SZ +
Merken

Immer öfter Alkohol zur Frustbewältigung

Ebersbach. Bis Ende des Jahres ist die Jugendarbeit festgeschrieben. Der IB bekam im Oberland aber nur drei der vier beantragten Stellen bewilligt.

Teilen
Folgen

Von Cornelia Mai

Es gab nur zwei Möglichkeiten: Die Bankrott-Erklärung – da wäre alles weg gewesen – oder das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Jürgen Heider. Der langjährige Leiter des IB Jugendfreizeitzentrums ist schon fast ein „Dinosaurier“ in der Jugendarbeit.

Sybille Krause hatte es schwerer, Fuß zu fassen. Nach einem reichlichen Jahr als Streetworkerin in Ebersbach war erst mal kein Geld mehr für ihre Stelle da. Doch nach vier Monaten Arbeitslosigkeit gehört sie nun wieder zum Team und will für die Mädchen und Jungen Vertrauensperson und Zuhörerin sein. „Klar gab es durch die Pause Abbrüche. Ich brauchte aber nicht ganz bei Null anzufangen“, sagt sie.

Ohne Anleitung ist es schwer

Die jungen Leute haben schon Pläne, sie wollen auch was tun. Doch ganz ohne Anleitung schaffen sie es meist nicht. „Das beginnt bei so banalen Dingen wie einem Fußballturnier oder einem Grillabend“, sagt Sybille Krause. Da geht es um Ordnung und Sicherheit, wird etwas Geld benötigt, müssen vielleicht die Nachbarn verständigt werden. Bestes Beispiel ist da für sie der Klub im Amtsgericht.

Jürgen Heider erinnert sich noch gut an eine Disko im Freizeitzentrum, die zu eskalieren drohte. Als dann aber die Polizei anrückte, verbündeten sich die eben noch verfeindeten Gruppen gegen die Staatsgewalt. „Da ist sehr viel Frust angestaut, der schnell in Gewalt umschlagen kann“, sagt Karina Triquet. „Die Jugendlichen spiegeln die Verhältnisse wider, in denen sie aufwachsen.“ Sie hören die Erwachsenen schimpfen, stehen enorm unter Druck – von der Schule und von Zuhause her – und fühlen sich als Versager, fasst sie die Situation zusammen. Täglich erleben die drei Jugendsozialarbeiter frustrierte und desillusionierte junge Menschen.

„Als zunehmendes Problem erweist sich seit dem letzten halben Jahr der Alkohol“, sagt Jürgen Heider. Er sieht diese Entwicklung auch als eine Folge von Hartz IV. Schon 13-, 14-Jährige würden regelmäßig trinken. Bei einer Teenie-Disko ohne Alkohol gab’s unlängst dann Sprüche wie: Da fühlt sich doch meine Leber verkohlt!

„Die jungen Leute haben große Probleme und suchen nach einem Ventil“, beschreibt Karina Triquet ihre Erfahrungen. Deshalb sei kontinuierliche Jugendsozialarbeit so notwendig. Dafür bräuchte es aber eine gewisse Aus- bzw. Vorbildung. Und so sind die drei Jugendsozialarbeiter zwar froh über Hilfe durch ABM oder die zwei Leute auf 1,50-Euro-Basis im Speedclub in Oppach. „Überall können wir schließlich nicht gleichzeitig sein. Wir müssen diese Helfer aber auch schulen, was wieder zusätzliche Kräfte bindet“, sagt Jürgen Heider. Mehr Arbeit gibt’s auch durch den Speedclub in Oppach, den der IB im Frühjahr von der Awo übernommen hat. So ist Karina Triquet nun über die Woche sowohl im Freizeitzentrum des Internationalen Bundes in Ebersbach sowie meist mittwochs in Oppach anzutreffen.

Erste Ergebnisse in der Arbeit

Bis Ende dieses Jahres ist daran jetzt nicht mehr zu rütteln. „Förderungen, die danach fließen, sollen für drei Jahre ausgereicht werden“, sagt Sybille Krause. Diese Kontinuität wäre gut. Nur weiß bis jetzt noch niemand, welche Projekte 2006 überhaupt noch Bestand haben werden. Ein Abbruch wäre schade, denn es gibt erste positive Resultate – so in der Zusammenarbeit mit den Schulen oder bei den integrativen Musikabenden. „Da wird jetzt wesentlich weniger Schnaps getrunken als zu Beginn, greifen auch die Spätaussiedler eher zum Bier als zu den harten Sachen“, sagt Jürgen Heider.Heute im Oberland