpfeil braucht die Hälter jetzt als Notunterkunft für seine Zweisömmrigen. Irgendwo müssen sie ja hin.

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In acht Teichen, die der Fischereiwirtschaftler jetzt besetzen müsste, fehlt Wasser. In einigen steht es erst knöchelhoch. Der Teich, in den die Zweisömmrigen einziehen sollen, ist erst zu 30 Zentimetern gefüllt. 70 Zentimeter fehlen noch. „Es ist verrückt“, sagt Karsten Ringpfeil. „So eine Situation haben wir hier noch nie erlebt.“

Keiner in der Region kann sich erinnern, dass es einen so extremen Wassermangel zum Saisonstart in der Teichwirtschaft schon jemals gegeben hätte. Am schlimmsten trifft es die Himmelsteiche, die nicht aus Bächen und Flüssen, sondern allein vom Oberflächenwasser aus dem Einzugsgebiet gespeist werden. Oberflächenwasser gibt es in diesem Frühjahr bis jetzt überhaupt keins.

Die „klimatische Wasserbilanz“ ist gegenwärtig gleich null, erklärt Agrarmeteorologe Martin Schmidt vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Das bedeutet: Auch von sämtlichen Regenschauern, die sich im März und April über der Oberlausitz ergossen haben, ist bisher de facto kein Tropfen übrig geblieben. „In der Bilanz betrachtet ist genauso viel Wasser gefallen wie verdunstet“, erklärt der Meteorologe.

Das liegt vor allem daran, dass es in diesem Frühjahr keine Schneeschmelze gegeben hat. Es liegt aber auch an ungewöhnlich hohen Temperaturen. Der März 2014 war doppelt so warm wie das langjährige Mittel, das an der Wetterstation Kubschütz bei 3,8 Grad Celsius liegt. Mit 7,7 Grad wird er als wärmster März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Kubschütz in die Geschichte eingehen.

Die Teiche der Fischwirtschaft Ringpfeil sind keine Himmelsteiche. Aber auch sie laufen nicht voll. Weil auch in den Flüssen und Bächen das Wasser fehlt. Die Regengüsse der letzten Tage haben die Pegelstände in der Lausitz zwar gerade um einen, maximal zwei Zentimeter ansteigen lassen, die Gewässer führen aber nur halb so viel Wasser wie um diese Jahreszeit üblich. Wie auch die Teiche in Deutschbaselitz, bewirtschaftet von der Teichwirtschaft Paultheo von Zezschwitz. „Gut eine halbe Million Kubikmeter fehlt. Für Fische aber reicht es gerade so“, sagt Betriebsleiter Wolfgang Baudis. Keine Probleme mit Niedrigwasser hingegen in den Rammenauer Teichen, sie sind gut gefüllt. „Wir profitieren hier davon, dass es ringsum Quellgebiete gibt. Da kommt genug frisches Wasser nach“, so Wolfgang Baudis. Den 80 000 jungen Karpfen geht es bestens. Wolfgang Baudis erwartet nicht, dass es in Rammenau so schlimm kommt wie in Wartha.

Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie registriert landesweit fallende Grundwasserstände. An zwei von drei Messstellen liegen sie unter den langjährigen Monatsmittelwerten. Und die Grundwasserspiegel fallen weiter „Wir werden das enorme Niederschlagsdefizit aus dem Winter noch lange mitschleppen“, ist Martin Schmidt vom Deutschen Wetterdienst überzeugt. Das Defizit beträgt mittlerweile je nach Region zwischen 30 und 50 Prozent.

In der Landwirtschaft ist die Situation noch nicht prekär. Die Pflanzen haben drei Wochen Vorsprung und wachsen gut, heißt es aus den meisten Betrieben. Trockenschäden hat noch keiner gemeldet. Die schweren Böden im Oberland konnten das Wasser bis jetzt ganz gut speichern, und auch in den nördlicheren Regionen des Kreises reicht es noch gerade so. „Aber wirklich nur noch gerade so“, sagt Berndt Anders von der Agrargenossenschaft Laußnitz. „20, 30 Millimeter Landregen, schön langsam und gleichmäßig, die würden wir jetzt dringend brauchen.“

Die Pflanzen würden den Landregen regelrecht aufsaugen und nichts übrig lassen für Fische. Trübe Aussichten also für die Teichwirte. Ob sie schon jetzt mit Ernteverlusten rechnen müssen? „Abwarten“, sagt Karsten Ringpfeil, der viel gewöhnt und immer optimistisch ist. Prognosen will er lieber keine abgeben. Aber ein gutes Gefühl hat er nicht. Er weiß, dass Fische, die in eng besetzten Winterteichen ausharren müssen, nur schlecht gedeihen. Weiß, dass sie größerem Stress ausgesetzt und anfälliger für Krankheiten sind, und dass sich Parasiten schneller verbreiten. Er weiß, dass auch die Einjährigen frisches Wasser brauchen, dass er irgendwo hinmuss mit der neuen Karpfenbrut.

Die Prognosen für ihn sehen nicht gut aus. Heute und morgen könnte es regnen, danach soll es wieder trocken bleiben. Die Temperaturen steigen an.